Fake-Immobilienplakatkunst für echte Investoren

Tolle Arbeit von Dorothea Nold, die mit ihren Fake-Bauprojekten Princess Towers, Treptow Visions und Bethanien-Höfe nicht nur eine 1a CGI-Hundertwasser-Hommage hingelegt hat, sondern mit ihrer Immo-Streetart auch 200 real existierende Immobilien-Investoren angelockt hat. Ich weiß nicht, ob die Dame tatsächlich davon ausging, dass die Plakate echte Berliner Gentrifizierer anlockt und die Verarschung mit zum Kunstkonzept gehörte, aber es macht die Kunstaktion definitiv erst richtig rund.

Treptown Visions – billboard in public space, Treptow, Berlin, 2019, 4m50 x 5m

Ansätze zur modernen Wohnraumgestaltung fanden hier in den 2030er Jahren statt, als der „Club-Adel“- also diejenigen, die sich zwischen den 1990ern und 2030ern in der goldenen, rauschenden Ära diverser Taxiunternehmen eine goldene Nase verdient hatten ihr Geld und ihren Einfluss nutzten, um hier ehrgeizige Projekte zu starten: Günstig sollte das Wohnen sein, klimaneutral, den Gemeinsinn fördernd- erweiternd… Im Laufe der nächsten sechs Dekaden wuchsen die Bauwerke scheinbar organisch weiter. Der bauliche Fortschritt war jedoch durchaus geplant- das sogenannte „Nold´sche Prinzip“ tritt hier deutlich zum Vorschein.

Tagesspiegel: Fiktives Bauprojekt „Princess Towers“ – Berliner Kuckucksheime: Die Künstlerin Dorothea Nold hat Bauschilder mit Fantasieprojekten in Berlin aufgehängt. Viele potenzielle Investoren interessierten sich dafür.

Guardian: Investors flock to fake real estate ads put up as protest art in Berlin

In a city where investors are scrambling to get a piece of the booming real estate market, the fake adverts have taken on a life of their own. Since they went up, Dorothea Nold, the visual artist behind the project, has been receiving up to six calls a day from interested buyers.

“All three developments have been very much in demand,” said Nold, 37. “Lots of callers were visiting Berlin but didn’t live here yet and were searching for something to buy. “It seems some people only saw the phone number and blocked out the rest of the picture,” she added.

Most callers were Germans, but Nold also heard from would-be investors from as far away as Hong Kong and Australia, as well as Britain, Sweden and Norway. She said the response reflects the desperate scramble to invest in Berlin’s booming property market. Once a haven for artists and dropouts because of its exceptionally low rents, property prices rose by 20.5% in 2017, faster than any other city in the world.

Princess Towers – billboard in public space, Moritzplatz, Berlin, 2019, 6m x 3m50

Die erste Generation erfolgreicher „Digital Natives“ hatte genug vom kubistischen Wohnen und Arbeiten. Es gab unzählige Entwürfe und Modelle, die eine optimierte Work-Life-Balance baulich und städteplanerisch umsetzbar machen sollten. Der Durchbruch gelang durch eines nach dem „Nold´schen Prinzip“ programmierten Algorithmus, der die Bauwerke wie Termitenbauten aus 3D-Druckern wachsen ließ. Hier kann das Denken quantisch mäandern, während man aus Vertikalbeeten die Zutaten für die flexible Arbeitszeitunterbrechung pflückt. Die perfekte Umgebung für die „Creative Community“ vergegenwärtigter Individuen.

Bethanien-Höfe – billboard in public space, Mariannenplatz, Kunstraum Kreuzberg, Berlin, 2019, 2m x 3m

Leben im historischen Hausbetzerviertel – ein Idyll in der Großstadt. Kitas, Altenbetreuung, gemeinschaftliche Selbstversorgung- alles in nächster Umgebung. Das in die Gliederung des Quartiers sichtbare Nold´sche Prinzip“ ermöglicht die Rückbesinnung auf traditionelle Werte im Zusammenleben, ohne die Erfordernisse der heutigen Zeit auszublenden. Hier helfen sich die Nachbarn gerne mit einer Tasse Stevia oder einer selbstgezogenen Avocado aus…

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