Social Media als Marktplatz für eskalierenden Empörungs-Wettbewerb

Psychologen der Uni Stanford haben in Experimenten festgestellt, dass Menschen ihre Emotionen willensgesteuert kontrollieren und sich vor allem dann mit Empörung anderer anstecken lassen, wenn sie wütend werden wollen. Menschen regulieren also nicht nur ihre Emotionen, sondern auch den Grad emotionaler Ansteckung.

Nun wird es interessant: In einem zweiten Schritt untersuchten sie Empörung auf Social Media und stellten zunächst fest, dass Menschen vor allem auf wütende Äußerungen reagieren. Diese Erkenntnis ist nun nicht neu. Aber sie stellten ebenfalls fest, dass die Leute ihre Emotionen in einem Feedbackloop eskalieren lassen. Wenn wütende Menschen auf Social Media durch ähnlich wütende Reaktionen bestätigt werden, steigern sie ihre Wut. Meines Erachtens ist dies eine Wettbewerbssituation um Aufmerksamkeit, die Steigerung der Wut ist ein Mittel, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Da nun Aufmerksamkeit auf Social Media ein starker Motivator ist und Menschen daher eher Willens sind, ihre Emotionen online eskalieren zu lassen, bildet Social Media hier einen hervorragenden Motor für eine Eskalationsspirale, in der sich wütende Äußerungen immer weiter gegenseitig steigern. Die Forscher formulieren in dieser Studie auch explizit starke Emotionen als Signal an die Peer-Group und bestätigen damit das Phänomen des Virtue Signaling.

Ich bezeichne diese Mechanismen seit ein paar Jahren als Outrage Memetik und freue mich sehr, dass sie nun empirisch bestätigt wurde.

Medical Express: Examining how people’s emotions are influenced by others
Paper: Beyond emotional similarity: The role of situation-specific motives

In a new study, Stanford psychologists examined why some people respond differently to an upsetting situation and learned that people’s motivations play an important role in how they react. Their study found that when a person wanted to stay calm, they remained relatively unfazed by angry people, but if they wanted to feel angry, then they were highly influenced by angry people. The researchers also discovered that people who wanted to feel angry also got more emotional when they learned that other people were just as upset as they were, according to the results from a series of laboratory experiments the researchers conducted. […]

The researchers also looked at social media where they could see how emotions played out in real time. They focused on the unrest that emerged on Twitter following the shooting of Michael Brown in Ferguson, Missouri, in 2014.

After analyzing almost 19 million Twitter posts, the researchers found that Twitter users were more influenced by stronger emotions expressed by people in their social network compared to weaker and calmer reactions. They also found that when Twitter users responded to tweets that were similar in emotional intensity to their earlier reactions, the users amplified their emotions to express stronger outrage than others in their social network. […]

“Our emotions are not passive nor automatic,” Goldenberg said. “They are a little bit of a tool. We have the ability to use our emotions to achieve certain goals. We express certain emotions to convince other people to join our collective cause. On social media, we use emotions to signal to other people that we care about the issues of a group to make sure people know we’re a part of it.”

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