[Klimalinks 9.7.2019] Klimaflucht aus Honduras; Flash Flood in Washington; Kerosin aus CO2 und Solar-Energie; Solarstrom-Rekord im Juni; Rekord-Temperaturen in Alaska

• Am gleichen Tag, an dem bekannt wird, wie genau die US Geological Survey (sowas wie das Vermessungsamt bei uns, allerdings mit weitergehenden Aufgaben) Einfluss auf die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Studien nimmt, schifft es in Washington Sturzfluten vom Himmel, die auch das Weiße Haus unter Wasser setzen (so ein bisschen jedenfalls). Karma is a bitch, Trump.

• Die Bigotterie (nicht nur) amerikanischer Konservativer in full effect: Von einer sogenannten Migranten-Krise labern und verschweigen, dass sich der Klimawandel aufgrund der Verbrennung von fossilen Brennstoffen seit einiger Zeit bereits zur primären Kraft hinter steigenden Migrationszahlen entwickelt: How Climate Changes Drives Migration To The U.S.:

Dazugehörender Text auf Inside Climate Change: Ravaged by Drought, a Honduran Village Faces a Choice: Pray for Rain or Migrate: „People in El Rosario live on the edge of hunger, not knowing if the next harvest will come. Climate change is a driving force of food insecurity.“

Honduras is one of the poorest countries in the Western Hemisphere — nearly two-thirds of its population lives in poverty. Its cities are ruled by violence, and its countryside, by vendetta. Police forces and government authorities are often corrupted by drug lords and gangs.

It is also among the countries in the world most vulnerable to climate change, because of its “high exposure to climate-related hazards,” says the U.S. Agency for International Development. For a period of 20 years, from 1998 to 2017, it was among the three most weather-battered countries in the world, a distinction largely attributable to Hurricane Mitch, which devastated the country in 1998. The situation is projected to get more dangerous, especially in Western Honduras, which is predicted to become a climate “hotspot,” with greater temperature increases.

Climate change, when layered onto this mix of economic instability, violence and weak governance, can become fuel — a threat multiplier that could aggravate all of Honduras’ vulnerabilities, leaving people little choice but to leave their homes. The World Bank projects that nearly 4 million people from Central America and Mexico could become climate migrants by 2050.

Erstmals hat die Sonne mehr Strom in Deutschland produziert, als Braunkohle, Windenergie oder die Atomkraft. Wie aus den Energie-Charts für den Monat Juni hervorgeht, lieferte die Photovoltaik im Juni 2019 insgesamt 7,17 Milliarden Kilowattstunden (7,17 Terawattstunden, TWh). Damit lag die Verstromung der Sonnenenergie erstmal vor der Braunkohle mit 7,02 TWh, vor der Windkraft mit 6,74 TWh, der Atomkraft (4,59 TWh) und der Erdgas-Verstromung (3,67 TWh). Die Biomasse steuerte 3,62 TWh bei, gefolgt von der Steinkohle (2,58 TWh) und der Wasserkraft (2,07 TWh). Dieser neue Rekord sorgte dafür, dass ein weiterer zu vermelden ist: Im Juni 2019 stammten erstmals mehr als die Hälfte der Stromlieferungen der allgemeinen Versorgung aus Erneuerbaren Energien – knapp 52 Prozent.

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland erfolgt weiterhin sehr schleppend. Angesichts der Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land zum ersten Quartal 2019, die zeigen, dass 90 Prozent weniger Anlagen als in den ersten Quartalen der vergangenen drei Jahre in Betrieb genommen wurden, haben Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion und ihre energiepolitische Sprecherin Julia Verlinden nun einen gemeinsamen Forderungskatalog zur Steigerung des Ausbaus veröffentlicht.

Konsens spaltet beim Klimaschutz: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will Regierung und Opposition in einem “Klimakonsens” vereinen. Derweil spalten konkrete Vorschläge des Umweltministeriums die Regierung selbst.

