Klimalinks: „Toxische Männlichkeit ist der Grund des Klimawandels“; BDI gegen Klimaschutz; Energiekonzerne investieren in CO2-Sucker

Eine der dümmeren Analysen zum Klimawandel kommt von Forbes, wo sie „Toxische Männlichkeit“ als Schuldigen ausgemacht haben. Es gibt nun sicher typisch männliches Verhalten, das seinen Teil zum Klimawandel beiträgt: Steak-Wettessen oder fette Karren mit Roar sind nur ein Beispiel. Im Grunde handelt Mad Max von genau diesem Sachverhalt: Eine Gesellschaft die trotz Apokalypse am Verbrennungsmotor festhält. Dennoch ist es maximal dumm, hier mit dem Finger auf eine einzige Bevölkerungsgruppe zu deuten und hier den *einzigen* Schuldigen („the reason“) auszumachen, wie es Carolyn Centeno Milton im Forbes Magazine tut. Lifestyle-Reisen sind beispielsweise mit eher weiblich konnotiert und der Flugverkehr trägt einen großen Anteil zum CO2-Ausstoß bei. Und wenn wir mit dem Finger auf einzelne Gruppen (neben Industrieverbänden und Politik) deuten wollen, dann lasst uns mal über Mikroplastik durch Schönheitsprodukte reden. Soweit ich weiß, hat sich der Feminismus zu einem Verbot von Mikroplastik in Kosmetik-Artikeln noch nicht geäußert.

Das Bundesumweltministerium mit einem Twitter-Interview, in dem Staatssekretär Jochen Flasbarth Fragen beantwortet. Habe ich so noch nicht gesehen, sehr gut. Zwar wurden Fragen nur sporadisch beantwortet und eine intensivere Bearbeitung wäre wünschenswert und darüberhinaus halte ich die Plattform Twitter für den falschen Ort (ein Reddit-AMA wäre das passendere Format), dennoch ein guter Schritt.

Nichts neues aus den Wirtschaftsverbänden, die den Kampf gegen den Klimawandel alleine als Kostenfaktor betrachten und die *von ihnen verursachten* Kosten seiner Folgen auf die Bevölkerung abwälzen wollen. Auch deshalb sollten gemeinwohl-orientierte Werte ins BIP einberechnet werden: eine Summe aller Transaktionen ohne Einberechnung der tatsächlichen Kosten ist völlig absurd und anachronistisch. Industrie-Lobby stellt deutsches Klimaziel für 2030 infrage: „Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat heute einen Kongress zur Klimapolitik veranstaltet. Der Chef der Lobby-Organisation will nicht nur ein schwaches Klimaziel für 2050 – er würde auch gern Teile der längst beschlossenen Pläne für 2030 absagen.“

Dagegen hilft nur die einzige Sprache, die juristische Personen verstehen: Klagen vor Gericht.

Im Namen von 30.000 Unterzeichnern will ein Bündnis aus Umweltverbänden wie Greenpeace, Friends of the Earth und Action Aid den Ölkonzern verklagen. Der britisch-niederländische Konzern behindere mit seinem Geschäftsmodell den weltweiten Klimaschutz, so der Vorwurf.

“Die Chefs von Shell wollen sich immer noch nicht von Öl und Gas verabschieden”, sagt Donald Pols, Direktor von Milieudefensie, dem niederländischen Zweig von Friends of the Earth. Mit ihrem Geschäftsmodell würden sie die Welt “in den Abgrund reißen”, so Pols. “Der Richter aber kann das verhindern.”

Einer der Kernpunkte einer nachhaltigen Klimapolitik ist der Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel. Die BVG hat nun 8% mehr Lohn erstritten und damit einen Streik abgewendet, was sehr, sehr viel ist. Bei der Gewerkschaft dürfte man jubeln und ich als alter Gewerkschaftler möchte gratulieren. Einerseits bedeutet das zwar eine weitere Verteuerung, andererseits aber auch eine Aufwertung des Systems ÖPNV. Darüber hinaus betrifft die Erhöhung untere Tarifgruppen, also konkret Busfahrerinnen. Schöner prinzipieller Erfolg der Gewerkschaft, der allerdings auf dem Weg zu kostenlosem öffentlichen Nahverkehr eher ein Hindernis darstellt.

Die CDU hat neue Verkehrsregelungen für Fahrradfahrer abgelehnt. Ob die Regelungen so klug oder durchdacht waren, ist streitbar, aber wir werden für eine nachhaltige Klimapolitik um eine Privilegierung des Radfahrens in urbanen Gebieten nicht herumkommen.

A technology that removes carbon dioxide from the air has received significant backing from major fossil fuel companies: British Columbia-based Carbon Engineering has shown that it can extract CO2 in a cost-effective way. It has now been boosted by $68m in new investment from Chevron, Occidental and coal giant BHP.

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7 Kommentare zu “Klimalinks: „Toxische Männlichkeit ist der Grund des Klimawandels“; BDI gegen Klimaschutz; Energiekonzerne investieren in CO2-Sucker”

  1. “… Flugverkehr trägt den Löwenanteil zum CO2-Ausstoß bei.” Wo kommt denn die Aussage her? Laut BUND sind es rund 5% und die werden das nicht beschönigend darstellen.

  2. “Soweit ich weiß, hat sich der Feminismus zu einem Verbot von Mikroplastik in Kosmetik-Artikeln noch nicht geäußert.”

    Ist etwas abseits vom Thema Gleichberechtigung, oder? Ich nehme an, dass sich die Polizeilobby auch noch nicht geäußert hat.

    1. Versteh mich nicht falsch. Ich seh deinen Kontext zu “Toxic Masculinity”, aber ein Artikel einer Frau ist nicht der Konsens im Feminismus (den es so ohnehin eher diffus als Strömungen gibt).

        1. Es betrifft ja uns alle. Der Bund hatte dazu mal eine Produktliste die für weiblein sowohl als auch männlein intressant sein könnte.
          Ich glaube jetzt nicht, daß meine Freundin täglich so viel Wimperntusche aufträgt, wie Du Zahnpasta gegen Nikontin bzw Kaffeeflecken. Wobei wir beide das eigentlich wieder mit weniger Shampoo wieder gut machen müssten.. hm, grübel. 😉
          https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf

          Ha, vieleicht aber das hier: Östrogene der Pille verweiblichen Fische in Gewässer durch Abwasser.
          Hm, Mist, die wird ja auch nur wegen Männern genommen.
          https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/fluesse/fluesse_hormonaktive_substanzen_hintergrund.pdf

          Alles nicht so einfach. Bevor ich aber auf andere Zeige, fange ich erst einmal bei mir an. Zumindest versuche ich es und hinterfrage dann doch ab und zu meine Wohlfühlblase…

          1. …also in Bezug auf den etwas dämlichen Artikel im Forbes. Nicht Deine Ironie im Artikel :-*
            (sry, nachtrag)

Kommentare sind geschlossen.

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