[Klimalinks 14.6.2019] Der unterschätzte Klimawandel; DiEM25s Green New Deal Europe; Globale Treibhausgas-Emissionen deutlich gestiegen

Globale Treibhausgas-Emissionen deutlich gestiegen: Um zwei Prozent ist der CO2-Ausstoß der weltweiten Energiewirtschaft im vergangenen Jahr gestiegen – der größte Sprung seit sieben Jahren. Das ergab die Analyse des globalen Energiesystems, die der britische Ölkonzern BP jetzt wie in jedem Jahr vorgelegt hat. Der Guardian dazu.

• Harvard Gazette: A recent study shows that nitrous-oxide emissions from thawing Alaskan permafrost are about 12 times higher than previously assumed.

World’s largest plant survey reveals alarming extinction rate: The world’s seed-bearing plants have been disappearing at a rate of nearly 3 species a year since 1900 ― which is up to 500 times higher than would be expected as a result of natural forces alone, according to the largest survey yet of plant extinctions.

• Yanis Varoufakis’ DiEM25 Green New Deal for Europe: The Green New Deal for Europe is an ambitious and pragmatic plan to transition to zero greenhouse gas emissions and transform Europe in the process. It involves an annual investment of 5% of GDP in infrastructure, agriculture, and industry, creating millions of new jobs and ending the era of austerity — all without raising your taxes.

MIT Tech Review: A new analysis in Nature finds that climate change has likely played a relatively small role in driving armed conflict so far. But if temperatures reach 2˚ C and 4˚ C above pre-industrial levels, global warming may substantially increase violence around the globe.

Der unterschätzte Klimawandel: Von Jetstreams, versinkenden Städten und Todeszonen im Meer:

Prof. Stefan Rahmstorf im Interview mit Fabian Scheidler (Kontext TV). Rahmstorf ist Co-Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor für die Physik der Ozeane an der Universität Potsdam.

Klimamodelle haben einige wichtige Aspekte des Klimawandels bisher unterschätzt, so der weltweit renommierte Klimaforscher Stefan Rahmstorf. Arktis und Antarktis schmelzen deutlich schneller als bisher angenommen. Bereits bei einen Meeresspiegelanstieg von unter einem Meter seien Küstenstädte wie New York durch eine Zunahme von Sturmfluten existentiell gefährdet. Die Veränderung von Luftströmungen wie dem Jetstream führe zu vermehrten Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Kälteeinbrüchen und Starkregen, auch in Europa.

Da 50 Jahre auf die Klimawissenschaften nicht angemessen reagiert wurde, sei nun ein sehr schneller Ausstieg aus den fossilen Energien notwendig. Doch bei der Bundesregierung sei dazu der politische Wille nicht erkennbar. Die enorm hohen Subventionen für Öl, Gas und Kohle müssen rasch abgebaut und neue Kohlekraftwerke weltweit verhindert werden. Auch eine Reduktion des Flugverkehrs sei geboten.

In hot water? Study says warming may reduce sea life by 17%: The world’s oceans will likely lose about one-sixth of their fish and other marine life by the end of the century if climate change continues on its current path, a new study says.

Ökalypse: “Die größte Herausforderung ist in den Wirtschaftswissenschaften noch nicht angekommen”: Der Wirtschaftswissenschaftler Helge Peukert über die Ungleichheit in der Vermögensverteilung, die Situation in der Ökonomie und die Notwendigkeit einer Kulturrevolution in Richtung Postwachstumsökonomie.

Climate Change Poses Major Risks to Financial Markets, Regulator Warns: Rostin Behnam, who sits on the federal government’s five-member Commodity Futures Trading Commission, a powerful agency overseeing major financial markets including grain futures, oil trading and complex derivatives, said in an interview on Monday that the financial risks from climate change were comparable to those posed by the mortgage meltdown that triggered the 2008 financial crisis.

US-Government Accountability Office: Climate change poses ‘high risk’ to federal spending

NASA’s Long-Term Climate Predictions have Proven to be Very Accurate, Within 1/20th of a Degree Celsius: NASA scientists analyzed the GISTEMP data to see if past predictions of rising temperatures were accurate. They needed to know that any uncertainty within their data was correctly accounted for. The goal was to make sure that the models they use are robust enough to rely on in the future. The answer: Yes they are. Within 1/20th a degree Celsius.

