[Klimalinks 29.11.2019] Weltweiter Klimastreik mit Protesten in der Arktis; schmelzender Eisblock als Platzhalter für Boris Johnson; Massive Attack über den Klima-Impact der Musik-Industrie

Liveblog des Tagesspiegels von den Klimaprotesten in Berlin heute: Aktivisten springen in Berlin in die Spree. Heute finden wieder weltweit Proteste gegen die Untätigkeit der Politik angesichts einer drohenden Klima-Katastrophe statt. Alleine in Berlin sind zehntausende Leute auf der Straße und am Brandenburger Tor, Demos gibt es in praktisch allen größeren Städten weltweit. Schön.

• spOnline: “Polarstern”-Forscher gehen für Klimaschutz aufs Eis: Hunderte Protestaktionen für den Klimaschutz sind weltweit an diesem Freitag angekündigt. Auch deutsche Wissenschaftler demonstrieren mit – in der Arktis und in der Antarktis.

Guter Kommentar auf Übermedien über den Umgang von Journalisten mit unwissenschaftlichen Aussagen von Politikern und fachfremden Wichtigtuern, die alleine deshalb scheinbaren Nachrichtenwert erhalten, weil sie eben von Politikern oder Wichtigtuern geäußert werden: „Am 29. November gehen wieder ‘Fridays for Future’ auf die Straßen. Die Medien werden sich wieder mit Berichten über diese junge Protestbewegung aus dem Nichts überschlagen. Dabei stünde uns Journalisten ein bisschen professionelle Demut bei diesem Thema ganz gut. Denn anstatt zwischen seriöser Forschung und abseitigen Einzelmeinungen zu unterscheiden, verlieren sich die Berichte immer noch oft im Einerseits-Andererseits.“

• Davon abgesehen zeigt eine Studie, dass Kategorien wie Skeptiker nichts über die Bereitschaft zu Änderungen des eigenen Lebensstils aussagen. Das Paper versucht insgesamt zu ermitteln, welches Kommunikationsverhalten optimalen Klimaschutz in der Bevölkerung aktiviert: Understanding (and Reducing) Inaction on Climate Change.

Die Studie erteilt zum Beispiel der verbreiteten Haltung eine Absage, negative und apokalyptische Botschaften würden zur Paralyse führen. Das Gegenteil ist der Fall: Negative Botschaften, die gleichzeitig Lösungansätze transportieren, führen zu einem Gefühl von persönlicher, individueller Effizienz („Wir sind zwar am Arsch, aber noch geht was.“) Diese Studie bestätigt also Greta Thunbergs Kommunikationsansatz („I want you to be afraid“, „You have to keep Fossil Fuels in the ground“).

Die Studie schlägt zur Verringerung von „Climate Inaction“ drei Strategien vor:
1. Negatives Framing bei gleichzeitigen Lösungsvorschlägen (s.o.)
2. In-Group-Messenger, die schlechte Nachrichten für die eigene politische Peergroup „übersetzen“. Konservative ignorieren ökologische Botschaften so lange sie von links kommen, hören aber sehr wahrscheinlich auf die eigenen Leute, die ihnen die Kosten vorrechnen. Auch deshalb verlinke ich hier vorwiegend Meldungen auf dem Finanz-Sektor.
3. Klimaschutz normaliseren und die neuen Normen entsprechend kommunizieren, also einen neuen Standard etablieren (Car-Sharing zum Normalfall im Bekanntenkreis machen etwa, im Büro für die Nutzung von ÖPNV werben und so weiter).

• Boris Johnson hatte als einziger Parteivorsitzender keine Lust auf eine Klimawandel von Channel 4, weshalb die Redaktion der Sendung seinen Platz kurzerhand mit einem schmelzenden Eisblock besetzten. Jetzt ist die konservative Partei tatsächlich angepisst, weil Journalisten einen bissigen symbolischen Kommentar auf die Arbeitsverweigerung ihres Vorsitzenden abgaben. Konservatismus in a nutshell.

Globale Studie: Klimawandel bedroht seltene Pflanzen: „Die gute Nachricht: Auf der Erde gibt es viel mehr Pflanzen als vermutet, so Forscher in einer neuen Studie. Die schlechte Nachricht: Klimawandel, Landwirtschaft und Städtebau könnten viele von ihnen verschwinden lassen.“

Australien steht das Schlimmste noch bevor: „Die Brandsaison auf dem fünften Kontinent begann dieses Jahr ungewohnt früh und heftig. Dabei steht die wirklich kritische Jahreszeit noch bevor.“

• Massive Attack im Guardian über ihren Carbon-Footprint und ihre Teilnahme an einer Studie über den Impact der Musikindustrie: We’ve toured the world for years. To help save the planet we’ll have to change: „As a band that has toured globally for several years, we’ve had cause to reflect on this. Concerns over our own carbon impact and those of our wider industry aren’t new to us, but the urgency is. Last year, the UN Intergovernmental Panel on Climate Change called for “rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society” and said carbon emissions were harmful, regardless of the fun had in their generation. In other words, what goes on tour doesn’t stay on tour.“

Vor COP25 und Globalem Klimastreik: Umweltverbände fordern mutiges Handeln statt mutloses Vertagen – mit Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident DNR; Jörg-Andreas Krüger, Präsident NABU; Michael Schäfer, Leiter Klima WWF; Verena Graichen, Stellv. Bundesvorsitzende BUND; Martin Kaiser, Geschäftsführer Greenpeace

Is Net Zero Emissions an Impossible Goal? What it would take to suck more carbon dioxide out of the air than we put in:

Totaling up some of the options I’ve listed, we could draw down 1 billion tonnes of carbon dioxide by planting trees, 1.5 billion by better forest management, 3 billion by better agricultural practices, and up to 5.2 billion by biofuels with carbon capture. This adds up to over 10 billion tonnes per year. It’s not nearly enough to cancel the 37 billion tonnes we’re dumping into the air each year now. But combined with strenuous efforts to cut emissions, we might squeak by, and keep global warming below 2 degrees Celsius.

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