Global Momo Horrorchicken

10. März 2019 19:52 | #Horror #Medien #Memetik

Vor 10 Tagen bloggte ich über den Viralen Feedback-Loop aus der alten Horror-Meme Momo, ein paar besorgten Eltern und parasitären Clickbait-Medien, der sich in England zu einer waschechten Moral Panic hochgeschraubt hatte. Seitdem ist die Meme-Meme (die Meme in diesem Fall ist nicht so sehr „Momo“ selbst, als die Nachricht über Momo) einmal um den Globus gerauscht, selbst in meiner wirklich nicht sehr netz-affinen Rest-Familie hat sich die Nachricht über Momo ausgebreitet, Kim Kardashian war dann als letztes an der Reihe (soviel zur Edginess von angeblichen Prominenten) und die Horror-Meme ist möglicherweise die erste Medien-Folk-Horrorgeschichte des 21. Jahrhunderts. Slenderman war noch eine echte Folk-Horrorgeschichte, die sich auf Tumblr und Reddit verbreitete, während Momo die Clickbait-Version dieser Dynamik darstellt.

Samira El Ouassil hat auf Übermedien noch einmal eine nette Zusammenfassung des „Memetic Hazard“ aufgeschrieben inklusive der für Horror-Storys typischen Interpretation der Meme als die „zur Fratze erstarrte Angst der Eltern vor dem unmoderierten Raum einer digitalen Öffentlichkeit“ und Spoon Tamago hat ein paar Details zu Keisuke Aso, der die Original-Skulptur angefertigt hatte, ein Mashup aus einem Hühnchen und der japanischen Legende der Kuchisake-onna, der „Frau mit zerrissenem Mund“ oder „Breitmaul-Frau“, die seit ein paar Jahren in sehr vielen japanischen Horrorfilmen zu sehen ist. (Die kulturelle Distanz der „J-Horror“-Subkultur zur westlichen Mainstream-Kultur dürfte ein weiterer Grund für den anhaltenden Erfolg der Meme sein: Die Leute hier kennen Kichisake-onna schlichtweg nicht.)

In an interview with Buzzfeed Aiso said that, given the nature of the show, he wanted to dial up the fear factor. So he set about creating a representation of Ubume (姑獲鳥), a Japanese yokai. According to folklore, the part-bird, part-human ghost is an embodiment of women who died giving birth.

Aiso exhibited his piece in the art show, which took place during the summer of 2016. And that should have been the end of the story. But 2 years later, during the summer of 2018, the artist started receiving hate mail in English, Spanish and other languages too. He went online to figure out what was going on, only to discover that an image of his sculpture had been misappropriated, and had taken on a new life as the face of an online hoax. At its peak, Aiso says he was getting about 30 emails per day. This activity eventually died down but has picked up again as media outlets have recently been reporting on the hoax.

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