DGNI-Links: Filterbubbles sind keine geschlossenen Systeme, Kritik an Kill All Normies und Fukuyamas IdentitÀt und die emotionale Macht des Mythos

👉 Die USA haben der russischen „Troll-Factory“ IRA anscheinend am Wahltag 2018 und in den Tagen wĂ€hrend der StimmenauszĂ€hlung das Internet abgeklemmt: „The operation, which President Donald Trump reportedly personally approved, interrupted the IRA’s attempts to meddle in the 2018 midterm elections by disrupting its internet access and crippling its online operations. US officials who spoke on the condition of anonymity told the Washington Post that the operation disrupted the Russian trolls’ activities on the day of the 2018 election, November 6, and shortly after, when votes were still being tabulated.“

👉 Another study consistent with former findings: Filterbubbles are everything but closed systems and overlap in huge margins and conservatives are actually more open to opposing views: How Many People Live in Political Bubbles on Social Media? Evidence From Linked Survey and Twitter Data.

We study the extent to which liberals and conservatives encounter counter-attitudinal messages in two distinct ways: (a) by the accounts they follow and (b) by the tweets they receive from those accounts, either directly or indirectly (via retweets). More than a third of respondents do not follow any media sources, but among those who do, we find a substantial amount of overlap (51%) in the ideological distributions of accounts followed by users on opposite ends of the political spectrum. At the same time, however, we find asymmetries in individuals’ willingness to venture into cross-cutting spaces, with conservatives more likely to follow media and political accounts classified as left-leaning than the reverse. Finally, we argue that such choices are likely tempered by online news watching behavior.

👉 Gute (sehr lange) Kritik von Angela Nagles Kill All Normies. An einigen Stellen sind mir Ungenauigkeiten aufgefallen, allerdings vor allem in Nebenaspekten (Gamergate, Peterson), die Kritik am Buch selbst halte ich fĂŒr valide.

👉 Sehr langer, sehr schöner Text von Remo Grolimund ĂŒber „Glanz und Elend des Storytellings“. Anhand von Claas Relotius erarbeitet er die emotionale Sogwirkung von Mythen durch GeschichtenerzĂ€hlung und wie diese Stories den Medien und ihren Protagonisten im 21. Jahrhundert ihre Bedeutung verleihen.

GemĂ€ss Barthes verwandeln Mythen Geschichte(n) in Natur. Und indem sie diese (vermeintlich) so natĂŒrlich wirken lassen, werden sie von den Rezipienten nicht hinterfragt. Dieser Zauber ist das Erfolgsgeheimnis des Mythos — und jenes von Relotius Geschichten. Geltungskriterium ist im Reich des Mythos nicht die Wahrheit, sondern — nach Blumenberg — ihre ‚Bedeutsamkeit‘.

Oder anders gesagt: was zĂ€hlt ist ihre AnschlussfĂ€higkeit an als ’natĂŒrlich‘ wahrgenommene Verweisstrukturen, ihr Erfolg misst sich an der Resonanz, die sie bei ihren Rezipienten auslösen. «Mythen bean­spru­chen mit ihrer Kombi­na­tion von ErzĂ€h­lung und Anbin­dung an die gegen­wĂ€r­tige Wirk­lich­keit eine «Wahr­heit», die eben nicht unbe­dingt aus der Fakti­zitĂ€t der erzĂ€hlten Geschichte kommen muss» , so Raji Steineck. Vielmehr verbĂ€nden sie «ausge­zeich­nete Aspekte der Gegen­wart mit einer ErzĂ€h­lung, die ihnen Sinn verleiht. Sie ‚bahnen‘ damit, nach einem Wort des Philo­so­phen Yves Citton, die Aufmerk­sam­keit. Damit wird iden­ti­fi­ziert, ‚um was es geht‘, und auch die Rollen werden verteilt.»

👉 Überall IdentitĂ€ten: Guter Text ĂŒber drei AnsĂ€tze der Kritik der linken IdentitĂ€tspolitik. Der Artikel verheddert sich gegen Ende etwas dogmatisch in die Unfehlbarkeit der Linken, wo er doch ganz am Schluss wieder Selbstkritik fordert, ist ansonsten aber sehr erhellend: „Minderheitenrechte oder das völkisch «Eigene»: Die KĂ€mpfe um Anerkennung treiben die Erregungs­kurven in die Höhe. Nun hat sich der Star-Intellektuelle Francis Fukuyama des Themas angenommen. Doch zum GlĂŒck nicht nur er.“

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