Vornamens-Statistik der Messer-Kriminalität im Saarland

29. März 2019 9:35 | #AFD #Kriminalität #Rassismus

Die AFD fragte im Februar bei der saarländischen Landesregierung, ob es eine Häufungen bei den Vornamen bei Messer-Kriminalität gäbe. Vorausgegangen war eine Polizeistatistik, die für den Untersuchungszeitraum von 2016 bis 2018 insgesamt 842 Deutsche als Täter feststellte sowie 122 Syrer, 94 Ausländer aus der EU und 36 Afghanen.

Dieses Ergebnis hatte die rassistischen Vorurteile der AFD nicht bestätigt, weshalb sie annahmen, dass viele der Täter eingebürgert wurden und deshalb als Deutsche in die Statistik einflossen. Deshalb die Frage nach den Namen.

Hier also die 13 häufigsten Vornamen aus der Polizeistatistik für Messer-Kriminalität im Saarland: Michael (24 Fälle), Daniel (22 Fälle), Andreas (20 Fälle), Sascha (15 Fälle), Thomas (14 Fälle), Christian (13 Fälle), Kevin (13 Fälle), Manuel (13 Fälle), Patrick (13 Fälle), David (12 Fälle), Jens (12 Fälle), Justin (11 Fälle) und Sven (11 Fälle). Case closed.

[update] Bester Kommentar von Nils auf Facebook: „Gerüchte besagen, dass viele saarländische Nazis ihren Kindern nun Namen wie Ali, Said und Hasim geben, um die zukünftige Statistik in ihrem Sinne zu beeinflussen.“

[update] Übermedien: Messerstecher Michael? Wie man sich beim Bloßstellen der AfD blamiert. Das rechte Blog von Roland Tichy hatte ebenfalls eine Kritik an dieser Meldung, machte daraus allerdings einen emotional aufgeladenen Messerkriminalitätsporno, den ich hier nicht verlinken werde.

Das ist das größere Problem mit dieser ganzen Geschichte: dass sie bedeutet, dass sich alle auf die Erzählung und Logik der AfD einlassen, selbst ihre Kritiker. Das – vermeintliche – Ergebnis, dass in der Statistik der Name Michael am häufigsten auftaucht, wird als Beleg dafür genommen, dass es vor allem Deutsche ohne Migrationshintergrund sind, die im Zusammenhang mit diesen Straftaten auffällig werden. Das wird gefeiert, als wäre es etwas Gutes und als wäre der Verdacht, dass Migration die Probleme mit Messerkriminalität verstärkt hat, damit aus der Welt geräumt. In Wahrheit lässt man sich aber damit auf die Strategie der AfD ein, bestimmte Straftaten einfach durch die Nationalität der Täter erklären zu wollen, und, wenn das nicht reicht, durch die ethnische Abstammung.

Wenn diese Zählung zu eigenen Gunsten ausgeht, macht man sie sich gern zu eigen und wendet sie gegen die AfD. Aber was, wenn sie anders ausgegangen wäre? Was hätten all jene, die die Statistik jetzt feiern, dann über die Messertäter-Hitparade gesagt? Vermutlich hätten sie sie ignoriert oder – zu recht – darauf hingewiesen, wie fragwürdig es ist, ein so komplexes, ernstes Thema mithilfe einer Vornamens-Zählung erklären zu wollen.

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12 Kommentare zu “Vornamens-Statistik der Messer-Kriminalität im Saarland”

  1. Deine suggestive Aufzählung ist eher irreführend. Vorsatz oder rosa Brille? Ich zitiere deine Quelle:

    “dass im Untersuchungszeitraum von Januar 2016 bis April 2018 die mit Abstand meisten Taten, bei denen ein Messer im Spiel war, von deutschen Staatsangehörigen begangen wurden – wenn auch Syrer und Afghanen relativ gesehen überrepräsentiert waren. Erfasst wurden 1490 Strafanzeigen und Ordnungswidrigkeiten. 842 Mal war dabei der Täter ein Deutscher, 122 Mal ein Syrer, 94 Mal ein EU-Ausländer und 36 Mal ein Afghane. 289 Mal konnte kein Täter ermittelt werden.”
    158 Problembären aus Nahost, also rund 10% bei einem wie hohen Anteil von Flüchtlingen aus diesen Ländern in Deutschland? 1%?

