NDR-Feature: Fake-Fabriken – Der Profit mit Falschmeldungen

Gutes Feature vom NDR über Fake-Fabriken – Der Profit mit Falschmeldungen von Tom Schimmeck.

Die Produktion von "Fake news" floriert weltweit. Gelangweilte Teenager, Geschäftemacher und Geheimdienstler versuchen sich an der Herstellung möglichst Klick-trächtiger viral wirkender Falschmeldungen. Um Stimmungen und Wahlen zu beeinflussen, Produkte zu vermarkten oder schlicht, um üppige Anzeigenhonorare zu kassieren, wie etwa im Balkanstädtchen Veles, das als "Stadt der Lügen" berühmt wurde. Auch in der Politik sind - spätestens seit dem Siegeszug von Twitterkönig Trump - "alternative Wahrheiten" Trumpf. Sie infizieren über Webseiten und soziale Medien viele Köpfe in aller Welt - ohne Faktencheck durch Qualitätsmedien. In Indien werden über Facebook, WhatsApp und Twitter täglich hunderte Millionen User mit Fakes gefüttert. Russlands "Trollfabriken" und Propagandakanäle sind im Westen gefürchtet. Gezielte Desinformation durch Staaten und Cyberkrieger gilt heute als eine Form sogenannter "hybrider Kriegsführung". Warum scheinen viele Menschen nach Verschwörung und Empörung geradezu süchtig zu sein? Wer profitiert? Lässt sich die Fake-Flut eindämmen?

MP3: media.ndr.de/download/podcasts…

Ab Minute 21 reden sie über das amerikanische Talk Radio, das auch bei Trumps Wahl eine entscheidende Rolle spielte und nach wie vor maßgeblich an der Verteilung von hyperpartisanen Inhalten und hyperbolischer Sprache inklusive Volksverhetzung, wie man es bei uns nennen würfe. Mich interessiert immer noch, ob sich die Sprache des Talk Radios seit den 2000er Jahren radikalisierte und ob sie in einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit den radikalisierten Inhalten in den Sozialen Medien stehen, sich also beide in einem Feedback-Loop verschärfen.

Die Hörer des Talk Radio sind nämlich am weitesten vom amerikanischen demokratischen Konsens entfernt und lehnen ihre politischen Gegner am entschiedensten ab, gleichzeitig nutzen sie Social Media laut Studien am wenigsten. Eine sprachliche Wettbewerbssituation mit dem neuen Medium und den dort gestreuten hyperbolischen Inhalten zur Sicherung der Marktanteile würde die zunehmende Polarisierung dann erklären: Ein Hasswettbewerb um Aufmerksamkeit in zwei verschränkten Medienframeworks, der dann auch aufgrund von beinahe herkömmlichen Netzmarkeing (also Tracking, Targeted Advertising et al) zu sprachlicher Effizenzsteigerung führt (auch im Talk Radio und damit bei den Offlinern, über das Feedback des Wettbewerbs) und so zur Dominanz von Hassinhalten in beiden Informationskanälen. Dieser sprachlichen Verdichtung haben diffus offene und sich gegenseitig kritisierende Lefties nur wenig entgegenzusetzen, leider.

Dazu auch dieses Interview mit Yochai Benkler: Selling Outrage.

almost all of the polarization happens demographically in populations that use the Internet and social media less, rather than more. These are people who watch TV and listen to talk radio. […]

The critical transformation happened when media on the right became a multimillion-dollar business that sells outrage and stokes hatred. The innovator and the real entrepreneur of that transformation was Rush Limbaugh.

In the book, we look at the history of what made Limbaugh, and then Fox News, possible. Technology (advances in FM radio, satellite, and cable technology) is part of the story, but not all. Rather, cable deregulation in the 1970s and ’80s created the conditions for the emergence of a much wider array of channels, and deregulation of broadcasters allowed for new formats to emerge. As Christian fundamentalists became politicized in the 1970s in response to the women’s movement, for example, televangelists emerged using paid programming that had become legal as the FCC loosened broadcasters’ public interest obligations. Combined with cable and satellite syndication, Christian Broadcasting Network was the third most subscribed and most watched cable TV station in the 1980s. Limbaugh’s syndication, in turn, was only possible with the repeal of the fairness doctrine in 1987.

In an environment where you have lots more channels, media companies moved away from trying to serve the middle of the audience to thinking about segments. Executives might say, “If I can grab 20 to 25 percent of the population, and give them something unique, I’m better off than trying to fight with eight other channels for a share of the average viewer/listener.” That is what Rush Limbaugh found, and that is what Fox News copied, and that is why, to this day, in the multichannel environment, Fox is the most successful cable channel even though its ideology limits its audience. Everybody else has to compete for audiences across a broader range.

MOAR PODCASTS