Empathie steigert Polarisation

Forscher haben in einer neuen Studie die Rolle von Empathie in der Polarisation der politischen Diskurse untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass Empathie Feindseeligkeit nicht nur nicht reduziert, sondern erhöht. Und Versuchspersonen mit höheren Empathie-Leveln neigten gleichzeitig zu mehr Schadenfreude. Wired bezeichnet die Studie als „urgently important“, da Empathie in der Öffentlichkeit nach wie vor als Eigenschaft angesehen wird, die Polarisation und Konflikt verringern kann, dabei erreicht sie genau das Gegenteil: Empathische Menschen sind vor allem gegenüber Freunden mitfühlend, für den Gegner verursacht Empathie vor allem Schadenfreude und im schlimmsten Fall gesteigerte Konfliktbereitschaft.

Wired: Empathy Is Tearing Us Apart
Paper: How Empathic Concern Fuels Political Polarization

The study had two parts. In the first part, Americans who scored high on an empathy scale showed higher levels of “affective polarization”—defined as the difference between the favorability rating they gave their political party and the rating they gave the opposing party. In the second part, undergraduates were shown a news story about a controversial speaker from the opposing party visiting a college campus. Students who had scored higher on the empathy scale were more likely to applaud efforts to deny the speaker a platform.

It gets worse. These high-empathy students were also more likely to be amused by reports that students protesting the speech had injured a bystander sympathetic to the speaker. That’s right: According to this study, people prone to empathy are prone to schadenfreude.

Empathie korreliert mit hohen Werten des „Kuschelhormons“ Oxytocin, das vor allem den sozialen Zusammenhalt innerhalb von Gruppen erhöht, gleichzeitig aber Ausgrenzung für Nicht-Gruppenmitglieder steigert. Hohe Oxytocin-Werte sind zum Beispiel bei Nationalisten anzutreffen und korrelieren mit Ethnozentrismus.

Die Wirkung von Social Media auf Oxytocin-Level und damit auch Empathie sind bislang (noch) nicht gut untersucht, ein erstes Experiment hatte allerdings Steigerungsraten bis 150% gemessen. Mich würden an dieser Stelle vor allem die Dynamiken zwischen Online Disinhibition Effect und der Hormon-Ausschüttung interessieren.

Der ODE beschreibt den Effekt, den die Anonymität und die Abwesenheit des Kommunikationspartners in den sozialen Medien auf unser eigenes Verhalten hat. Es ist sehr gut möglich, dass dieser Anonymitäts-Effekt durch die Dynamiken in der Online-Kommunikation zwischen guten, persönlich bekannten, engen Freunden und fremden, unbekannten Menschen auf Social Media die „Kuschelei“ mit der In-Group notwendiger macht, da wir dort praktisch ständig von Fremden umgeben sind. Sollte der ODE nun den Hormonhaushalt verändern und die Oxytocin-Level in gesellschaftlicher Breite anheben, dürfte genau hier die Ursache für die hohe Konfliktbereitschaft in den sozialen Medien liegen.

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