Viral Feedback Loop generates news about Horror-Hoax wich generates warnings about Horror-Hoax wich generates more news stories about Horror-Hoax which generates more warnings

28. Februar 2019 20:40 | #Journalismus #Medien #Memetik #synch

England schiebt grade Moral Panic vor einer Meme, die sich angeblich über WhatsApp verbreitet, sich gezielt an Kinder richtet und das Bild einer Horror-Gestalt zeigt, die angeblich zu Selbstmord aufruft. Beobachter der Meme sagen allerdings, dass das Bild vor allem von panischen Erwachsenen verbreitet wird, die auf Nachrichten in den Mainstream-Medien reagieren. Das wiederum verleitet Schulen dazu, Warnungen an Eltern auszusprechen und das wiederum erzeugt weitere Nachrichten, was Eltern dazu bringt, panisch die Meldungen und das Bild zu teilen, was wiederum Warnungen von Schulen erzeugt.

Es ist natürlich der Medienzirkus in Medien wie dem IndependentUK, in dem Kuba Shand-Baptiste allen ernstes fragt, warum diese „cyber-hoaxes“ eine solche Popularität erreichen, während sie für ein Mainstream-Blatt arbeitet, das nicht weniger als vier Meldungen (1, 2, 3, 4) innerhalb von 24 Stunden online stellte, um die Klicks panischer Eltern abzugreifen. Womit dann auch ihre Frage beantwortet wäre. Die Daily Mail stellt natürlich an Skrupellosigkeit und Verantwortungslosigkeit alles in den Schatten und veröffentlichte in den letzten 48 Stunden nicht weniger als 24 (!) Artikel.

Auch in diesem Fall liegt der Ursprung der Panikreaktion der Öffentlichkeit in einem Zusammenwirken von einer ahnungslosen und emotionalen Reaktion einer einzelnen Person und einem Hype-Cycle aus ahnungslosen Lokalblättern und/oder skrupellosen Yellowpress-Outlets, allen voran die Daily Mail.

(Reine Spekulation meinerseits: Gerüchte in England besagen auch, dass das Bild in Youtube-Videos zu sehen war, gleichzeitig ging eine Meldung über Selbstmordanweisungen in Kinder-Cartoons auf Youtube durch’s Netz, allerdings nicht durch Mainstream-Medien. Es kann sein, dass sich hier Viral Stories gegenseitig verstärkt haben. „Ich hab’ diese Story am Wochenende gehört und heute morgen fand ich dieses Bild auf dem Handy meines Sohnes. Grauenhaft! Weiß jemand näheres?“ Und ab geht die Luzie. Aber das werden wir wahrscheinlich nie herausfinden.)

Guardian: Viral ‘Momo challenge’ is a malicious hoax, say charities

It is the most talked about viral scare story of the year so far, blamed for child suicides and violent attacks – but experts and charities have warned that the “Momo challenge” is nothing but a “moral panic” spread by adults.

Warnings about the supposed Momo challenge suggest that children are being encouraged to kill themselves or commit violent acts after receiving messages on messaging service WhatsApp from users with a profile picture of a distorted image of woman with bulging eyes. News stories about the Momo challenge have also attracted hundreds of thousands of shares on Facebook in a 24-hour period, dominating the list of UK news stories ranked by number of interactions on the social network. […]

But the Samaritans and the NSPCC have dismissed the claims, saying that while there is no evidence that the Momo challenge has initially caused any harm itself, the ensuing media hysteria could now be putting vulnerable people at risk by encouraging them to think of self-harm.

The rumour mill appears to have created a feedback loop, where news coverage of the Momo challenge is prompting schools or the police to warn about the supposed risks posed by the Momo challenge, which has in turn produced more news stories warning about the challenge.

Tremlett said she was now hearing of children who are “white with worry” as a result of media coverage about a supposed threat that did not previously exist.

“It’s a myth that is perpetuated into being some kind of reality,” she said. […]

Although the Momo challenge has been circulating on social media and among schoolchildren in various forms since last year, the recent coverage appears to have started with a single warning posted by a mother on a Facebook group for residents of Westhoughton, a small Lancashire town on the edge of Bolton. This post, based on an anecdote she had heard from her son at school, went viral before being picked up by her local newspaper and then covered by outlets from around the world.

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