Klimawandel – Die Älteren sollten ihre Schuld eingestehen: Ob Ablehnung, Fraternisierung oder wohlwollendes Verständnis – es ist stets der Versuch, der Schuldfrage auszuweichen. Dabei tragen die Kinder sie längst auf die Straße, denn es waren die Erwachsenen, die ihre Welt kaputt gemacht haben. Und wer die Zerstörung der Umwelt mit verantwortet, darf sich nicht wundern, wenn das zum Zerwürfnis mit den Nachgeborenen führt.
„Warum hast du nichts getan? Hast du wirklich mitgemacht damals?“ Alte und ewig junge Fragen. Darauf muss es Antworten geben. Wünschenswert wäre eine aufrichtige, eine erwachsene Reaktion. Scham wäre schon einmal ein Anfang, Reue im Grunde das Mindeste – wirklich angemessen wäre ein Schuldeingeständnis.

Abholzung in Brasiliens Regenwäldern nimmt zu: Brasiliens Regenwald verschwindet in rasanter Geschwindigkeit. Laut Greenpeace wurde allein im ersten Halbjahr eine Fläche so groß wie das Saarland vernichtet. Das Handelsabkommen zwischen der EU und Mercosur könnte die Entwicklung noch verschärfen.

As Floods Keep Coming, Cities Pay Residents to Move: Nashville is trying to move […] away from flood-prone areas. The voluntary program uses a combination of federal, state and local funds to offer market value for their homes. If the owners accept the offer, they move out, the city razes the house and prohibits future development.

As the World Heats Up, the Climate for News Is Changing, Too: Matthew C. Nisbet, a communications professor at Northeastern University and the editor of the journal Environmental Communication, has argued for more nuance. “We have good research that in amping up the threat without actually providing people with things they can do, you end up with fatalism, despair, depression, a sense of paralysis, or a sense of dismissiveness and denial,” he said. Related: Sciences, Publics, Politics: The Trouble With Climate Emergency Journalism.

Anchorage heißer als New York – Rekordtemperaturen in Alaska: Seit Beginn der Messungen 1952 haben die Temperaturen in Anchorage, der größten Stadt des US-Bundesstaats Alaska, noch nie die 30-Grad-Marke überschritten. Im Juli liegen die Temperaturen in der Region eigentlich zwischen zehn und 20 Grad – doch am vergangenen Donnerstag, dem symbolträchtigen Unabhängigskeitstag, war das anders. Mit 32,2 Grad wurde am Flughafen von Anchorage der bisherige Rekord von 29,4 Grad aus dem Jahr 1969 gebrochen.

Klimaproteste in der Schweiz – “Machtdemonstration von Finanzen und Wirtschaft”: In der Schweiz blockierten heute Klimaaktivisten Gebäude der Banken Credit Suisse in Zürich und UBS in Basel. Die Blockaden wurden von der Polizei geräumt, laut den Aktivisten gab es fast 100 Festnahmen. […] Der Finanzplatz Schweiz insgesamt verursacht laut dem WWF sogar das 20-Fache der Emissionen der Schweiz als Land.

Australia, in a Victory for Coal, Clears the Way for a Disputed Mine

• Huckleberry Finn does not approve: Swimming Banned at All Mississippi Beaches After Huge Toxic Algae Bloom

Mit der Solaranlage Sun-to-Liquid in Mósteles bei Madrid kann erstmals solares Kerosin, aus Sonnenlicht, Wasser und CO2, produziert werden: Im Vergleich zu fossilem Kraftstoff reduziert Sun-to-Liquid die CO2-Emissionen um mehr als 90 Prozent. Da sich die solare Kraftstoffproduktion am besten für Wüstenstandorte eignet, besteht keine Konkurrenz um landwirtschaftliche Nutzfläche. Den Rohstoff CO2 soll die Anlage langfristig aus der Atmosphäre gewinnen. Die zukünftige globale Kerosinnachfrage kann somit durch regenerative solare Kraftstoffe gedeckt werden, die mit der bestehenden Kraftstoffinfrastruktur kompatibel sind.

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