[Klimalinks 27.7.2019] Klima-Proteste auf der IAA 2019; Moody übernimmt Analyst von Klimadaten; 2019 auf dem Weg zum zweit/drittwärmsten Jahr

• Für die Wirtschaftsexperten in der CDU, hier nochmal deutlich: „Die zweitgrößte Ratingagentur der Welt übernimmt einen führenden Datenanbieter zur Bewertung von Klimarisiken.“ Die Finanzwirtschaft weiß, wo die Kosten der Zukunft entstehen und handeln entsprechend, während die Politik vor allem zuschaut, sich am Kopf kratzt und „CO2-Steuer aber nicht zu krass“ stammelt.

Die Übernahme gilt als wichtiges Zeichen, dass der Klimawandel und seine Folgen auch für Wirtschaft und Finanzsektor zu einem Faktor werden, an dem niemand mehr vorbeikommt. Kurz zuvor hatte Moody’s bereits einen Datenanbieter für Umweltrisiken übernommen.

Kreditanalysten bei Moody’s sollen Klimarisiken künftig stärker berücksichtigen. Moody’s wolle “globale Standards zur Bewertung von Risikofaktoren in Bezug auf Umwelt und Klima” entwickeln, teilte die Ratingagentur mit.

• Klima-Demonstration vom 13.-15.9. auf der IAA in Frankfurt: „Sand im Getriebe – Wir [blockieren] am 15. September in einer offenen Aktion zivilen Ungehorsams die IAA. Öffentlicher Raum – den Autos sich genommen haben und die Politik für sie verteidigt – wir erobern ihn zurück: Sand ins Getriebe der Autolobby – Autoprofite stoppen, Klima schützen, IAA blockieren!“ Sehr gut, ich wünsche gutes Gelingen!

• Proteste gegen die Autoindustrie und eine Blockade der IAA ist überfällig, und zwar deshalb: Verbrauch von Neuwagen steigt – Trend zu SUVs und Benzinern ursächlich: „Die Deutschen kaufen immer durstigere Autos. Im vergangenen Jahr sind erneut weniger Pkw in den besten Effizienzklassen zugelassen worden als im Vorjahr, wie aus dem Bericht der Deutschen Energie-Agentur Dena hervorgeht. Grund dürfte neben dem ungebrochenen Trend zum SUV auch der nachlassende Diesel-Anteil sein.“

• Sehr gut: Grüne wollen sämtliche Subventionen im Luftverkehr streichen: Bahn vor Flieger: In der Debatte über einen Schwenk in der Verkehrspolitik fordern die Grünen die Abschaffung aller Subventionen im Luftverkehr. Das gesparte Geld soll die Bahn attraktiver machen.

• Ofcourse 2019 set to be second or third warmest year

Über 40 Grad bald jedes Jahr?: Rekordtemperaturen und Hitzewellen wie derzeit sind im nächsten Jahrzehnt fast jeden Sommer zu erwarten. Das zeigen neue Klimamodelle, die am Karlsruher Institut für Technologie entwickelt wurden.

“Hitzetage nehmen massiv zu”: Erstmals wurde in Deutschland die Temperatur-Marke von 42 Grad geknackt. Bis weitere Rekorde folgen, ist es nur eine Frage der Zeit, sagt der Kieler Klimaforscher Mojib Latif im Klimareporter°-Interview.

• Die Entwicklungsbank der EU (EIB) will keine Kredite mehr an Unternehmen und Projekte vergeben, die auf fossile Brennstoffe angewiesen sind und wollen das bereits bis 2020 umsetzen. Die Mittel der EIB sollen in Projekte fließen, die Staaten dabei helfen, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Guardian: EIB plans to cut all funding for fossil fuel projects by 2020.

The EU’s lending arm has drafted plans, seen by the Guardian, which propose cutting support for energy infrastructure projects which rely on oil, gas or coal by barring companies from applying for loans beyond the end of 2020.

The EIB said its focus on long-term investments means that it must align with the Paris Agreement which aims to cap global heating at 1.5C above 1990 levels by cutting greenhouse gas emissions. “This transition will be profound. Solidarity is required to ensure that potentially vulnerable groups or regions are supported,” the EIB report said.

The lender said it will set up an energy transitions fund to support projects which help EU member states to transition to a cleaner economy. In the past the EIB has funded fossil fuel projects including the Trans Adriatic gas pipeline and oil storage facilities in Cyprus.

Tagelang mehr als 40 Grad: “Für mich als Meteorologen beängstigend”:

Das Überschreiten der 40-Grad-Marke war in Deutschland bisher eine Seltenheit. Vor 2019 geschah das laut dem Deutschen Wetterdienst überhaupt erst zehn Mal, seitdem systematisch Temperaturen erfasst werden. Am Donnerstag aber haben die Meteorologen diesen Wert gleich an mehr als 20 Stationen registriert.

“Wir hatten an einem Tag das, was in Deutschland in 130 Jahren nicht passiert ist”, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). “Das ist so eindeutig, dass es für mich als Meteorologen schon beängstigend ist.” Hinzu kommt: Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen war es in Deutschland wohl noch nie so lange so heiß.

An drei Tagen hintereinander wurden laut DWD nach vorläufigen Ergebnissen mindestens 40 Grad gemessen.

