Science: Trigger-Warnings suck

Eine weitere Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass Trigger-Warnungen nicht nur nicht helfen, sondern sogar Schaden anrichten. Untersuchten vergangene Papers vor allem die Reaktionen nicht-traumatisierter Personen, untersuchte diese Studie hier gezielt die Reaktionen von traumatisierten Personen und kommt zu demselben Ergebnis: Trigger-Warnungen helfen nicht nur nicht, sondern verschlimmern das erlebte Trauma zusätzlich. Meines Erachtens sind Trigger-Warnungen für ihre Signalwirkung an Außenstehende brauchbar (in Therapie-Situationen oder ähnlichem), ansonsten aber wirkungslos bis schädlich in alltäglichen Kommunikationsräumen oder Bildungseinrichtungen. Weg damit.

Slate: The Latest Study on Trigger Warnings Finally Convinced Me They’re Not Worth It
Paper: Helping or Harming? The Effect of Trigger Warnings on Individuals with Trauma Histories

Abstract: Trigger warnings alert trauma survivors about potentially disturbing forthcoming content. However, most empirical studies on trigger warnings indicate that they are either functionally inert or cause small adverse side effects. These evaluations have been limited to either trauma-naïve participants or mixed samples. Accordingly, we tested whether trigger warnings would be psychologically beneficial in the most relevant population: survivors of serious trauma.

Results: We found no evidence that trigger warnings were helpful for trauma survivors, for those who self-reported a PTSD diagnosis, or for those who qualified for probable PTSD, even when survivors’ trauma matched the passages’ content. We found substantial evidence that trigger warnings countertherapeutically reinforce survivors’ view of their trauma as central to their identity. Regarding replication hypotheses, the evidence was either ambiguous or substantially favored the hypothesis that trigger warnings have no effect.

Jetzt Nerdcore unterstützen!

Nerdcore veröffentlicht seit mehr als 12 Jahren Analysen und Dokumentationen zu Memetik, Netz-Soziologie und digitalen Subkulturen, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Unfug. Nerdcore prägte die deutsche Netzkultur maßgeblich, initiierte die erste deutsche Meme, ging Frau Merkel mit Flashmobs auf die Nerven und manche Menschen behaupten, ich würde ab und zu gute Arbeit abliefern.

Die Website ist seit 2017 werbefrei und wird aus Spenden und Abonnements finanziert. Um den Betrieb der Seite und meine Vollzeitstelle zu sichern, könnt ihr gerne ein Abonnement auf Patreon oder Steady abschließen oder mir eine einmalige Spende oder einen Dauerauftrag per Paypal oder auf mein Konto (IBAN DE05100100100921631121) zukommen lassen.

Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs.

Neu auf Nerdcore:

Nerdcore auf Twitter

I’m seeing something that was always hidden. I’m in the middle of a mystery and it’s all secret.

Social Justice Kittens 2020

Experimente in automatisierter Schriftgestaltung

[Klimalinks 12.10.2019] Extra Horny Tarantulas; Shell hat „keine Wahl“ als Öl-Investitionen; Bank of England: Investmentfirmen finanzieren 4° Erderwärmung

Musikvideos_Kim Gordon Konradsen Julien Baker The Drums Slaves Moon Diagrams Pond Fran Strawberry Guy Andre Ethier OVE The Great Beyond Knife Knights Brigitte Bardon’t

2 Kommentare zu “Science: Trigger-Warnings suck”

  1. Die haben den Leuten Textstellen aus Büchern vorgelesen. Echt jetzt? Ein audiovisuelles Medium hätte es ruhig sein können. Trigger sind sehr individuell. Vorgelesener Text.. naja.. nicht mal ne Diskusion über den Inhalt? Nur Vorgelesenes.

    Und sowas kommt aus Havard.

  2. Trigger Warnings helfen Leuten mit Trauma Erfahrung, den Inhalt zu vermeiden. Wenn sich die Leute dann trotzdem mit dem Inhalt auseinander setzen… Tjoah. Da würde ich auch nicht viel Wirkung erwarten.

    Der Slate Artikel ist meiner Meinung nach an vielen Stellen ziemlich patronizing. “Hey wenn du ne Trigger Warning brauchst, haste mal drüber nachgedacht ärztliche Hilfe zu suchen?” Ist ne ziemlich zynische Attitüde, einmal weil diese Personen sicher entweder schon in Behandlung sind oder durch das allgemeine Kacksystem keinen Therapie Platz bekommen oder sich leisten können.

Kommentare sind geschlossen.

Jetzt Nerdcore unterstützen!


Patreon
Steady
Paypal
IBAN DE05100100100921631121

Dankeschön!


NC-Shirts

Kontakt

Newsletter

Bücherstapel
Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet (Francis Fukuyama)

New York 2140 (Kim Stanley Robinson)

Das kulturelle Gedächtnis: Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen (Jan Assmann)

Beschleunigung und Entfremdung: Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit (Hartmut Rosa)

Die siebte Sprachfunktion (Laurent Binet)