Klimalinks: Wie nachhaltig ist #FridaysForFuture?, Saturdays for Future, Klima-Bericht der Weltwetter-Organisation

29. März 2019 14:55 |


(Bild: Lisa Göldner)

Fridays for Future: Wie nachhaltig ist der Jugendprotest? (MP3, Info)

Es diskutieren: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes; Prof. Dr. Christian Scholz, Wirtschaftswissenschaftler, Saarbrücken; Prof. Dr. Harald Welzer, Soziologe, Berlin; Gesprächsleitung: Martin Durm

Fridays for future: Um den Planeten zu retten, werden morgen wieder hunderttausende Schüler den Unterricht ausfallen lassen. Allen voran Greta Thunberg, ein 16 Jahre altes Mädchen aus Schweden. Sie ist inzwischen so etwas wie die kindliche Kultfigur der Revolte. “Wir verändern die Welt”, sagt Greta, ihr kompromissloses Auftreten findet inzwischen wesentlich mehr Aufmerksamkeit in den Weltmedien als die Klimakonferenzen der Vereinten Nationen.

Aber ist der weltumspannende Schülerprotest wirklich so toll, wie ihn viele finden? Macht er den Realpolitikern tatsächlich Beine? Oder erteilt er Jugendlichen nur die Lizenz, freitags nicht in die Schule zu gehen?

„Regierungspolitiker fordern die protestierenden Schüler auf, wieder zur Schule zu gehen – Zehntausende von ihnen sehen dafür keinen Grund und demonstrieren mit prominenter Unterstützung erneut in Berlin.“

Jens Spahn (CDU) forderte in dieser Woche in einem Gastartikel in der Zeit die Schüler auf, nun in die Politik zu gehen und sich zu engagieren, statt die Schule zu schwänzen. Insofern ist interessant, welche Antwort die Schüler und Studenten an diesem Freitag geben werden.
“Es ist zu spät, bis wir alle in irgendwelchen Ämtern hocken”, stellt Neubauer im Invalidenpark klar. “Uns läuft die Zeit davon.” Sie könne keinen Erfolg erkennen. “Denn es ist nichts passiert. Die Anzugträger im Land machen nichts – und solange das so bleibt, machen wir weiter.”

TAZ: Studie über Klimastreikende: Schlaue linke Greta-Fans – ich bin kein „Fan“ von Greta, sondern halte sie für ‘ne schlaue junge Dame, die aufgrund ihrer Sturheit mehr oder weniger zufällig zum Symbol einer Protestbewegung wurde, die sich so oder so entwickelt hätte. Ich halte es für einen Fehler, eine junge Frau mit Asperger so prominent an der Spitze einer sich erst formierenden politischen Bewegung zu inszenieren und würde mir von der Presse etwas mehr Zurückhaltung bei dieser Popstar-Berichterstattung wünschen und halte das für ein bisschen kontraproduktiv. Andererseits natürlich: Gönn’ Dir, Greta.

Wesentliche Ergebnisse sind:
– Der Protest wird stark von Schüler*innen geprägt. Viele sind am 15. März das erste Mal auf der Straße
– Der Großteil der Befragten kommt aus der Mittelschicht mit hohen formalen Bildungsabschlüssen. Etwa die Hälfte der Eltern der Befragten hat einen Hochschulabschluss.
– Social Media haben bei der Mobilisierung zum Protest eine große Rolle gespielt, aber Freunde waren ein ebenso wichtiger Faktor
– Greta Thunberg hat bei etwa zwei Fünfteln der Befragten das Interesse am Klimawandel deutlich verstärkt. Etwas weniger meinen, dass sie ihre Entscheidung zur Teilnahme beeinflusst hat.

Nicht zuletzt deshalb, gute Ansage von Carolin Ströbele in der Zeit: Hört auf, eure Kinder zu beklatschen! „Einfach mal die Welt retten lassen: Eltern gratulieren sich zum klimabewussten Nachwuchs und twittern begeistert über Greta Thunberg. Wo bleibt ‘Saturdays for Future’?“ – Wir stellen ein Kind mit Asperger an die Spitze einer jungen Bewegung, kriegen selbst aber nichts auf die Reihe.

Wie viel CO2 kann Deutschland noch ausstoßen [um die Vorgaben des Pariser Abkommens einzuhalten?]

Untersuchung der Weltwetter-Organisation: Meeresspiegel steigt auf Rekordwert: Um 3,7 Millimeter ist der Meeresspiegel 2018 angewachsen. Der von Uno-Experten ermittelte Stand ist höher als alles, was Satelliten je zuvor gemessen haben. Und die globale Erwärmung schreitet voran.

Bericht der Weltwetter-Organisation: State of the Climate in 2018.

Climate impacts (based on input from UN partner agencies)

Hazards: In 2018, most of the natural hazards which affected nearly 62 million people were associated with extreme weather and climate events. Floods continued to affect the largest number of people, more than 35 million, according to an analysis of 281 events recorded by the Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED) and the UN International Strategy for Disaster Risk Reduction. Hurricane Florence and Michael were two of fourteen “billion dollar disasters” in 2018 in the United States of America (USA). They triggered around US$49 billion in damages and over 100 deaths. Super typhoon Mangkhut affected more than 2.4 million people and killed at least 134 people, mainly in the Philippines.
More than 1600 death were associated with intense heat waves and wildfires in Europe, Japan and USA, where they were associated with record economic damages of nearly US$24 billion in USA. The Indian state of Kerala suffered the heaviest rainfall and worst flooding in nearly a century.

Food security: Exposure of the agriculture sector to climate extremes is threatening to reverse gains made in ending malnutrition. New evidence shows a continuing rise in world hunger after a prolonged decline, according to data compiled by United Nations agencies including the Food and Agriculture Organization and World Food Programme. In 2017, the number of undernourished people was estimated to have increased to 821 million, partly due to severe droughts associated with the strong El Niño of 2015–2016.

Displacement: Out of the 17.7 million Internally Displaced Persons (IDPs) tracked by the International Organization for Migration, over 2 million people were displaced due to disasters linked to weather and climate events as of September 2018. Drought, floods and storms (including hurricanes and cyclones) are the events that have led to the most disaster-induced displacement in 2018. In all cases, the displaced populations have protection needs and vulnerabilities.

According to UNHCR’s Protection and Return Monitoring Network, some 883 000 new internal displacements were recorded between January and December 2018, of which 32% were associated with flooding and 29% with drought.

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1 Kommentare zu “Klimalinks: Wie nachhaltig ist #FridaysForFuture?, Saturdays for Future, Klima-Bericht der Weltwetter-Organisation”

  1. ich halte #FridaysForFuture für sehr nachhaltig.
    Die Bewegung mobilisiert erfolgreich zukünftige Wähler für die Grünen, was deren Wahlerfolg in den nächsten Jahren nachhaltig sichern wird.

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