Apples Fake-Augenkontakt in Facetime

Schönes Beispiel dafür, wie das Digitale einen zusätzlichen Filter zwischen Wahrnehmung und Realität schiebt und welche Fragen das aufwirft: Apple hat eine subtile Korrektur der Augenstellung in seinem Chatprogramm Facetime eingebaut.

Fast Company: Welcome to post-reality: Apple will now fake your eye contact in FaceTime

In its new iOS 13 update to FaceTime, Apple is experimenting with faking eye contact, or our “attention” in the company’s own language, in real time, face-to-face conversations. This feature is not unsettling for where it may go one day; it is unsettling for what it represents right now. Your eyes are just an AI—the part you literally look at when you talk to someone is not actually them anymore.

Bislang war es so: Wer auf den Screen auf den Gesprächspartner schaut, der schaut nicht in die Kamera und damit schauen die Pupillen dem Gesprächspartner in die Augen. Und umgekehrt: Wer in die Kamera schaut, sieht dem Gesprächspartner in die Augen, ohne ihn direkt anzusehen. Nun sieht der Gesprächspartner direkt in meine Augen, wenn ich auf den Screen schaue, die Kamera korrigiert die Augenstellung.

Die Frage ist nun: Ist diese gar nicht mal so minimale Korrektur der Augenstellung mit Computer Vision-Algos tatsächlich eine Illusion oder nicht doch tatsächlich die realere Wiedergabe des Ereignisses? Einerseits wird das Bild manipuliert und die Kamera filmt nicht mehr länger die physische Realität. Andererseits aber wird das Bild durch die Korrektur an die tatsächliche Handlung angepasst: Wer miteinander spricht schaut sich im Normalfall in die Augen, die korrigierte Version ist also „realer“ als vorher, denn sie gibt die soziale Wirklichkeit des Gesprächs realitätstreuer wieder. Ist also Fake-Augenkontakt im Fall digitaler Kommunikation tatsächlich realistischer, selbst wenn dieser der Wirklichkeit entspricht? Was bedeutet das Auseinanderdriften von wahrgenommener sozialer und physischer Wirklichkeit?

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