1 Millarde Hektar Wald gegen Klimawandel

Im Februar bloggte ich über die Forschung von Dr. Thomas Crowther, Jean-Francois Bastin und Kolleginnen der ETH Zürich, die ausgerechnet hatten, dass man rund 1,2 Billionen Bäume pflanzen müsste, um Jahrzehnte des CO2-Ausstoßes auszugleichen. Nun haben die Wissenschaftler das Paper dazu veröffentlicht und weitere Details bekanntgegeben.

Die Forscher haben 80.000 Satellitenfotos ausgewertet, stellten die gegenwärtigen Waldbestände fest (in der Karte im Bild rechts blau) und suchten nach Möglichkeiten zur zukünftigen Bepflanzung. Flächen, die durch menschliche Siedlungen oder Ackerbau benutzt wurden, sparten sie dabei aus. Im Ergebnis erhielten sie das Potenzial für 900 Millionen Hektar zusätzlicher Waldfläche (in der Karte gelb bis grün), die unter der gegenwärtigen Klimaentwicklung mit Bäumen bepflanzt werden könnten. Das entspricht ungefähr der Empfehlung der IPCC, die in ihrem Klimabericht vorgeschlagen hatte, 1 Millarde Hektar Wald anzupflanzen, um die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Das meiste Potenzial zur Neubepflanzung bietet Russland, mit Abstand gefolgt von den USA, Kanada, Australien, Brasilien und China und die Forscher merken an, dass Neubepflanzung mit Wäldern mehrere Jahrzehnte benötigt, um ihr vollständiges Potenzial zur CO2-Speicherung zu entfalten.

Die Berechnungen von Crowther und Bastin bilden die Grundlage für zukünftige Studien mit Daten des GEDI-Laserscanners auf der ISS, mit dem die NASA grade im Detail die Wälder der Erde vermisst und genaue Zahlen zu Biodiversity, Lebensräumen, sowie Wasser- und Karbon-Haushalten der Erde erhält, mit denen man Regierungen genauere Vorschläge zur effektiven lokalen Aufforstung unterbreiten kann. Dass die größten Potenziale zur Aufforstung in ökologischen Katastrophengebieten wie Russland, Brasilien oder den USA liegen hilft dabei natürlich nicht und ob man Leute wie Trump, Bolsonaro oder Putin auf absehbare Zeit zu Treehuggern machen kann, möchte ich bezweifeln.

spOnline: Wälder könnten zwei Drittel aller CO2-Emissionen ausgleichen
Tagesspiegel: Wälder als Rettung – „Die wichtigste Waffe gegen die Klimakrise sind Bäume“
Sciencemag: Adding 1 billion hectares of forest could help check global warming
Paper: The global tree restoration potential (SciHub)

The latest report from the United Nations’s Intergovernmental Panel on Climate Change recommended adding 1 billion hectares of forests to help limit global warming to 1.5° C by 2050. Ecologists Jean-Francois Bastin and Tom Crowther of the Swiss Federal Institute of Technology in Zurich and their co-authors wanted to figure out whether today’s Earth could support that many extra trees, and where they might all go.

They analyzed nearly 80,000 satellite photographs for current forest coverage. The team then categorized the planet according to 10 soil and climate characteristics. This identified areas that were more or less suitable for different types of forest. After subtracting existing forests and areas dominated by agriculture or cities, they calculated how much of the planet could sprout trees.

Earth could naturally support 0.9 billion hectares of additional forest—an area the size of the United States—without impinging on existing urban or agricultural lands, the researchers report today in Science. Those added trees could sequester 205 gigatons of carbon in the coming decades, roughly five times the amount emitted globally in 2018.

“This work captures the magnitude of what forests can do for us,” says ecologist Greg Asner of Arizona State University in Tempe, who was not involved in the research. “They need to play a role if humanity is going to achieve our climate mitigation goals.”

Adding forests wouldn’t just sequester carbon. Forests provide a host of added benefits including enhanced biodiversity, improved water quality, and reduced erosion. Estimates of how much forest restoration on this scale would cost vary, but based on prices of about $0.30 a tree, Crowther says it could be roughly $300 billion.

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2 Kommentare zu “1 Millarde Hektar Wald gegen Klimawandel”

  1. Frage: Um wirklich dagegen etwas zu tun, wäre es nicht besser, wenn du einfach ein paar Samen pflanzen würdest, anstatt zu blocggen?

    1. Die Handlungen eines Einzelnen sind zu vernachlässigen bei solchen Zahlen. Für mediale Aufmerksamkeit zu Sorgen (z.B. bloggen, FFF) ist hier politisch und auch pragmatisch sehr viel ‘wirkungsvoller’.

Kommentare sind geschlossen.


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