Fantasy Filmfest Trailerfest

11. April 2019 11:45 | #Fantasy Filmfest #Film #Trailer

Ich bin am Wochenende komplett auf den Fantasy Filmfest Nights, hänge dort 2 Tage am Stück im Kino rum, sehe mir insgesamt 10 neue Genre-Filme an und ernähre mich ausschließlich von Cola, Popcorn, Eis, Gummibärchen und Nachos mit viel Käse und Jalapeños.

Unter anderem schaue ich dort den brasilianischen Leichenschauhausschocker The Nightshifter, den neuen Film der Wyrmwood-Macher Nekrotronic, den für manche mit Zac Efron zu fluffig besetzten Serienkiller-Film Extremely Wicked, Shockingly Evil, And Vile, dem neuen James Wan-produzierten Geister-Horror The Curse Of La Llorona, den Friday13th-Meta-Horrorschlock You Might Be The Killer, den animierten Kunst-Krimi Ruben Brandt, Collector, den argentinischen Serienkiller-Film The Angel, die Horror-Anthologie Nightmare Cinema mit Segmenten inszeniert von Joe Dante, Mick Garris (The Stand), Ryûhei Kitamura (Downrange, Versus, Midnight Meat Train), David Slade (Hard Candy) und Alejandro Brugués (Juan of the Dead), Dragged across Concrete von S. Craig Zahler (Brawl in Cell Block 99) und als Festival-Abschluss schließlich den neuen Film von Hoon-jung Park, dem Mystery-Actionthriller The Witch : Part 1. The Subversion. Großartiges Lineup mal wieder!

Unten die Trailer zu allen Filmen außer Nekrotronic, hier die Programmübersicht. Man sieht sich!

Samstag, 13. April
14:00 The Nightshifter
16:15 Nekrotronic
18:15 Extremely Wicked, Shockingly Evil, And Vile
20:30 The Curse Of La Llorona
22:30 You Might Be The Killer

Sonntag, 14. April
12:00 Ruben Brandt, Collector
13:45 The Angel
16:00 Nightmare Cinema
18:30 Dragged Across Concrete
21:45 The Witch: Part 1 – The Subversion

The Nightshifter

Nacht für Nacht rasen die Krankenwagen durch die Straßen von São Paulo. In ihnen jagt der Abschaum der Stadt seinem letzten Ziel entgegen: dem Leichenschauhaus. Dort schiebt Stênio die Nachtschicht als Assistenz-Pathologe, und im Gegensatz zu seinem tristen Leben bei Tage, gestaltet sich zumindest sein nächtlicher Job als einigermaßen abwechslungsreich. Denn Stênio kann mit den Toten sprechen! Hooligans, Gangster, Mörder – sie alle landen irgendwann auf seinem Tisch. Und während er ihre Kadaver aufschneidet und auseinandernimmt, vertrauen sie ihm ihre Geschichten und letzten Wünsche an. Als Stênio eines Nachts jedoch ein Geheimnis aufschnappt, das ihn persönlich betrifft, macht er den tödlichen Fehler, das Vertrauen der Toten zu missbrauchen. Die wollen fortan nur eins: Rache! Und haben zudem alle Zeit der Ewigkeit diese zu schmieden.

THE NIGHTSHIFTER ist das Spielfilmdebüt des brasilianischen Regisseurs und Drehbuchautors Dennison Ramalho, der bereits mit seinem Beitrag zu ABCs OF DEATH 2 von sich Reden machte. Mit grotesken Bildern, einer originellen Geschichte, jeder Menge Leichen und einem Haufen echter Gruselmomente, greift er jetzt nach dem brasilianischen Horrorthron.

