FFF-Nights Reviews: The Nightshifter; Nekrotronic; The Curse Of La Llorona; You Might Be The Killer; Extremely Wicked, Shockingly Evil, And Vile

14. April 2019 12:16 | #Fantasy Filmfest #Film #Review

The Nightshifter

★★★★★★★★☆☆ [8/10]

Stênio schiebt Nachtschichten im Leichenschauhaus von São Paulo, wo er tote Verbrecher, Mörder und zwielichtige Gestalten aufschneidet und wieder zunäht. Sein makabres Geheimnis: Er kann mit den Toten reden, sie vertrauen Stênio ihre letzten Wünschen und Geheimnissen an und erzählen ihm, wer sie um die Ecke brachte. Als ihm einer der verstorbenen Gangster davon erzählt, dass der Bäcker zwei Straßen weiter eine Affäre mit Stênios treuloser und herrischer Frau hat, nutzt Stênio die Geheimnisse der Toten, um sich zu rächen. Doch er die Geheimnisse waren nur für ihn bestimmt und für seinen Verrat an den Geistern nehmen sie nun furchtbare Rache an ihm.

The Nightshifter ist ein großartiger Low Budget-Schocker, der eine klassische, schnörkellos vorgetragene Geister-Geschichte mit einer ganzen Menge Gore und Leichenteilen erzählt, die an alte Folk-Tales wie Die Affenpfote oder Der Fischer und seine Frau erinnert und folgerichtig zu einem tragischen Ende führt. Originelle Effekte gleichen das vergleichsweise niedrige Budget mehr als aus, einzig die eher mittelmäßige Schauspielleistung des etwas verkniffenen Hauptdarstellers Daniel de Oliveira trübt das Vergnügen an diesem ansonsten wunderbaren Horrorfilms.

Nekrotronic

★★★★★★☆☆☆☆ [6/10]

Der neue Film der Wyrmwood-Macher Kiah und Tristan Roache-Turner ist eine spaßige Ansammlung von Unsinn voller schrecklichem Production-Design und netten Effekten. Die Story ist eine Mischung aus Matrix und Ghostbusters: Howard ist ein Necromancer und geht zusammen mit seinem Zombiegeist-Kumpel und einem Duo knallharter Newschool-Geisterjäger auf die Jagd nach Dämonen aus dem Internet, die von Monica Bellucci als Mutti aus der Hölle angeführt werden. Riesige 3D-Drucker in Form von Pentagrammen spucken Höllenwesen aus, die von Howard in Hellraiser-Gedächtniswürfel aus Plastik gesperrt werden und all das wird präsentiert in knallbuntem Neon.

Ich mag es, mir Caroline Fords Sommersprossen anzusehen und der Film ist ein netter Spaß für zwischendurch, mehr aber auch nicht. Die Zitate beschränken sich auf ein paar optische Spielereien (die Totale mit den „Geister-Streams“ der Großstadt aus Ghostbusters, der Kopf aus Re-Animator, die Würfel aus Hellraiser und so weiter) und das schreckliche Production-Design enthält kein einziges sinnvolles Design-Element: die Kragen der Dämonenjäger-Anzüge etwa haben aufgedruckte Leiterbahnen aus einem Motherboard, die an keiner Stelle des Films auftauchen, keinerlei Funktion erfüllen und alleine ornamental da rumleiterbahnen, und dasselbe gilt für praktisch jedes einzelne Design-Element, von den Mustern auf den Hellraiser-Würfeln bis zum Glibber-3D-Drucker im Boden, der Film ist ein einziges wirres Sammelsurium von unterschiedlichsten Styles, die sich weder ergänzen noch aufeinander aufbauen.

Dennoch ist der Film sichtlich eine Liebeserklärung an das Horror-Kino und hat eine Menge Herz für sein Genre, die Gags zünden halbwegs und er ist ein kurzweiliges, wenn auch etwas dümmliches Vergnügen.

Extremely Wicked, Shockingly Evil, And Vile

★★★★★★☆☆☆☆ [6/10]

Das Problem mit Extremely Wicked, Shockingly Evil, And Vile in a nutshell: Der Film ist weder „extremely wicked“ („extrem niederträchtig“) noch „shockingly evil“ („schockierend bösartig“) und ganz sicher nicht „vile“ („abscheulich“). Stattdessen handelt es sich bei Joe Berlingers angeblicher Chronik von Ted Bundys um ein allzu schickes Portrait einer Liebesbeziehung zwischen einem zwar zwielichtigen Typen und seiner gutgläubigen Freundin (gespielt von Lily Collins), das sich im Verlauf des Films zu einem Gerichtsdrama mit Medienfacette ausweitet und das war es dann im großen und ganzen.