David Pakman Show: David Wallace Wells, national fellow at the New America Foundation, columnist and deputy editor at New York Magazine, and author of the book “The Uninhabitable Earth,” joins David to make the case that humans are drastically underestimating the effects of climate change

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[Klimalinks 19.7.2019] Eat the Rich; Weniger CO₂-Budget als gedacht; erstes #FridaysForFuture-Bußgeld zurückgezogen; Klimawandel beschleunigt Gentrifizierung

Musikvideos: Brittany Howard, Red Hearse, Deutsche Laichen, Dälek, Yeule, Grün Wasser, Twin Peaks, Ceremony, Blis, Molly Sarlé, Cherry Pickles, Little Scream, Shannon Lay, Sleater-Kinney, Jade Imagine, The Sonder Bombs, Speelburg, The Struts

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4 Kommentare zu “[Klimalinks 14.6.2019] Der unterschätzte Klimawandel; DiEM25s Green New Deal Europe; Globale Treibhausgas-Emissionen deutlich gestiegen”

    1. Klingt uncool, ja, ist aber auch 8 Jahre her und das Interview oben ist gut.

      Ich halte die Tendenz im Netz, jemanden wegen vergangener Fehler lebenslang zum Pariah zu machen, für eine absolute Katastrophe im menschlichen Miteinander. Fuck Deplatforming.

    1. Die beiden Hinweise hier in den Kommentaren gegen Stefan Rahmstorf finde ich sehr spannend. Ich folge seinen Aussagen schon einige Zeit und finde, dass er inhaltlich keine aussergewöhnliche Positionen vertritt, allerdings im deutschsprachigen Raum einer der wenigen ist, die sich als Vollblutwissenschaftler auch um Kommunikation kümmern. Dass er dabei nicht immer das beste Bild abgibt liegt aber nicht an seinen Aussagen oder Credentials, sondern an seinem eher wissenschaftlichen herantreten an häufig politische Diskussionen. Gleichzeitig wirkt er auf mich wie jemand, der sich den Grenzen seines Wissens durchaus bewusst ist (auch ein Faktor, der einem in einer politischen Diskussion nicht hilft), er wirkt wie ein eigentlich bescheidener Wissenschaftler, der die Notwendigkeit sieht, die Erkenntnisse der Wissenschaft zu verbreiten und zu verteidigen.

      Und da kommt dann der Spiegel-Artikel ins Spiel, der folgende Vorwürfe erhebt:
      Rahmstorf hat eine Journalistin (in ihrer Funktion als Wissenschaftsjournlistin) angegriffen die einen kleinen Teil des IPCC Reports als überzogen und wissenschaftlich nicht gedeckt kritisiert hat. Rahmstorf hat dabei (unter anderem) behauptet, diese hätte die Talking Points von bekannten Klimawissenschaftsleugnern übernommen und selbst den betreffenden Teil des Reports gar nicht gelesen. Das war unhaltbar und wurde offensichtlich vor Gericht angegriffen, Zitat aus dem Artikel: “Das Gericht sah in diesem Punkt und bei dem Plagiatsvorwurf die Persönlichkeitsrechte der Autorin verletzt. Die Aussagen Rahmstorfs konnten widerlegt werden – der Forscher wurde zur Unterlassung verurteilt. Rahmstorfs Vorwurf hingegen, Meichsner habe den IPCC nicht gelesen, ließ das Gericht dem Wissenschaftler als polemische Meinungsäußerung durchgehen.”

      Der Spiegel Artikel macht daraus nun, dass der Inhalt des Blogposts widerlegt ist (ist er nicht, der Blogpost, zumindest in seiner jetzt existenten Form, behandelt den Meichsner-Artikel nur als Fallbeispiel für Angriffe gegen den wissenschaftlichen Konsens und behandelt den Inhalt der Aussagen) und sich Rahmstorf so unzulässig und lernunfähig verhalten hat.

      Tatsächlich geht aber auch im zeitlichen Kontext etwas unter, dass damals die Kampagnen gegen den wissenschaftlichen Konsens in Deutschland noch viel mehr Kraft hatten und ständig basiswissenschaftliche Erkenntnisse zur Funktionsweise der Erdatmosphäre angegriffen wurden, teilweise auch mit stark unlauteren Mitteln. Der entstehende (Des)Informationskampf ist ein sehr asymmetrischer, weil es viel einfacher ist, bullshit zu streuen als diesen zu widerlegen. Und weil an Wissenschaftler (zurecht) ein höherer Standard angelegt wird, als an Journalisten, Politiker und vor allem random Meinungsäußerungen im Internet.

      Und diesem höheren Standard hat Rahmstorf in dem Fall wohl nicht genügt. Damit kann ich leben, vor allem weil der 9 Jahre alte Fall nun ja wirklich keinen Bezug hat zu einem sachlichen 45-min Interview (das ich zugegebenermaßen noch nicht ganz gesehen habe).

Kommentare sind geschlossen.


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