Wortwelten der Wahlprogramme in Sachsen und Brandenburg 2019

7. August 2019 12:54 | #Politik #Sprache #Wahlen

Interessante Analyse der Sprache in den Wahlprogrammen 2019 der Parteien in Sachsen und Brandenburg von Peer Trilcke an der Uni Potsdam. Interessant zum Beispiel die häufigsten Adjektive der Parteien: Alle Parteien benutzen vor allem das Adjektiv „gut“ und auf dem zweiten Platz folgt für fast alle Parteien das Wort „neu“ – außer für die Linke („öffentlich“) und die AFD („finanziell“).

Besonders interessant finde ich auch die charakteristischen und uncharakteristische Worte, die von Parteien im Vergleich zu den anderen Parteien in den Wahlprogrammen über- bzw. unterrepräsentiert sind. So erwähnt die CDU auffällig wenig den „Euro“, die AFD vergisst die „Schule“, die Grünen das „Land“, die Linke die „Bürger(in)“ und die SPD und die FDP brauchen anscheinend keine „Prozent“(e).

Sehr aussagekräftig natürlich die jeweils charakteristischen Adjektive und Substantive der Parteien. Im Vergleich zu anderen Parteien benutzt die rechtsnationale AFD das Adjektiv „deutsch“ sehr häufig, die Grünen vor allem „ökologisch“, die FDP „privat“ und die Linke „sozial“. Die charakteristischen Top-Adjektive der Volksparteien schließlich sind ein wenig nicht-intuitiv, so benutzt die SPD vor allem das Adjektiv „erfolgreich“ und die CDU – man glaubt es kaum – „digital“. Mir scheint, als läge dem eine linguistische Überkompensation von Kompetenzmangel zugrunde.

Die charakteristischen Substantive vermitteln ebenfalls ein sehr stichhaltiges Bild der Parteien. Die SPD spricht von „Zuhause“ und „Land“, die CDU vom „Katastrophenschutz“ und „Heimat“, Die Linke redet vor allem über die „Senior(in)“ und die „Struktur“, die FDP erwähnt vor allem die „Hebamme“ und die „Anlage“. Die AFD schließlich lallt von „Altparteien“ und „Wahnsinn“. Wie überaus passend.

Die verschiedenen linguistischen Analysen der Wahlprogramme in Brandenburg mit Downloads als PDF und PNG findet man auf der Website der Uni Potsdam, eine Visualisierung der Daten für die Wahlprogramme in Sachsen findet man auf Twitter von @fussballinguist.

Nerdcore veröffentlicht seit mehr als 12 Jahren Analysen und Dokumentationen zu Memetik, Netz-Soziologie und digitalen Subkulturen, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Unfug. Nerdcore prägte die deutsche Netzkultur maßgeblich, initiierte die erste deutsche Meme, ging Frau Merkel mit Flashmobs auf die Nerven und manche Menschen behaupten, ich würde ab und zu gute Arbeit abliefern.

Die Website ist seit 2017 werbefrei und wird aus Spenden und Abonnements finanziert. Um den Betrieb der Seite und meine Vollzeitstelle zu sichern, könnt ihr gerne ein Abonnement auf Patreon oder Steady abschließen oder mir eine einmalige Spende oder einen Dauerauftrag per Paypal oder auf mein Konto (IBAN DE05100100100921631121) zukommen lassen.

Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs.

Neu auf Nerdcore:

Nerdcore auf Twitter

Jetzt Nerdcore unterstützen!

Editierfähige Muster

Lovers in China with digital Protest-Screen

Erster Teaser zum Breaking Bad-Film El Camino

NASA untersucht den ersten Kriminalfall im Weltraum

1 Kommentare zu “Wortwelten der Wahlprogramme in Sachsen und Brandenburg 2019”

  1. Universitär geadeltes Kaffeesatzlesen. Noch unsubstatieller und oberflächlicher wäre noch gewesen, die Mengen der jeweils verwendeten Buchstaben mit einander zu vergleichen.

Kommentare sind geschlossen.


NC-Shirts

Jetzt Nerdcore unterstützen!


Patreon
Steady
Paypal
Donorbox
IBAN DE05100100100921631121

Dankeschön!

Kontakt

Newsletter

Bücherstapel
Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet (Francis Fukuyama)

New York 2140 (Kim Stanley Robinson)

Das kulturelle Gedächtnis: Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen (Jan Assmann)

Beschleunigung und Entfremdung: Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit (Hartmut Rosa)

Die siebte Sprachfunktion (Laurent Binet)