    Ps: so eine einseitige Darstellung ist Nerdcore nicht würdig, echt jetzt.

    1. Die anteilige Häufung streitet niemand ab. Wohl aber den Kontext der Anfrage der AFD, die von einer Häufung in absoluten Zahlen (nicht relativen) ausgeht. Darin liegt der Rassismus. Über die Verhältnisse im kulturellen Kontext muss die Linke mehr reden, da bin ich bei Dir, aber das betrifft diese Anfrage nur am Rande.

  2. Die Anfrage per se war ja schon Schwachsinn, da man von absoluten Zahlen ausging.

    Ich hab jetzt 40min recherchiert und finde leider nirgends offizielle Zahlen zum Syrer Anteil im Saarland (das BAMF listet ja nur die monatlichen/jährlichen Anträge, die leider auch nichts über die aktuelle Lage sagen können;)

    Wenn man also die Zahlen der Zeitungen nimmt & annimmt das alle nicht EU- Ausländer im Saarland aus Syrien & Afghanistan kommen (was definitiv nicht so sein wird, für die Milchmädchen Rechnung weiter unten aber zumindest einen Ansatzpunkt bietet) https://www.saarbruecker-zeitung.de/politik/themen/im-saarland-leben-fast-120-000-auslaender_aid-15360449)

    Gesamtbevölkerung Saarland 996.651 (http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61625/auslaendische-bevoelkerung-nach-bundeslaendern)
    Gesamtbevölkerung mit nur ausländischem Pass 119.330 (https://www.saarbruecker-zeitung.de/politik/themen/im-saarland-leben-fast-120-000-auslaender_aid-15360449, im Link der bpd.de oben wird hier ein niedrigerer Wert angegeben, zur Fairness habe ich hier natürlich den höheren angenommen)
    “Deutsche” Bevölkerung Saarland = 877.321 (996.651 – 119.330)
    Anzahl nicht EU-Ausländer im Saarland = 60.650 (https://www.saarbruecker-zeitung.de/politik/themen/im-saarland-leben-fast-120-000-auslaender_aid-15360449))

    158 Afghanen+Syrier/ 60.650 * 100 = 0,26%

    842/ 877.321 * 100 = 0,096%

    60.650/ 996.651 * 100 = 6% der Gesamtbevölkerung im Saarland sind aus Nicht-EU Länder

    1094 Messervorfälle Gesamt (842+ 122+94+36)

    (158 Messervorfälle nicht EU-Ausländer/ 1094 Messervorfälle Gesamt) *100 = 14,4 % der Messervorfälle

    Wenn nun eine Bevölkerungsgruppe die lediglich 6% der Bevölkerung im Saarland ausmacht für 14,4% der Messervorfälle verantwortlich ist, dann stellt das (auch wenn von der AfD-kommend) sehr wohl eine notwendige Fragestellung dar. Interessant hierfür wäre die tatsächliche Betrachtung der Entwicklung der letzten Jahre. Hierbei muss wohl auch noch angemerkt werden das die Dunkelziffer wahrscheinlich auch nicht ganz ohne ist, da sicherlich nicht jede Messerbedrohung innerhalb einer Bevölkerungsgruppe gemeldet wird. Wünschenswert wären auch Werte pro Bundesland & eine Gesamtbetrachtung Deutschlands um mögliche FakeNews der AfD zu entkräften.

