Unendlicher Aphex Twin-Track

Alex Bainter hat sich für sein generatives Musikprojekt einen endlosen Aphex Twin-Track mit Markov Chains gebastelt. Hier beschreibt er, wie genau er das getan hat und noch interessanter als ein unendlicher Aphex Twin finde ich die Veränderung im Kunstwerk selbst. Ich denke nämlich nicht, dass der gespielte unendliche Song weiterhin ein Kunstwerk darstellt.

Ein unendlicher Song in allen erdenklichen Varianten ist keine Kunst, sondern ein zu erforschender Raum. Herkömmliche Songs sind zwar ebenfalls Räume, doch sie sind vollständig erschlossen, beschrieben und dokumentiert, kartographiert und festgehalten. Ein unendlicher Aphex Twin kann per se kein solcher Raum sein (da ein unendlicher Aphex Twin niemals vollständig beschrieben ist) und ich denke, eine Voraussetzung der Kunst ist Vollständigkeit und Komplettierung, die den jeweiligen Werk-Raum vollständig beschreibt. Der Song selbst verliert in diesem „Remix“ damit seine Eigenschaft des Künstlerischen, dafür wird der Algorithmus selbst, der diesen neuen Werk-Raum beschreibt, zum Kunstwerk. (Nach dieser Definition hätte Roger Ebert übrigens Recht und Games wären keine Kunst, das aber nur am Rande.)

An interesting transformation took place during this process. The original piece of music is static. It has a beginning and an end, and everything in between is specified in a particular order. Every time you listen to the recording or hear it performed live, the same piece of music is played, even if it’s performed remotely on a grand piano swinging across a stage like a pendulum.

Through the process outlined in this article, a system has been created which generates new music on demand. This system will play for as long as you’re willing to listen, but never repeat itself in any discernible way. It will invent a new sequence of phrases to play every time it starts. In other words, you’ll never hear it play the same thing twice. I don’t feel this is better or worse than the original, but it’s profoundly different.

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2 Kommentare zu “Unendlicher Aphex Twin-Track”

  1. Ja, wollte gerade schreiben, dass das genau so auf Computerspiele zutrifft. Andererseits ist ein analoges Kunstwerk auch nur durch uns beliebig begrenzt. Wir können unsere Perspektive und damit unsere Konsumierung beliebig verändern, sodass unendlich viele unterschiedliche Wahrnehmungen zu einem Kunstwerk entstehen.

    In der Analyse von Kunstwelten ist für mich deshalb relevant, die abtrakten Elemente festzustellen, die durch ein Netz von Bedeutungen erkennbar werden. Ich kann in einem Spiel auch die Pixel zählen, aber die Bedeutung des Werkes erkenne ich erst, wenn ich mich auf dessen Sprache einlasse.

    Bei dem generativen Lied handelt es sich demnach für mich um ein Kunstwerk, vor allem weil der Algorithmen-Schreiber es für eine Rezeption konzipiert hat. Übertritt das Lied diese Grenze und würde anfangen, außerhalb der Rezeption zu stehen, dann würde ich dir zustimmen, dass es sich nicht mehr objektiv um ein Kunstwerk handelt.

Kommentare sind geschlossen.


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