Klimaschutz ist was für Profis und nicht für Christian Lindner von der FDP

Christian Lindner in einem Interview über die Schülerproteste für mehr Klimaschutz: „Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“

An der Aussage ist zunächst einmal interessant, dass er die Wissenschaft nicht erwähnt. Es sagt nicht, dass die Kids sehen müssen, was aufgrund der wissenschaftlichen Empirie gegeben ist, nämlich radikaler Abbau von CO2-Emissionen.

An der Aussage ist außerdem interessant, dass er Recht hat (abgesehen von seiner Schlussfolgerung, dass die Kids lieber in die Schule gehen sollten). Natürlich muss man globale Zusammenhänge sehen, das technisch Sinnvolle und ökonomisch Machbare umsetzen. Das Gegenteil wären ja nun globale Ignoranz des Problems oder technisch nicht sinnvolle Maßnahmen oder ökonomische Dummheiten.

Anders gesagt: Ohne die Schulstreiks der Kids, wäre Lindner nicht auf die Idee gekommen, hier jetzt endlich mal einen Realitätssinn zu entwickeln und Profis ans Werk zu lassen. Denn bislang waren es ja vor allem Automobilindustriearschkriecher wie Lindner und seine FDP, die entsprechende Gesetzgebung verhindert haben und den Klimawandel als Spinnerei von ein paar Grünen abtaten. So gesehen, danke für die Bestätigung und danke an die Kids, die sogar einen Idioten wie Lindner zur Einsicht bewogen haben.

Profis würden sich nun einen wissenschaftlichen Konsens von 99% ansehen und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Pronto. Nicht erst 2038.

Dazu würden Profis einen internationalen Krisenstab einrichten, spezialisierte Räte mit wissenschaftlichen Gremien in allen Institutionen der UN aus dem Boden stampfen, die Pläne erarbeiten, wie Transport und Verkehr mit öffentlichen Mitteln erweitert werden können und wie der Ausbau der e-Mobilitäts-Infrastruktur (Elektrotankstellen) gewährleistet wird. Diese Gremien würden sich von industriellen Vorreitern beraten lassen, wie etwa Elon Musk, der seine Batterie-Technologie als Public Domain zur Verfügung stellen würde. Gleichzeitig würden diese neuen Gremien die neuen Bewegungen auf dem Energie-Sektor von Google und Amazon beobachten.

Möglicherweise würden Profis eine neue Form der Energiesteuer erdenken, die der Öffentlichkeit einen Anteil am Gewinn aus Kapitalertrag aus Energiebewegungen eröffnet. Vielleicht kämen Profis auf die Idee, Subventionen für den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht dann zu streichen, wenn sich ein Boom ankündigt, der die gesamten Arbeitsplätze nach China fegt, wo man sich jetzt halt über den Boom freut und „das ökonomisch Machbare“ macht, gell danke Lindner-Wirtschaftsweiser. Sehr professionell erschien mir die Arbeit von Herrn Lindner bislang nicht bezüglich Klimaschutz, was seine Aussage ja nun auch so erstaunlich macht.

Jedenfalls: Klimaschutz ist eine Sache der Profis. Ich sehe das genauso, danke Herr Lindner. Wir sind einen Schritt weiter.

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5 Kommentare zu “Klimaschutz ist was für Profis und nicht für Christian Lindner von der FDP”

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  1. Exakt das was man erwartet. Nicht von einer liberalen Partei; sondern von den libertären Arschlöchern die sie nunmal sind, die nur eines interessiert, sich selbst bereichern.

  2. Drehen wir mal die Zeit zurück, als ich (und auch Lindner, der in meinem Alter ist) keine Greta war.
    Die 80er. Eine Zeit in der man in der man begriffen hat dass wie Umweltschutz brauchen damit wir existieren können.

    Saurer Regen, Ozonloch. Was wurde vom rechts-konservativen Spektrum (das schloss für mich immer auch die F.D.P. ein) für ein Drama veranstaltet.
    Harrspray ohne FCKW, verrückt! Kühlschränke ohne FCKW, nicht realistisch. Kühlschränke fachgerecht entsorgen und das Kühlmittel recyceln, pfff unwirtschaftlich.
    KFZ mit Katalysator, was das kosten wird, ne ne, nicht realistisch.

    Irgendwie hat man es dann doch durchbekommen. Hat länger gedauert als nötig, aber es wurde gemacht.
    Und siehe da! Saurer Regen? Redet man da heute noch drüber? Nein, weil das Problem in der Ausprägung nicht mehr existiert. Dank Katalysatoren im KFZ, die keiner mehr in Frage stellt.

    Ozonloch. Noch vorhanden, aber marginal im Vergleich zu den 80ern. Das was angeblich nicht funktionien kann, sowieso nicht schuld am Ozonloch sein soll, das hat doch tatsächlich funktioniert und das Problem beseitigt. Entgegen der Lügen der Umweltschutzgegner.

    Und jetzt Christian Linder. Sabbelt den selben Mist der schon in den 80ern dazu gesagt wurde. 40 Jahre in denen mit aller Gewalt das Problem ignoriert und kleingeredet wird.

    Dabei wurde schon gezeigt dass wir regulierend eingreifen können, sollen und müssen, und dann zeigt sich auch ein Effekt.

  3. re: das ökonomisch machbare
    Das Argument ist das allerdümmste wo gibt.
    Wo ein Wille ist,…
    Ökonomisch machbar ist heute so ziemlich alles für das man einen politischen Konsens findet.

    Mondlandung: 200 Mrd. $ (Stand Dollar 2005). Ökonomisch machbar? Ja.
    Abbau Atommeiler und Endlagerung des hellen Kleinkrams: 170 Mrd. €. Bis 2098 A.D. Ökonomisch machbar? Angeblich nicht. Gerade so, halt. Aber nicht von der Industrie. Vom Steuerzahler.
    Der Brexit: grob 100 Mrd. Pfündchen/Jahr bis 2030.
    Der Kampf gegen den Terror 2001-2019: 5,9 Trillionen $ (US-Trillion=10^12).

    Dass Problem ist nicht der IST-Zustand der Machbarkeit-Kosten-Relation, sondern die Frage was es kosten wird, wenns mal so richtig spät ist…

    Oder um mal einen Harald Schmidt zu zitieren: “FDP. Politik wie die Profis”