Die Klimawandel-Pfeife der CDU

27. Mai 2019 9:16 | #Klimawandel #Politik

Handelsblatt: „Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer hat die Klimadebatte in Deutschland als ‘nur noch schwer erträglich’ bezeichnet. ‘Die Diskussion ist alarmistisch und Fakten werden weitgehend durch Emotionen ersetzt’, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion […]. ‘Für viele ist der vermeintliche Klimaschutz offenbar zu einer Art Ersatzreligion geworden.’“

Er hat Recht, aber anders als er denkt. Ja, die Klimadebatte wird emotional geführt und ist von Alarmismus durchdrungen. Nichts zeigt das deutlicher, als das relative, diffuse Nichts in konkreten, langfristigen Forderungen bei den Alarmisten. Selbst der global führende Klimawandel-Alarmist David Wallace Wells (The Uninhabitable Earth) schlägt weniger konkrete Lösungen vor, sondern ergeht sich in Apokalypse und Untergangsstimmung. Auch der neuerliche Gebrauch des Wortes „Klima-Krise“ ist eher ein Kennzeichen des Alarmismus.

Was Joachim Pfeiffer nicht weiß: Der Alarmismus ist nicht unberechtigt und (geschickt eingesetzt) ein nützliches Tool zur Erringung von Aufmerksamkeit. Denn beim Klimawandel handelt es sich nicht um eine Krise, also eine akute Gefahrensituation, die man im Moment und vor allem jetzt bekämpfen muss, dann ist alles gut. Beim Klimawandel handelt es sich um eine planetare chronische Krankheit, die für eine sehr lange Zeit bleiben wird. Der Klimawandel ist keine Krise, der Klimawandel ist ein Zustand und er wird uns für ein paar Jahrhunderte begleiten. Die Kids haben das möglicherweise ungefähr auf dem Schirm, so als Bauchgefühl, Wallace-Wells mögicherweise auch, aber um Aufmerksamkeit zu erlangen, benötigt es eben kein doktorales Gerede von einer chronischen Krankheit, die man nur mit langweiligen, langfristigen Umstellungen ganzer Industrien und Gesellschaften und dem Management der unabwendbaren Schäden (inklusive globaler Lösungen für Klimaflucht) in den Griff bekommen wird, sondern eben: Alarmismus.

Was Pfeiffer als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU mit „Fakten“ im Kontext von Klimawandel natürlich auch meint, sind Wirtschafts-Interessen. Hier lässt sich nur konstatieren, dass Pfeiffer ein schlechter Wirtschafts-Politiker ist und seinen Leuten schlechte Ratschläge gibt. Die größten Beratungsunternehmen haben allesamt Klimawandel-Paper in der Schublade (hier Mercer, ich hatte hier aber sicher schon drei oder vier unterschiedliche verlinkt) und raten zum Abzug von Geldern aus klimaschädlichen Industrien aufgrund explodierender Kosten und nicht einschätzbaren Forderungen in der Zukunft, Energie-Konzerne investieren in Technologien zur Verminderung des CO2-Ausstoßes und so weiter.

Und zuletzt: Ich dachte, der Klimawandel sei laut konservativen Politikern ein „Job für Profis“, aber die CDU-Pfeife gehört zu einem Verein, der ein Youtube-Video oberflächlich findet, dann seinen Leuten aber solche falschen wie grandios verkürzenden und ahnungslosen Nullaussagen wie oben als Politik verkauft. Jeder Youtuber aber wäre meilenweit deeper im Thema und mit Sicherheit ein besserer wirtschaftspolitischer Sprecher als der Pfeiffer von der CDU. Get lost, Achim.

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8 Kommentare zu “Die Klimawandel-Pfeife der CDU”

  1. hm, alles schön und gut aber irgendwie sind wir hier in Europa doch gar nicht die Hauptverursacher.
    Geht der Klimawandel mittlerweile nicht in erster Linie von China, USA, Mexiko etc. und diversen Ostasiatischen Staaten aus?

    was haben wir überhaupt damit zu tun?

    Wenn da höchstens dass wir den Klimawandel durch Produktion im Ausland antreiben,
    aber eigentlich ist es crazy dass dort wo die relevanten Hebel sind Diktaturartige Zustände herrschen
    und hier in Europa wollen die Leute was ändern aber die relevanten Hebel sind in anderen Ländern.

    1. Stimmt. Jeder Bürger in Europa lebt zu 100% Emissionsfrei. Wir haben total nichts mit dem Klimawandel zu tun. Die anderen sind’s gewesen.

      1. Wieso gleich so passiv aggressiv? Er hat doch damit recht das es nicht nur von Europa ausgeht und es stimmt leider auch das Länder wie China unseren Emissions-Ausstoß bei weitem topppt, wieso darf das nicht angesprochen werden dass das Problem viel größer ist als Europa?

        1. Natürlich darf und soll das angesprochen werden. Ich habe mich auch eigentlich hauptsächlich an dem Satz “was haben wir damit überhaupt zu tun” gedropst. Impliziert irgendwie, wenn mit “wir” die europäische Bevölkerung gemeint ist, den Gedanken, dass es egal ist was wir in Europa tun..

  2. Was bedeutet das?

    “Get lost, Achim.”

    Ein wenig mehr Wörter, die einer versteht wäre nicht schlecht. Gerade wenn es um politische Dinge geht.

    PS: Wie trägt eigentlich ein Blog aktiv zur Klimaverbesserung bei?

    1. Bedeutet soviel wie “Hau ab, Achim”.

      Ein wenig mehr Übersetzen der Wörter, welche jeder lesen und kopieren kann ist gut. Kann sogar jeder selber online übersetzen. Selber weiterdenken, gerade wenn es um politische Dinge geht, geht voll ab!

      PS: Ein Blog informtiert. In diesem Fall über einen CDU Politiker welcher sich klimapolitisch selbst zerlegt. Text gelesen? Und was daraus geschlossen? Dass dieser Politiker nicht gewählt werden sollte? Und schon hat der Blog zur Klimaverbesserung beigetragen.

  3. Ich weiß ich bin voll 2001 dass ich das hier an einem PC Monitor lese, aber denk doch mal darüber nach deine Schriftgröße, Zeilenbreite und Zeilenhöhe auf ein erträgliches Maß zu fixen. Wäre geil. Ansonsten weiter so

Kommentare sind geschlossen.

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