Social Media und Depression unter Teenagern

Neue Studie bezüglich Depression unter Jugendlichen (speziell junge Mädchen) und Social Media. Die Studie findet keinen Zusammenhang zwischen der Entwicklung depressiver Symptome und Social Media, sehr wohl aber zwischen bereits vorhandener Depression und damit einhergehender Zunahme der Nutzung von Social Media. Also: Wer Social Media wird nicht depressiv, aber wer depressiv ist, nutzt mehr Social Media.

Ich zweifle ein paar der Schlussfolgerungen an: „when you go online and you’re in one of these communities it feels good“ erscheint mir doch massiv unterkomplex.

Ich behaupte, dass der Eskapismus durch Social Media aus unangenehmen Lebenssituationen eben sehr wohl Teil der Krankheit selbst ist und schlichtweg eine Vermeidungsstrategie. Will sagen: Wer depressive Tendenzen aufweisst, sich auf Instagram die Influencer und ihr schickes Leben ansieht, der findet darin möglicherweise für ein paar Stunden Zuflucht, verstärkt damit aber langfristig seine Depression. Und Social Media als Eskapismusmöglichkeit ist umfassender und invasiver, als jedes Medium zuvor. Die Headline des Medical Express „Does social media push teens to depression? New study says no“ erscheint mir deshalb als schlichtweg falsch.

Deshalb deckt sich die Studie sehr wohl mit den Erkenntnissen eines Jonathan Haidt, der einen Ansprung von selbstverletzendem Verhalten und Depression unter jungen Mädchen von bis zu 170% ausmacht: Social Media verstärkt depressive Tendenzen bei ohnehin bereits gefährdeten Menschen und hingeschlonzte Headlines und oberflächliche Schlussfolgerungen helfen niemandem weiter. (Und um das ebenfalls zu erwähnen: Wir reden von Teenagern, die ohnehin anfällig für Depressionen sind, aus völlig verständlichen Gründen. Social Media dürfte diese „natürlichen Tendenzen“ verstärken und im Zusammenspiel mit der ebenso normalen sozialen Peer Pressure dieser Altergruppe, erscheint mir Social Media immer mehr wie reinstes Gift für Kids.)

Social media use did not predict the development of depression symptoms among school kids or college students, researchers found.

Instead, school-age girls with greater symptoms of depression tended to use more social media over time. The researchers did not find the same association among school-age boys or college students.

“It’s definitely more sophisticated than the prior reports,” said John Piacentini, director of the UCLA Center for Child Anxiety Resilience Education and Support. “I believe it. I think it’s a nice contribution, and it clarifies this question in an important way.”

Rutledge said it could be that girls suffering depression might find solace in Snapchat or Instagram.

“If their offline life is unpleasant, they’re feeling marginalized at school, when you go online and you’re in one of these communities it feels good, because you’re now a valued member of something,” she said. “Maybe they use social media more to connect with people, and if they didn’t, maybe they’d be more isolated.”

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2 Kommentare zu “Social Media und Depression unter Teenagern”

  1. “Ich behaupte, dass der Eskapismus durch Social Media aus unangenehmen Lebenssituationen eben sehr wohl Teil der Krankheit selbst ist und schlichtweg eine Vermeidungsstrategie. Will sagen: Wer depressive Tendenzen aufweisst, sich auf Instagram die Influencer und ihr schickes Leben ansieht, der findet darin möglicherweise für ein paar Stunden Zuflucht, verstärkt damit aber langfristig seine Depression. Und Social Media als Eskapismusmöglichkeit ist umfassender und invasiver, als jedes Medium zuvor. ”

    LOL THE FUCKING IRONY OMG THIS IS SO FUNNY

    1. Wenn man keine Ahnung hat, einfach Fresse halten. Du hast weder die Kompetenz noch das Wissen noch irgendein Vertrauen um hier irgendeine Ironie in diesem Kontext abzuschätzen und der Spruch alleine beweist Deine unfassbare Arroganz, Du Wicht. Oder willste Dich hier ausm Fenster hängen, Christoph? Lieber nicht, würde ich sagen. Lieber nicht.

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