  3. Wann hört endlich die Verfolgung von Zugereisten auf? Wann gelange es endlich mal in die Köpfe der Menschen, dass die Zugereisten ein Gewinn für die westliche Kultur sind? Nicht wenig wird seitdem für die Frauen getan. So mussten wir beispielsweise jahrelang ohne Frauenschutzräume zu Sylvester auskommen, jetzt mit den Zugereisten ist das anders. Die ganzen (Gruppen)Vergewaltigungen und Tötungen, sind und bleiben Einzelfälle! Bisschen Schwund gibts immer.

    1. 1. Asylbewerbe sind nicht „zugereist“ und Menschen mit Asylstatus erst Recht nicht.
      2. Es sind weder Einzelfälle noch unproblematischer Kollateralschaden. Es ist Kriminalität, die mit gegebenen Mitteln bekämpft werden muss. Eins dieser Mittel ist Integration und Assimilation. Beides sind keine Konzepte der Rechten, deren Konzept besteht aus reiner Ausgrenzung.
      3. Geh scheißen.

      1. Zu 1. Für dich vielleicht.
        Zu 2. Integration funktioniert ja schon seit Jahrzehnten sehr gut. Nicht. Aber es stimmt, die Rechten haben genau so einen an der Waffel wie die Linken, deswegen wähle ich ja auch keine rechte Partei. Ich fände so ein System wie in Kanada, oder anderen Ländern ganz schick, wo nicht einfach unkontrolliert reingelassen wird was geht. Ich bin da für den gesunden Mittelweg, wird man ja wohl noch sagen dürfen. 😀
        Zu 3. war ich grad! Danke für deine Fürsorge um meine körperlichen Belange.

        1. 1. Für uns beide nicht. Laut der Genfer Konvention sind Asylbewerber und Leute mit Asylstatus prinzipiell Flüchtlinge und keine Reisenden. Es gibt allerhand Motivationen zur Reise, sowohl psychologisch als auch soziologisch und die Flucht gehört nicht dazu. Also sind sie nicht „zugereist“.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Reise#Beweggr%C3%BCnde https://de.wikipedia.org/wiki/Konventionsfl%C3%BCchtling

          2. Integration funktioniert halbwegs, es gibt allerdings Probleme, fair enough. Ich dachte, Du bist Zentrist? Was soll der Appeal to extremes in dem Fall? https://www.logicallyfallacious.com/tools/lp/Bo/LogicalFallacies/30/Appeal-to-Extremes

          3. Nice, geht nichts über nen guten Schiss am Mittag. 😉

          1. Ach Gott ja, Worte, Definitionen und Links von irgendwelchen Leuten. Das Spielzeug des intellektuell Strebsamen. Wenn Du Spaß dran hast, ich gönn’s Dir.

      2. Integration und Assimilation sind Konzepte der Rechten.
        Stichwort “Deutsche Leitkultur”.
        Ein gutes Beispiel dafür ist Sarrazins Interview in LETTRE INTERNATIONAL “Klasse statt Masse” über Berlin und den Mangel an Integration bestimmter Zuwander. Statt die Abgrenzung dieser Menschen zu loben fordert er mehr Integration.

        Ausgrenzung als Konzept findet man dagegen bei der Linken.
        Die Etablierung von Gruppen denen man dann linke Solidariät zugesteht funktioniert nur durch Ausgrenzung.
        Stichwort “alte weisse Männer” die Hass, aber keine Solidarität verdienen.

        1. Integration und Assimilation sind Konzepte der Soziologie und ideologisch verschieden. Deshalb assimilieren die totalitären Borg und wir integrieren. Die Borg haben Leitkultur und wir nicht? Hm. Aspekte der Assimilation sind dennoch integrierend wirksam, es gibt aber auch ausschließende Assimilation, ein nettes Paradoxon. Sowas ähnliches meinst Du, denke ich, mit Lob der Abgrenzung.

Kommentare sind geschlossen.


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