Der Carbon-Footprint der Streaming-Dienste im Vergleich zu Vinyl, Tapes und CDs

Kyle Devine von der Uni Glasgow hat ausgerechnet, wieviel CO2 durch Streaming-Dienste erzeugt wird im Vergleich zur Musikindustrie aus Zeiten physischer Tonträger. Dafür hat er die Menge der Plastikproduktion von Tapes, Vinyl und Packaging einerseits und die Energie für Digital Storage und das Streaming der Songs andererseits verglichen und heraus kam, dass die Streaming-Dienste ungefähr das Doppelte an Treibhausgasen erzeugen. Das Ergebnis erinnert an die Meldungen der Carbon-Footprints von Google oder Bitcoin-Mining und ich halte das Ergebnis für falsch.

Matt Brennan berechnet lediglich die Produktion von Plastik für die Industrie physischer Tonträger, unterschlägt aber die Energiekosten des Betriebs von Plattenspielern und Tapedecks und die drölf Millionen Batterien, die alleine durch den Walkman produziert und abgesetzt wurden und heute noch auf irgendwelchen Müllhalden rumliegen, wo sie nicht hingehören. Ich denke, wenn man diese Energiekosten mit einberechnet, kommt man auf so circa denselben Carbon-Footprint. Dennoch nette Studie, die daran erinnert, dass der ganze Digital-Voodoo hier einen nicht grade kleinen Beitrag zum Klimawandel leistet.

FACT: Streaming music is driving up harmful emissions, according to study
Uni Glasgow: MUSIC CONSUMPTION HAS UNINTENDED ECONOMIC AND ENVIRONMENTAL COSTS

From the plastics perspective, in 1977 (the US sales peak of the LP) the recording industry used 58 million kilograms of plastic. In 1988 (the peak of cassette sales) the industry used 56 million kilograms of plastic. And in 2000 (the peak of CD sales) the industry used 61 million kilograms of plastic. Then, when downloading and streaming take over, the amount of plastics used by the US recording industry drops dramatically, down to around 8 million kilograms by 2016.

Dr Devine said: “These figures seem to confirm the widespread notion that music digitalised is music dematerialised. The figures may even suggest that the rises of downloading and streaming are making music more environmentally friendly. But a very different picture emerges when we think about the energy used to power online music listening. Storing and processing music online uses a tremendous amount of resources and energy – which a high impact on the environment.”

It is possible to demonstrate this by translating the production of plastics and the generation of electricity (for storing and transmitting digital audio files) into greenhouse gas equivalents (GHGs).

The research shows GHGs of 140 million kilograms in 1977, 136 million kilograms in 1988, and 157 million in 2000. But by 2016 the generation of GHGs by storing and transmitting digital files for those listening to music online is estimated to be between 200 million kilograms and over 350 million kilograms in the US alone.

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6 Kommentare zu “Der Carbon-Footprint der Streaming-Dienste im Vergleich zu Vinyl, Tapes und CDs”

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  1. den ökologischen Fußabdruck von Tapes und CDs müsste man auch um den Schaden erweitern, der mit dem Transport in die Läden und zum Endverbraucher entsteht

  2. “[…]berechnet lediglich die Produktion von Plastik für die Industrie physischer Tonträger, unterschlägt aber die Energiekosten des Betriebs von Plattenspielern und Tapedecks und die drölf Millionen Batterien[…]”

    Ich halte den ganzen Vergleich für Murks. Was ist mit den Servern? Die werden, genau wie die Abspielgeräte (Phones, Laptops, whatever alles mit achso umweltschonenden Li Akkus betrieben) in Fernost mit dreckigstem Strom und null fick auf Umweltverschmutzung hergestellt. Und anschließend mit Containerschiffen die mit Crudeoil fahren um die halbe Welt geschippert. Von den Milliarden Litern Trinkwasser die in der Halbleiterproduktion verbrannt werden und den Folgen von Förderung seltener Erden mal abgesehen.

      1. Einberechnet ist der Betrieb von Servern in Rechenzentren, wo sie mit Strom aus dem örtlichen Stromnetz versorgt sind.
        Nicht einberechnet ist die Herstellung der Serverkomponenten, am anderen Ende der Welt, mit Strom aus dreckigster, ungefilteter Kohleverbrennung und deren anschließende Verschiffung nach zb Europa und Nordamerika.

        1. Und wie gesagt, die heutigen Abspielgeräte werden ja auch nicht erwähnt. Ob ein Massenprodukt wie ein Standard Android Phone mit Akkuleistung über 2000mA dass alle 2 Jahre getauscht wird jetzt besser in der Energiebilanz wegkommt als ein alter Batteriebetriebener Walkman ist mehr als fraglich.

          1. Guter Punkt. Dann müsste man aber auch den Streaming-Dienst anteilig zum Gerät einberechnet, denn so ein Telefon macht ja heute ein bisschen mehr als Spotify…


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