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile

Ted Bundy ist neben Jeffrey Dahmer und John Wayne Gacy der wohl bekannteste Serienmörder der Neuzeit, und hat die Faszination absoluten Grauens so greifbar gemacht wie kein anderer: Er ist der All-American Mr. Nice Guy, der den Nachbarn beim Rasenmähen gutgelaunt zuwinkt. Er ist der, dem du ohne zu zögern die Hand deiner Tochter versprechen und niemals für möglich halten würdest, dass diese Hand eines Tages vielleicht in einem Müllsack am Ufer des Flusses gefunden wird. Und so glaubt auch Ted Bundys langjährige Freundin Elizabeth nicht im Traum daran, dass in ihrem Jugend- schwarm ein bösartiges Monster verborgen liegt. Selbst als sich die Verdachtsmomente mehren, hält sie immer noch an Teds charmanten Ausreden fest. Bis ihr und dem ganzen Land eines Tages die Augen geöffnet werden und die Enthüllung einer sadistischen Saga von ungeheuerlichem Ausmaß den amerikanischen Traum in tiefes Rot taucht.

True Crime-Ikone Joe Berlinger, der kürzlich auch eine Dokuserie über Ted Bundy für Netflix inszenierte, besetzt den berüchtigten Frauenkiller ausgerechnet mit Teenie-Idol Zac Efron. Ein brillanter Coup, denn Efron gelingt es fulminant gegen sein nettes Image anzuspielen. Damit entfaltet sich Stück für Stück das zutiefst verstörende Porträt eines Teufels, den keiner jemals kommen sah.

The Curse Of La Llorona

Der Schöpfer des THE CONJURING-Universums James Wan (u.a. auch Regie von SAW) hat ein erstklassiges Händchen für spannende Stoffe und neue Regietalente. So schickt er Newcomer Michael Chaves auf eine Reise in die Welt der lateinamerikanischen Mythen und des Okkultismus.

Für Sozialarbeiterin Anna wird ein schwieriger Fall zur ultimativen Belastungsprobe: Das Jugendamt will einer Frau, deren Kinder Spuren von Misshandlung aufweisen, das Sorgerecht entziehen. Doch bevor das Amt handeln kann, sind die Kinder tot, und Anna gerät in Erklärungsnot. Die verzweifelte Mutter schwört Anna bei ihrem Leben, sie habe ihren Spross nur vor „La Llorona“ – der „Weinenden“ – beschützen wollen, einem Geist, der aus Kummer und Rache aus dem Jenseits zurückkehrt, um die Kinder anderer Mütter zu holen. Je mehr Anna nachforscht und sich auf die Spuren der alten Legende begibt, umso gefährlicher wird die Situation bald für sie und ihre eigene Familie.

Anleihen bei großen Vorbildern wie John Schlesingers THE BELIEVERS (DAS RITUAL) sind nicht zu übersehen. Düster, mit auf den Punkt sitzenden Schocks und einem großen Gespür für Licht und Atmosphäre gelingt Erstlingsregisseur Chaves eine gut funktionierende Achterbahnfahrt des Schreckens.

You Might Be The Killer

Sam ist Betreuer des Sommercamps „Clear Vista“ an einem einsam gelegenen See. Was kann da schon schief gehen? Nun, dass ein maskierter Killer auftaucht und sämtliche Teamleiter massakriert, zum Beispiel. Doch Sam weiß, wo er Hilfe bekommt! Wozu ist seine beste Freundin Chuck (Alyson Hannigan aus HOW I MET YOUR MOTHER und BUFFY) schließlich Verkäuferin in einem Nerdshop und kennt sämtliche Klischees des Slasher-Genres in- und auswendig? Als Telefonratgeberin beginnt sie Sam Stück für Stück durch die Gefahr zu lotsen.

Aber das doppelbödige Drehbuch hält selbstredend ein paar faustdicke Überraschungen parat. Schon die Optik und die Kamerafahrten ehren die Mutter aller Sommercamp-am-See- Slasher: FREITAG DER 13.! Natürlich unterhält YOU MIGHT BE THE KILLER auch mit liebevollen Anspielungen auf EVIL DEAD und andere Klassiker der späten 1970er, frühen 1980er. Als besonderen Clou entfaltet der Filmspaß seine Handlung in Form von Sams Flashbacks und springt in der Chronologie hin und her. Da dürfen manche Kills auch wiederholt zelebriert werden! Klar, tiefere Identifikation mit den Opfern ist eher weniger möglich – aber als wenn es darum im Genre jemals gegangen wäre. Vielmehr geht es in YOU MIGHT BE THE KILLER um clever geschriebene Dialoge und eine herrliche Schlusspointe.

