Über brennende Regenwälder, grünen Kapitalismus und Karbon-Bilanzen

30. August 2019 15:21 | #Kapitalismus #Klimawandel #Wirtschaft

Die Regenwälder in Brasilien brennen, da es für die Bauern dort wirtschaftlicher ist, Grasland für FastFood-Kühe zu erzeugen, statt den Wald stehenzulassen. Eine Lösung dafür wären internationale Transferleistungen, eine Art internationaler Klima-Wohlfahrtsstaat für Entwicklungsländer, um die (auf fossilen Brennstoffen basierte) Industrialisierung zu „überspringen“. Oder sie entwickeln sich eben durch Industrialisierung, auf Kosten des Klimas.

Es gibt eine dritte Option neben Klima-Transferleistungen und klassischer Industrialisierung: Die monetäre Bewertung der Dekarbonisierungsleistungen von nationalen Wirtschaftssystemen und neue Formen von energiebasierten Ökonomien, die Länder bereichern könnten, die wir heute als Entwicklungsländer ansehen. Brasilien könnte so die Dekarbonisierungsleistung des Regenwalds als Transaktion ins Sozialprodukt einrechnen und in Zentralafrika könnte, Entwicklung von leistungsfähigen, transportablen Energiespeichern vorausgesetzt, eine neue Solarwirtschaft entstehen. Das würde freilich eine Transformation der monetären Bewertung im kapitalistischen System selbst voraussetzen.

Möglicherweise ist dies ein Prozess, der nach der Akkumulation und dem Anstieg der Kosten einsetzt, die direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, so dass repräsentative Sozialprodukte durch monetär bewertete Karbon-Bilanzen entstehen. Der Emissionshandel ist bereits ein erster Schritt in diese Richtung, indem er Emissionen monetär bewertet. An dieser Stelle müsste ein grüner Kapitalismus durch eine Einkalkulation der Treibhausgas-Footprints in Transaktionen sehr viel radikaler gedacht werden.

Washington Post: The burning Amazon shows exactly what’s wrong with the developed world’s approach to climate change

But the rainforest is something else, too: It represents massive amounts of land that many Brazilians see as their ticket out of poverty. That’s why the forests are burning at such high rates; Brazilians are burning trees to clear land for farming and resource exploitation. For these people, if the rainforest gets smaller, their chance at a more comfortable life gets larger.

We find this dilemma across the globe. Developed countries cut down their forests and exploited their resources long ago. That fortunate billion or so, mostly white, people live comfortable lives. The rest of the planet’s 7 billion people want to live like them — and that means doing what they did to get rich.

The vast majority of greenhouse gas emissions today come from undeveloped countries trying to catch up. China alone emits more greenhouse gasses in one year than the United States and Europe combined. Add in India and the rest of the world’s poor, and the pattern becomes clear. As they get richer, the climate gets poorer.

A serious climate change policy would address this head-on. Undeveloped countries won’t willingly forgo their chance to end the misery of poverty. They will either earn their way out through industrialization and trade, or they will go on climate welfare, living off huge and growing transfer payments from the rich world.

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1 Kommentare zu “Über brennende Regenwälder, grünen Kapitalismus und Karbon-Bilanzen”

  1. Die Brasilianer müssen ja wirklich viel Fastfood fressen wenn sie wegen den Kuhweiden den Dschungel niederbrennen…
    Oder hängt das ganze mit dem Export von Soja nach China zusammen ?
    https://oec.world/de/profile/country/bra/

    Die Idee das die entwickelten Staaten Geld an die Brasilianische Regierung zahlen damit diese (natürlich nach Abzug der Kosten für die Verwaltung)dann dafür den Regenwald schützt indem sie das Geld als Wohlfahrt an die Bevölkerung verteilt ist auch nicht schlecht.
    Was könnte schon schief gehen ? Andere Länder machen das ja schon seit Jahren so, z.B. Nigeria & Venezuela mit den Gewinnen aus dem Export von Rohöl.

    Und was soll das mit dem Gerede von einem “grünen Kapitalismus ?” Was bitte soll das bringen wenn man die drohende Klimakatastrophe dazu nutzen will den Kapitalismus abzuschaffen um ihn durch einen demokratischen Sozialismus zu ersetzen ?
    Die Überlegenheit des Sozialismus und sein zwangsläufiger Sieg im Ablauf der Geschichte wurde bereits wissenschaftlich erwiesen. Jeder Traum vom “grünen Kapitalismus” ist nicht hilfreich auf diesem Weg.

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