Nordic countries sizzle as European heatwave moves north: Nordic countries are experiencing searing temperatures as Europe’s record-breaking heatwave moves north, with Norway on Saturday equalling its 1970 record, and many areas recording “tropical nights”.

• Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina forderte vor ein paar Tagen klimapolitische Maßnahmen der Bundesregierung, hier ein Interview im Spektrum der Wissenschaft mit einer der Autorinnen: »Wir können uns keine Verzögerung mehr leisten«.

• Gutes Interview mit Postwachstums-Ökonom Niko Paech zu Klimaschutz: „Wir brauchen einen Aufstand der Handelnden“:
Eine wirksame CO2-Steuer müsste nach Ansicht des Umweltökonomen Niko Paech den Menschen Urlaubsflüge, Fleischkonsum, Autofahren und übermäßigen Konsum madig machen. Dafür gebe es keine Mehrheit, sagte er im Dlf. Die Befürworter könnten aber einfach damit anfangen, Handlungsmuster zu verändern.

• The so-called „US-Border Crisis“ is actually a homemade climate crisis: ‘People are dying’: how the climate crisis has sparked an exodus to the US: “Normal, predictable weather years are getting rarer,” added Castellanos. On the ground, the impact has been devastating. In 2018, drought-related crop failures directly affected one in 10 Guatemalans, and caused extreme food shortages for almost 840,000 people, according to the UN’s Food and Agriculture Organization (FAO).
As a result, entire families have been migrating in record numbers: since October 2018, more than 167,000 Guatemalans travelling in family groups have been apprehended at the US border, compared with 23,000 in 2016.

Britische Justiz will alle Verhafteten anklagen – Prozesswelle gegen Extinction Rebellion: Die Justiz in Großbritannien will alle Verhafteten der Umweltbewegung “Extinction Rebellion” vor Gericht bringen. Angesichts der mittlerweile mehr als 1.400 Verhaftungen kommt eine Prozesslawine auf die Gerichte des Landes zu.

• Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine Studie über die Wirtschaftlichkeit von Atomkraftwerken veröffentlicht und kommt zu einem vernichtenden Urteil: The report […] reviewed the development of 674 nuclear power plants built since 1951, finding that none of the plants was built using ‘private capital under competitive conditions’.

“The results showed that in all cases, an investment would generate significant financial losses. The (weighted) average net present value was around minus 4.8 billion euros,” the study says.

“Even in the best case, the net present value was approximately minus 1.5 billion euros. The authors included conservative assumptions with high electricity prices, low capital costs, and specific investment. Considering all assumptions regarding the uncertain parameters, nuclear energy is never profitable.”

Most YouTube climate change videos ‘oppose the consensus view’: Allgaier found that the message of 120 of the top 200 search results went against this view. To avoid personalised results, Allgaier used the anonymisation tool Tor, which hides a computer’s IP address and means YouTube treats each search as coming from a different user.
The results for the search terms climate, climate change, climate science and global warming mostly reflected the scientific consensus view. Allgaier said this was because many contained excerpts from TV news programmes or documentaries.

Schulstreiks: Aktionen in 101 Ländern: Die Schüleraktionen für schnellen Klimaschutz gehen weiter. Am gestrigen Freitag wurde wieder in in 101 Ländern in über 800 Städten demonstriert und zum Teil auch gestreikt, wo es noch keine Ferien gibt. 102 Städte waren allein in den USA beteiligt, 26 in Mexiko, 12 in der Türkei, vier in Nigeria, je 62 in Indien und Italien sowie 43 in Deutschland.

Konzepte für Anpassung an den Klimawandel fehlen: “In vielen Städten sieht es schlecht aus”: Will man eine gesunde Stadt, die auch bei steigender Wärme lebenswert bleibt – oder eine Stadt, die wächst? Bis jetzt ist es so, dass die Großstädte auf Wachstum setzen. Klimaanpassung wird gewissermaßen als Luxus betrachtet, den man sich angesichts des Mangels an Wohnraum nicht leisten will. In der Folge sieht es in allen größeren Städten in Bezug auf ihre Klimawandeltauglichkeit relativ schlecht aus.

As Earth’s high north blazes with intense wildfires, Europe’s heat is about to invade the Arctic

Counting down to 2020, Singapore’s Ocean Tankers tests IMO-compliant fuel

Under Brazil’s Far Right Leader, Amazon Protections Slashed and Forests Fall

Heatwave: The human body is already close to thermal limits elsewhere:

When the air temperature exceeds 35°C, the body relies on the evaporation of water—mainly through sweating—to keep core temperature at a safe level. This system works until the “wetbulb” temperature reaches 35°C. The wetbulb temperature includes the cooling effect of water evaporating from the thermometer, and so is normally much lower than the normal (“drybulb”) temperature reported in weather forecasts.

Once this wetbulb temperature threshold is crossed, the air is so full of water vapour that sweat no longer evaporates. Without the means to dissipate heat, our core temperature rises, irrespective of how much water we drink, how much shade we seek, or how much rest we take. Without respite, death follows—soonest for the very young, elderly or those with pre-existing medical conditions.

Wetbulb temperatures of 35°C have not yet been widely reported, but there is some evidence that they are starting to occur in Southwest Asia. Climate change then offers the prospect that some of the most densely populated regions on Earth could pass this threshold by the end of the century, with the Persian Gulf, South Asia, and most recently the North China Plain on the front line. These regions are, together, home to billions of people.

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