Klimalinks: Parents for Future fordern Klimaschutzgesetz; Internationaler #FridaysForFuture Aktionstag am 24. Mai; Aktionswoche der Extinction Rebellion ab heute, 5 nach 12

15. April 2019 11:49 | #Klimawandel #Politik #Protest #Umwelt

Die neue radikale, linke Öko-Bewegung Extinction Rebellion zur Bekämpfung des Klimawandels und der sogenannten sixth extinction plant ab heute eine erste Aktionswoche: Sie wollen Brücken blockieren und den Verkehr lahmlegen. Heute um 5 nach 12 Uhr (toll!) wird am Reichstag die Erklärung der Rebellion verlesen, ab 14 Uhr werden Brücken in Berlin blockiert und auf der Jannowitzbrücke getanzt. Die Leute haben meine volle Solidarität und möglicherweise sieht man mich demnächst in einer Blockade in Berlin.

Der Guardian dazu: Only rebellion will prevent an ecological apocalypse: No one is coming to save us. Mass civil disobedience is essential to force a political response.
Piqd: Ab heute: Eine Rebellion gegen das Aussterben

Seit über 30 Jahren warnen Wissenschaftler, die UN und andere Umweltorganisationen, dass ein „weiter so wie bisher“ unweigerlich in die Katastrophe führen wird. Der Bericht des Weltklimarates (IPCC) der UN betonte erst im Herbst 2018, dass die Erderwärmung unbedingt weit unter 1,5° bleiben muss. Aber die Emissionen von Treibhausgasen steigen global trotz der Verlautbarungen der Regierungen immer weiter an. Wir sind auf dem Weg zu 4°C Erwärmung. […]

Wir sind überzeugt, dass wir nicht länger darauf hoffen können, dass die deutsche Regierung rechtzeitig von selbst die nötigen Schritte gehen wird. Es ist an der Zeit, sie unter massiven, gesellschaftlichen Druck zu setzen. Es ist Zeit für eine massenhafte, gewaltfreie Rebellion, für das Leben und um des Lebens Willen. […]

Unsere Forderungen lauten:
(1) Die Regierung muss zusammen mit den Medien die Wahrheit über die akute Bedrohung durch die Klimakrise und die Zerstörung unserer Ökosysteme kommunizieren. Alle Gesetze, die dieser Situation nicht angemessen sind, müssen revidiert werden.

(2) Die Regierung muss Maßnahmen rechtlich bindend beschließen und einleiten, um die Netto-Emissionen von Treibhausgasen in Deutschland bis 2025 auf Null zu senken. Im Zuge dessen muss der Ressourcenverbrauch massiv reduziert werden.

(3) Die Schaffung einer Bürgerversammlung als Teil einer zweckmäßigen Demokratie, die diesen Prozess begleitet und überwacht.

Das NYTimes-Magazin mit einer Ausgabe zum Klimawandel, der spannendste Artikel ist wohl der über die Detektei der „Pinkertons“, die ihre Belegschaft für Sicherheitsdienstleistungen für Konzerne trainiert. 80% der Fortune 1000 (ja: Tausend) gehören zu ihrer Kundschaft. Sie trainieren ihre Leute nicht nur auf Personenschutz oder Wachdienst, sondern auch auf Management-Service im Notfall. Tactical Climate Capitalism oder auch der neue Paramilitary-Climatesecurity-Complex für die 1%. Hallo Zukunft. Hier die restlichen Artikel: What Survival Looks Like After the Oceans Rise, The Next Reckoning: Capitalism and Climate Change, How Big Business Is Hedging Against the Apocalypse, The Problem With Putting a Price on the End of the World und Climate Change Could Destroy His Home in Peru. So He Sued an Energy Company in Germany.

Apropos Zukunft: Der dümmste Artikel zum Klimawandel kommt natürlich von einem Transhumanisten: Environmentalists are Wrong: Nature Isn’t Sacred and We Should Replace It. Geht’s nur mir so oder fühlt sich der ganze Futurismus/Cyborg/Tech-Crap im Jahr 2019 superanachronistisch und outdated an?

Eltern fordern Klimaschutzgesetz: “Die Parents for Future-Bewegung will ein verbindliches Klimaschutzgesetz innerhalb der nächsten sechs Monate. Dazu wurde jetzt eine Petition gestartet. Bis 2040 soll Deutschland klimaneutral werden.” Ich habe die Petition mitgezeichnet.

Fridays for Future: Am 24. Mai ist der nächste internationale Aktionstag.

Neue Energie: Seit Monaten streiken Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Fridays for Future“ für mehr Klimaschutz. Jetzt haben Vertreter des Bündnisses im Berliner Naturkundemuseum ihre Forderungen vorgestellt. Jörg-Rainer Zimmermann war vor Ort und blickt auch zurück auf die Proteste der letzten Wochen. Zudem hat er mit Energieforscher Volker Quaschning und Museumsdirektor Johannes Vogel darüber gesprochen, wieso sie als Wissenschaftler die Klimastreiks unterstützen.

Piqd: Klimaschutz braucht einen CO2-Preis – aber wie kann der konkret funktionieren?: Energie wird hier schon besteuert, und zwar unterschiedlich, je nachdem, ob es um Heizöl, Kohle oder Benzin geht. Wie müsste ein CO2-Aufschlag hier aussehen? Muss man den Verkehrssektor anders besteuern als Gebäude, um Emissionen schnell zu reduzieren? Reicht es, wenn nur Deutschland das tut, oder müsste nicht zumindest die EU mitziehen? Wie passt das Emissionshandelssystem da rein? Und, last not least: Was tun mit den Einnahmen?

Bei zwei Grad Erwärmung gibt es jedes Jahr Hitzesommer: Ohne den vom Menschen ausgelösten Klimawandel wäre eine Extremhitze wie im letzten Sommer nicht möglich gewesen, zeigt eine aktuelle Studie.

Was die „Scientists for Future” bewegt (PDF): Claus Leggewie, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen: Im WBGU, der sich intensiv mit dem Klimawandel befasst hat, haben wir stets die Notwendigkeit einer Welt-Bürgerbewegung (oder auch Weltbürger-Bewegung) betont, um Klimaschutz voranzubringen. Uns war bewusst, wie schwierig es sein würde, eine solche globale Bewegung zu kreieren und am Leben zu erhalten. Greta Thunberg und Tausende von Schülern haben einen Durchbruch geschafft, deshalb verdienen sie jede Unterstützung.

Demnächst halt nur noch Salami-Pizza statt Salami-Schinken, doppelt Käse einklich auch eher uncool, aber ich bestehe auf Doppelt Käse, denn eine Pizza ohne Doppelt Käse ist keine Pizza: Treibhausgas-Einsparung in der Landwirtschaft – Weniger Tiere, mehr Klimaschutz: Eine Studie des Öko-Instituts zeigt, dass die CO2-Ziele in der Landwirtschaft nur mit weniger Fleischproduktion zu erreichen sind. Umwelt-, Entwicklungs- und Bio-Verbände kritisieren die Klimaschutz-Pläne des Ministeriums als Schönrechnerei.

Klimawandel lockt Mücken und Zecken nach Norden: Damit steigt die Gefahr für Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- oder West-Nil-Viren.

Während die Merkel-Regierung in Sachen Umweltschutz zur Protektion ihrer geliebten Automobil-Industrie (die uns alle inklusive Merkel dann hintenrum beschissen hat) enorm auf die Bremse getreten hat, gibt Asien mittlerweile den Ton an bezüglich Green Tech: South Korea once recycled 2% of its food waste. Now it recycles 95%. Tja.

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