Möglicherweise ist es auch meinem Alter geschuldet oder daran, dass sich die Verbrechen von Ted Bundy in Europa nicht ganz so prominent im gesellschaftlichen Bewusstsein eingeprägt haben, aber ich habe hier gestern nur einen Film über einen irgendwie aalglatten Typen gesehen, der angeblich ein Serienkiller sein soll, im Film aber tatsächlich niemanden umbringt und dessen Taten allerhöchstens angedeutet werden. Vielleicht ist es so, dass Zuschauer in den USA keine grausame Exposition der Taten des Serienkillers brauchen, um sie in die Rezeption des Films mit einfließen zu lassen, vielleicht will Berlinger bewusst auf eine Darstellung der grausamen Morde verzichten, um sie den Zuschauer zur geistigen Mitarbeit zu bewegen. Ich kann nur sagen, dass es für mich als Europäer, der Ende der 70er sechs Jahre alt war und für den die Mordserie Ted Bundys keinen bleibenden Eindruck hinterließen, nicht im geringsten funktionierte. Und hätte der Film nicht immerhin eine Auflösung in den letzten Minuten, die Ted Bundy immerhin doch noch als Täter zeigen, so müsste man ihm Gewaltverherrlichung (durch Unterlassung) unterstellen, sowie eine bewusste Unsichtbarmachung der Opfer.

Ich nutze dieses Wort äußerst ungern, aber ich halte diesen Film für „problematisch“. Mir ist klar, dass Berlinger den Zuschauer auf eine falsche Fährte locken möchte und bewusst einen charismatischen, charmanten Liebhaber präsentiert, dessen böses Wesen absichtlich im Dunkeln bleibt und sich erst ganz zum Schluß zeigt. Dennoch ist mir das zu wenig und wer einen ambivalenten Film über einen Serienkiller sehen möchte, der seine Zuschauer gleichzeitig anzieht und abstößt, dem sei immer noch das Meisterwerk Mann beisst Hund empfohlen.

Freilich bleibt Extremely Wicked, Shockingly Evil, And Vile trotz dieser Mängel eine nett anzuschauende Tragödie über eine fatale Beziehung und lässt sich auch als eine Charakterstudie einer geblendeten Frau lesen, die erst ganz zum Schluss den wahren Charakter ihrer großen Liebe erkennt. Und die exzellente Besetzung bis in die Nebenrollen mit John Malkovich, Haley Joel Osment und Jim Parsons retten den Film vor dem oberflächlichen Portrait eines Serienkillers, das dieser Film eigentlich ist.

The Curse Of La Llorona

★★★★☆☆☆☆☆☆ [4/10]

Ich habe keinen einzigen Film der Conjuring-Reihe gesehen, keinen einzigen Annabelle-Film und auch keinen einzigen The Nun-Film. Das Conjuring-Universe ist mir ein völliges Rätsel und ich halte die Filme für formelhaften Schlonz. The Curse of La Llorona gehört zu dieser Filmreihe und bestätigt alle meine Vorurteile und ich halte James Wan schon seit dem ersten Saw-Film für maßlos überschätzt. Immerhin: Ich mochte das Creature-Design ganz gerne, aber wäre Gschmusi Linda Cardellini hier nicht am Start, wäre ich eingeschlafen. Blerch.

You Might Be The Killer

★★★★★☆☆☆☆☆ [5/10]

Franz „The Cabin in the Woods“ Kranz als Serienkiller (die Info ist kein Spoiler, der Film verrät das in den allerersten Minuten) in einem netten, aber zu konfusen Slasher-Spaß von Brett Simons, der zuvor die eher mauen Genre-Gurken Animal und Husk gedreht hatte.

You Might Be The Killer versteht sich als furchtbar ironischer Meta-Kommentar auf das „Camp“-Slasher-Subgenre, funktioniert aber weder als Zitatsammlung noch als eigenständiger Horror. Die Meta-Storyline mit Alyson Hannigan (How I met your Mother) ist wohl der unterhaltsamste Teil und hält die fragmentiert erzählte Geschichte zusammen, die wirr in der Zeit herumspringt. Der Film wiederholt sich ständig und zeigt dieselben Mord-Szenen in einem konfusen, in kurzen Zwischensequenzen eingeblendeten Bodycount, der bei 8 umgebrachten Camp-Besuchern einsteigt, dann auf 0 springt, dann bei 5 weitererzählt, dann in die Zukunft springt und wieder zurück.

Die Effekte sind leider relativ billig, das Splatter-Level leider relativ niedrig, die Schauspielleistung nicht der Rede wert und die Auflösung des Films ist leider vorhersehbar. Für Slasher-Fans ein mittelnetter Spaß, für alle anderen aber vernachlässigenswert.

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