Trumps postfaktische Klimapolitik

Trump hat der Umweltbehörde des Innenministeriums United States Geological Survey untersagt, Klimamodelle bis 2100 zu entwerfen – die Modelle in zukünftigen Berichten werden das Klima nur noch bis 2040 projizieren. Damit erreicht er, dass die gegenwärtigen Treibhausgas–Ausstoßes praktisch keine Auswirkungen zeigen und die Konsequenzen daraus, der Anstieg der Erderwärmung nach 2050, in den Klimaberichten der US-Behörden nicht mehr auftaucht.

Es ist ein reiner PR-Move, eine Strategie der politischen Kommunikation und hat mit Wissenschaft genau nichts zu tun. Trump generiert mit diesen Regelungen eine Informationslage, die (wenn sie von Medien so 1:1 kolportiert wird) zu einem positiveren Bild der „Umweltpolitik“ der US-Regierung führt. Trump politisiert hier wissenschaftliche Methode, Wissenschaftler vergleichen das Vorgehen mit dem der kommunistischen Sowjetunion, ein Potemkinsches Dorf der US-Klimapolitik.

Trump möchte offenbar einen seiner peinlicheren Fehler vermeiden, als nach einem Bericht der Verkehrsbehörde bekannt wurde, dass die Trump-Regierung fest von einer Erwärmung von 4°C bis 2100 ausgeht und sich entsprechend vorbereitet. Diese jüngste Strategie passt ins Bild.

Bonustrack: Der neue Vorsitzende von Trumps neu ins Leben gerufenen „Klimaberaterstab“ ist ein 79jähriger Physiker, der die „Dämonisierung“ von Treibhausgasen mit der Dämonisierung der Juden durch die Nazis vergleicht und Klimastudien für Geld von Ölfirmen schreibt, wie Greenpeace in einer verdeckten Operation aufgedeckt hat.

The attack on science is underway throughout the government. In the most recent example, the White House-appointed director of the United States Geological Survey, James Reilly, a former astronaut and petroleum geologist, has ordered that scientific assessments produced by that office use only computer-generated climate models that project the impact of climate change through 2040, rather than through the end of the century, as had been done previously.

Scientists say that would give a misleading picture because the biggest effects of current emissions will be felt after 2040. Models show that the planet will most likely warm at about the same rate through about 2050. From that point until the end of the century, however, the rate of warming differs significantly with an increase or decrease in carbon emissions.

The administration’s prime target has been the National Climate Assessment, produced by an interagency task force roughly every four years since 2000. Government scientists used computer-generated models in their most recent report to project that if fossil fuel emissions continue unchecked, the earth’s atmosphere could warm by as much as eight degrees Fahrenheit by the end of the century. That would lead to drastically higher sea levels, more devastating storms and droughts, crop failures, food losses and severe health consequences.

Work on the next report, which is expected to be released in 2021 or 2022, has already begun. But from now on, officials said, such worst-case scenario projections will not automatically be included in the National Climate Assessment or in some other scientific reports produced by the government.

“What we have here is a pretty blatant attempt to politicize the science — to push the science in a direction that’s consistent with their politics,” said Philip B. Duffy, the president of the Woods Hole Research Center, who served on a National Academy of Sciences panel that reviewed the government’s most recent National Climate Assessment. “It reminds me of the Soviet Union.”

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2 Kommentare zu “Trumps postfaktische Klimapolitik”

  1. So we’re doomed? Dachte das Freiheitsgas mit seinen Molekülen der Freiheit hätte mir schon den Tag vermiest, aber diese Geschichte rundet das nochmal perfekt ab. Mitte zwanzig und Stirnfalten. Nice!

  2. “ein 79jähriger Physiker, der die „Dämonisierung“ von Treibhausgasen mit der Dämonisierung der Juden durch die Nazis ” -> das passt ja auch zu “Freedom Gas”.
    Drecksschweine. Neutraler kann ich dazu nicht werden.

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