Der virale Terrorismus von Christchurch

Ich will dem Nazi-Terroristen von Christchruch nicht zuviel Raum geben, deshalb nur zwei Anmerkungen und ein paar Links:

1.) 4chan und 8chan sind Radikalisierungs-Beschleuniger, dieser Vorfall war weder der erste (Dylann Roof), noch wird es der letzte bleiben. Wir müssen uns überlegen, wie wir mit dieser Form des „freien Internets“ umgehen. Ich bin für „kill it with fire“ (wobei mir klar ist, dass das keine Lösung ist), und zwar weil:

2.) Wir müssen darüber reden, was Stochastischer Terrorismus im Kontext von 4chan und Trolling bedeutet. Der Begriff „Stochastischer Terrorismus“ stammt aus einem 2011er Posting des Blogs Daily Kos und bedeutete ursprünglich: „the use of mass media to incite attacks by random nut jobs—acts that are statistically predictable but individually unpredictable“, also die gezielte Radikalisierung einer Gruppe von Menschen durch Massenmedien mit dem Ziel, dass ein Element aus dieser Gruppe eine Grenze überschreitet und zu gewalttätigen Mitteln greift.

Unmoderierte Everything-goes-Seiten wie 4chan und 8chan sind in diesem Kontext reine Tools zur Streuung von Radikalisierung und die Initiatoren dieses stochastischen Terrorismus sind nicht Anführer radikaler Gruppen, sondern das Schwarmverhalten selbst, das sich gegenseitig auf diesen Seiten in immer extremere, immer radikaliere Äußerungen treibt. Die Gemeinschaft 4chan synchronisiert sich in Richtung des radikalisten Ergebnisses, was ohne Moderation zwangsläufig zur Erruption von Gewalt führt. (Mich interessiert dabei auch die Verantwortlichkeit des Individuums im Schwarm, aber dazu an anderer Stelle mehr.)

Bellingcat: Shitposting, Inspirational Terrorism, and the Christchurch Mosque Massacre: „how did [8chan] respond to this massacre? Over and over again, through page after page of posts, anons celebrated this mass murder by one of their own. […] The shooter’s frequent use of in-jokes and memes played extremely well with this crowd. […] The shooter seems to have achieved his goal of providing the anons of 8chan with lulz, and with inspiration. One user hailed him as ‘the next Breivik’. And before much more than an hour had passed, there were already calls for other anons to follow in his bloody footsteps.“

The Atlantic: The Shooter’s Manifesto Was Designed to Troll: „Platforms such as YouTube and Facebook can send users barreling into fringe communities where extremist views are normalized and advanced. Because these communities have so successfully adopted irony as a cloaking device for promoting extremism, outsiders are left confused as to what is a real threat and what’s just trolling.“

NYTimes: The New Zealand Massacre Was Made to Go Viral: „The attack marks a grim new age of social media-fueled terrorism.“

Rolling Stone: All-American Nazis: „How a senseless double murder in Florida exposed the rise of an organized fascist youth movement in the United States“.

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10 Kommentare zu “Der virale Terrorismus von Christchurch”

  1. Ich bin damit unzufrieden. Es ist irgendwie eine verbohrtes Analyseergebnis. Jeder Terror soll die Öffentlichkeit treffen, sonst wäre es ja keiner. Also ist den Analysten nicht mehr eingefallen bis Redaktionsschluss. Ich habe mir das 17 minütige Video mehrmals angesehen um die Person besser einschätzen zu können. Also dessen Antrieb, die Durchführung, die vermeintlichen Fehler in dieser kaltherzigen Aktion. Ich konnte für mich feststellen das er nicht ohne Gewissen ist. Und das wird diesen Typen auch zu seiner Strafe führen.

    1. Mich würde ja mal interessieren wo Du bei dem Gewissen festgestellt hast. Kannst Du mir bestimmt erklären, bei Deiner Eloquenz.

      1. Vergleiche einfach alle Dir bekannten Terrorfälle und arbeite die Unterschiede heraus. Mach Dir ein Profil des Täters. Welches sind die Unterschiede?

    2. Für Leute, die um Hilfe betteln, nachdem sie schon blutend im Rinnstein liegen, nochmal die Knarre rausholen, sie erschießen, ins Auto steigen und nochmal drüberfahren ist ganz meine Idee von Gewissen.

        1. Soldaten, die im Krieg nochmal die Knarre rausholen und abballern und dann nochmal überfahren, begehen ein Kriegsverbrechen nach der Genfer Konvention, kann man also durchaus „gewissenlos“ nennen.

          1. Und solche Soldaten, welche gezielt auf Befehl eliminieren? Haben die ein Gewissen?
            Also gibt es da Unterschiede?

          2. Ich würde solche philosophischen Spielchen angesichts 50 Toter gerne vermeiden, also mache ich’s kurz: Niemand ist ohne Gewissen.

          3. Gut, Dein Blog.
            Dann schauen wir mal auf das Strafmaß was auf den Täter zukommt. Die Todesstrafe wird es ja nicht.

  2. Danke für den Artikel. Hatte das mit der Videoaufzeichnung am Rande mitbekommen, aber nicht, dass er gezielt auf die Trollstuben einging.

Kommentare sind geschlossen.

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