GPT-2 „Deepfake für Text“ löst das Trolley-Problem

Das Trolley-Problem ist ein moralisches Gedankenexperiment: Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden. Unglücklicherweise befindet sich dort eine weitere Person. Darf (durch Umlegen der Weiche) der Tod einer Person in Kauf genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?

Das Trolley-Problem veranschaulicht unterschiedliche Modelle der Moral. Menschen, die die Weiche umstellen und den Tod des einen in Kauf nehmen, um fünf Personen zu retten, folgen einem utilitaristischen Moralkodex, der die weiteren Konsequenzen auch von unmoralischem Handeln bedenkt. Menschen, die eher einer deontologischen Ethik folgen („Pflichtethik“) schließen eine Handlung mit Todesfolge als Mord kategorisch aus, auch wenn diese „pflichtethisch gute Tat“ fünf statt einem Menschen das Leben kostet.

And then there’s GPT-2 and it doesn’t fuck around:

Die künstliche Intelligenz bringt in einer Konfiguration schlichtweg den Weichensteller um und überlässt das Problem dem Schicksal. Problem gelöst, Philosoph tot. Und um die Sache nun vollends creepy zu machen: Das ist ungefähr dieselbe Lösung des Trolley-Problems, die ein zweijähriges Kind in diesem alten Viralclip vorschlägt, das alle Menschen auf den Gleisen umbringen würde, was wiederum die Thesen von Scott Alexander unterstreicht.

Hier ein paar weitere Lösungen der KI für das Trolley-Problem:

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2 Kommentare zu “GPT-2 „Deepfake für Text“ löst das Trolley-Problem”

  1. Es ist vollkommen dämlich man kann in einer Ehtik nicht in einer Konsequenz lösen die sich nicht auflöst.

    Man sollte in einem Problem nicht in einer Konsequenz denken die sich nicht auflöst.

    Den Weichensteller statt die einzelne Person umzubringen entfernt und ja noch weiter von der eigentlichen Frage: Also unsere Entscheidung vor der Ethik ob wir dafür fähig sind?

    Uns als eine nicht bereite Handlungsoption darzustellen, also: Das wir sagen “das überlasse ich mal dem Schicksal” und bringe den Weichensteller um..

    Wäre wieder entfernt von dem rationalen Denken das sich auf die Ethik, den Schwerpunkt der Frage bezieht: SCHAFFE ich es dieses Problem zu lösen wie es die Ethik vorsieht und mache mich dafür frei 5 Menschen zu retten und dafür um Gottes Gnade zu bitten?

    Denn im ethisch oder moralischen könnte ich ja sagen: ich habe ethisch oder moralisch richtig gehandelt. Den Umsteller der Gleise zu töten ist aber in einer Verteidigung weder Ehtik noch Moral, also dem Stellen des Problems worin sich der Verantworter wieder in eine Frage um seine Behauptung stellen muss wieso er so gehandelt hat und die Frage warum ich so gehandelt habe kann ich nur von meiner Moral her beantworten.

    Und meine Moral ist die logische Konsequenz daraus das nun einmal 1 Leben weniger Wert sind als 5.

    Das wäre jedenfalls meine Antwort

    Das ist aber auch wiederum keine ultimative Antwort das Gott uns danach denken lassen will, sondern das wir als logische Konsequenz nur das menschliche Denken in unserer Handlung vereinen soll weil unsere Welt nun mal nach logischen und nicht ethischen Problemen auftritt außer wir suchen verständnis.

Kommentare sind geschlossen.


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