Ruben Brandt, Collector

Ein animierter Film Noir quer durch die Kunstgeschichte: Im spektakulär und rasant erzählten Kriminalthriller RUBEN BRANDT, COLLECTOR von Milorad Krstic wird die Leinwand immer wieder selbst zum pulsierenden Gemälde. Und Botticellis Venus zur mörderischen Nixe, denn der Psychotherapeut Ruben Brandt wird jede Nacht im Traum von Figuren aus berühmten Kunstwerken verfolgt. Zur Heilung beauftragt er seine Patienten, allesamt kriminelle Neurotiker, eben jene Gemälde aus den größten Museen der Welt zu stehlen. In den Louvre, ins MoMa, die Uffizien – überall steigt die ungleiche Truppe ein, Privatdetektive wie Kopfgeldjäger dicht auf ihren Fersen.

Die zunehmend spannende Jagd nach dem Kunstsammler und seinen Motiven führt tief ins Unterbewusstsein von Brandt. Gestaltet ist sie als turbulente Pop-Collage sämtlicher Stilrichtungen und Geistesströmungen des 20. Jahrhunderts: Von Picassos Kubismus über Freuds Psychoanalyse bis hin zu Britney-Songs, und Zitaten aus Blockbustern wie PREDATOR und PULP FICTION. Ein vor Fantasie berstendes Medley voller visueller und musikalischer Sprengkraft.

The Angel

Carlos ist siebzehn und hat das Gesicht eines Engels. Doch hinter der blond gelockten Fassade lauert ein entschieden dunkleres Biest. Im sonnendurchtränkten Argentinien des Jahres 1971 klaut sich Carlos mit Hilfe seines neuen Freundes Ramón und dessen zwielichtigen Eltern durch die Villengegend von Buenos Aires. Im Gegensatz zu seinen Komplizen geht es Carlos aber nicht einfach um Bereicherung. Sein krimineller Drang ist vielmehr ein Urinstinkt, der in ihm schlummert und sich weiter und weiter entfaltet, bis der erste Mord schließlich ganz beiläufig von der Hand geht. Viele weitere werden folgen, und selbst seine Weggefährten sind entsetzt über die absolute Gleichgültigkeit des jungen Killers. Denn „El Angel“ kennt keinerlei Moral und zieht eine Blutspur durch ein Land, das nicht weiß, ob es ihn fürchten oder lieben soll.

Luis Ortega orientiert sich in seiner von den Almodóvar-Brüdern produzierten brutalen Gangster-Hymne am tatsächlich noch viel gewalttätigeren Leben des echten Serienkillers Carlos Robledo Puch. Mit Lorenzo Ferro hat er die perfekte Besetzung für den mörderischen Engel gefunden. Mit eiskalter Nonchalance tänzelt sich sein Hauptdarsteller durch einen Film, der in poppigen Farben und noch poppigeren Sounds das Böse als absolute Banalität inszeniert und gerade dadurch die Wucht eines Vorschlaghammers besitzt.

Nightmare Cinema

„You’ll be with me forever!” verspricht Mickey Rourke als teuflisch grinsender Filmvorführer seinen Gästen, denen er in einer ganz persönlichen Vorführung ihre wenig verheißungsvolle Zukunft auf der großen Leinwand präsentiert.

