Die Überschusssinn-Produktion durch Social Media

24. Februar 2019 21:10 | #Philosophie #Social Media #Soziologie #synch

Spannendes Interview mit Soziologe Dirk Bäcker über die Mechanismen, die neue Gesellschaftsformen durch Social Media erzwingen. Ich möchte einen Aspekt, den er nur am Rande erwähnt, herausheben: Die Plattformen erzwingen nicht nur eine neue Sicht auf Politik und Wirtschaft, sondern auf uns selbst und unseren sozialen Umgang mit Nachbarn, Freunden und Bekannten. Diesen Aspekt halt ich für psychologisch immens wichtig und er geht angesichts der politisch gefärbten Outrage-Taumel völlig unter.

Neue Debatte: Der Soziologe Dirk Baecker sagt: “Der Wandel spaltet und bindet uns.”

Die moderne Gesellschaft, so die Thesen von Marshall McLuhan bis Niklas Luhmann, hat die Struktur der funktionalen Differenzierung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Recht, Erziehung und so weiter aufgebaut, um mit den Möglichkeiten der Kommunikation fertig zu werden, die der Buchdruck, die massenhafte Versorgung der Gesellschaft mit kritischer Reflexion zu allem und jedem, bereitstellte.

Die feudalen Strukturen der alten Hochkulturen waren damit überfordert. Heute haben wir es mit dem Überschusssinn der elektronischen Medien zu tun. Und ich warne davor, dabei immer nur an Google, Twitter und Facebook zu denken. Längst verändern die elektronischen Medien, wie Wissenschaft gemacht wird, wie Wertschöpfungsketten in der Wirtschaft funktionieren, wie man sich Kriegsführung vorzustellen hat, wie sich die Politik auf Massenmedien und soziale Bewegungen einstellt und auch, wie Intimitätschancen ausgetauscht werden.

Diese Beispiele stammen noch aus den alten Funktionssystemen. Aber hält sich die Dynamik dieser Phänomene an die Grenzen der Funktionssysteme? Im Moment können wir nur erkennen, dass Plattformen, wie sie Benjamin H. Bratton in seinem Buch „The Stack“ (MIT Press, 2015) beschrieben hat, einen wesentlichen Beitrag zu einer neuen Ordnung der Gesellschaft leisten.

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