Stilvoll gedreht wurde die Rahmenhandlung dieser Episoden-Sammlung à la THE TWILIGHT ZONE im historischen Rialto Kino in Pasadena, Kalifornien, das unlängst auch Schauplatz in LA LA LAND war. Fünf namhafte Genre-Regisseuren haben inszeniert: Joe Dante (GREMLINS), Stephen King-Spezialist Mick Garris (u.a. THE STAND – DAS LETZTE GEFECHT), Ryûhei Kitamura (THE MIDNIGHT MEAT TRAIN), David Slade (HARD CANDY) und Alejandro Brugués (JUAN OF THE DEAD) geben sich in der Anthologie die Ehre, für deren Schnitt sich überdies noch Festivaldauergast Mike Mendez verantwortlich zeichnet. Allesamt liefern sie uns ihre ureigenen Schauergeschichten, vielfältig in der Machart und mit einem breiten Themenspektrum – vom Funslasher über Ekel-Body-Horror bis hin zu creepy Kinderdämonen – aber durchweg bizarr und überraschend. Ein wunderbarer Kinoalbtraum, in dem wir als Topping auf Stars wie Richard Chamberlain, Adam Godley, Elizabeth Reaser und Patrick Wilson treffen.

Dragged Across Concrete

Die gerade erst wegen Polizeigewalt suspendierten Cops Brett (Mel Gibson) und Anthony (Vince Vaughn) wollen sich ihr ausbleibendes Gehalt auf andere Weise besorgen und den vermeintlichen Drogendealer Lorentz Vogelmann (Thomas Kretschmann) ausnehmen. Doch dann eskaliert die Situation, als sich herausstellt, was Vogelmann und seine Komplizen wirklich im Schilde führen.

In DRAGGED ACROSS CONCRETE ist nicht nur die Besetzung von Hollywood-Paria Mel Gibson in der wohl stärksten Rolle seiner Karriere ein Schlag vor den Kopf. Auch sonst macht S. Craig Zahler keine Gefangenen und präsentiert eine geradlinig-nihilistische Gesellschaftsabrechnung, die sich gewaschen hat. Sein Figurenverschleiß kann es dabei sogar mit GAME OF THRONES aufnehmen und am Ende des präzise in Szene gesetzten Katz-und-Maus-Spiels steht ein westernartiger Showdown, der in Sachen Intensität (und Brutalität) selbst den legendären Straßen-Shootout aus HEAT in den Schatten stellt.

Nach BRAWL IN CELL BLOCK 99 liefert Zahler auch diesmal wieder einen knüppelharten, politisch garantiert nicht korrekten Thriller, der zugleich auch als intensives Charakterdrama begeistert und selbst ambivalente Polizeifilme wie DIRTY HARRY oder END OF WATCH plötzlich wie süße kleine Schmusekatzen wirken lässt.

The Witch : Part 1. The Subversion

Hoon-jung Park, Autor durchdachter Meisterwerke wie NEW WORLD oder I SAW THE DEVIL, gibt hier den Startschuss zu einer spektakulären Mysterythriller-Trilogie: Natürlich mit einem Ensemble abgründiger Charaktere, perfekt platzierten Storytwists und ultrahart in Szene gesetzten Actionarien, ganz wie von Parks Geschichten gewohnt.

Die Geschichte beginnt mit einem brutalen Massaker. Nur die achtjährige Ja-Yoon kann entkommen. Zehn Jahre später scheint sie an das traumatische Erlebnis keine Erinnerung mehr zu haben. Als ihre beste Freundin die scheue Teenagerin überredet, in einer öffentlichen Castingshow einen ihrer verblüffenden Zaubertricks vorzuführen, ruft das unversehens die geheim operierende Organisation auf den Plan, die ihr schon vor einem Jahrzehnt nach dem Leben trachtete. Doch das Mädchen weiß sich zu wehren – und wie!

Die Actionszenen fegen wie ein Orkan über uns Zuschauer hinweg. Und Hauptdarstellerin Kim Da-Mi bläst uns förmlich um! Vom schüchtern kichernden Girlie bis zur radikal fightenden Ein-Mädchen-Armee kitzelt sie sämtliche Facetten aus ihrer allerersten Filmrolle, was ihr bereits zahlreiche Preise eingebracht hat. Starkes Korea-Kino von seiner besten Seite!

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