Konservative Menschen haben eine ausgeprägtere Negativity Bias

3. Dezember 2019 14:43 | #Journalismus #Media #Psychologie #synch

Neue Studie zur bekannten Negativity Bias, laut der wir vor allem schlechten Nachrichten grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Diese Negativity Bias ist universell und wird auf der ganzen Welt beobachtet und diese Negativitäts-Verzerrung reicht sogar so weit, dass positiv besetzte Worte inhaltlich weniger Information transportieren, als negativ besetzte Begriffe und unsere Verzweiflung wird besondern spürbar in der Tatsache, dass wir zwar mehr positive Happy-Begriffe benutzen, negative Begriffe aber weitaus vielfältiger sind.

Der Grund dafür liegt in der Evolution des Menschen. Wenn wir als Affen eine Schlange im Gras sehen, davonrennen und andere warnen, überleben wir. Selbst wenn es keine Schlange war, sondern ein rumliegender Apfel. Würden wir als Affen nun eher Schlangen im Gras mit herumliegenden Äpfeln verwechseln, wären wir längst ausgestorben. Deshalb ist es für Affen gesünder, eine Menge Begriffe für die Bedrohungen durch Schlangen im Gras zu finden (und zwar auch „Nicht-Schlangen“), als für herumliegende Äpfel. Deshalb selektiert die Evolution richtige wie auch falsche Wahrnehmungen von Gefahren, denn das Gegenteil führt zum Tod der Spezies. Und deshalb gibt es vielfältigere Begriffe für Negativität als Happy-Love-Pink-Sweetie-Rainbowbubbles, die mehr Information transportiert.

Und nun hat man diese Negativitäts-Verzerrung der Realität für die Selektion von Nachrichten untersucht mit dem Ergebnis, dass vor allem konservative Männer ihre Aufmerksamkeit auf schlechte Nachrichten lenken. Darüber hinaus korrelieren vor allem das mit Konservatismus assoziierte psychologische Merkmal der Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit) mit „Negativity Bias In News Selection“, während gleichzeitig progressiv assoziierte Merkmale wie Offenheit mit weniger Negativitäts-Verzerrung korrelieren.

Auf der eher progressiven Seite korreliert die Negativitäts-Verzerrung mit politischem Interesse. Aktivisten haben also eine höhere Negativity Bias als weniger politisch interessierte Menschen. Ich interpretiere diesen Teil der Studie so, dass die Eigenschaft der Offenheit bei progressiven, politisch interessierten Menschen diverse „Sorgen um den Zustand der Welt“ auslöst und damit die Negativitäts-Verzerrung erhöht.

Spannende Studie, grade für Medienmacher und Journalisten: Individual-level differences in negativity biases in news selection.

Women show significantly lower levels of NBNS than men, and both political interest and con- servative political ideology are associated with higher NBNS. There also is a significant interaction between political interest and left-right ideology. Fig. 2 illustrates this interaction (i.e., the estimated impact of ideology on NBNS conditional on low versus high political interest). Amongst those who identify as being at the far right of the ideological spectrum, political interest makes little difference – NBNS is relatively high in general. Moving to the left of the ideological scale suggests a difference, however. Those who are more liberal-leaning with high political interest do not decrease in NBNS at the same rate as those with low political interest. Put differently, amongst those on the left of the ideological scale, political interest increases negativity bias in news selection and amongst those on the right, NBNS is comparatively high regardless of interest. This is line with work suggesting a connection between right-wing ideology and other negativity biases (e.g., Hibbing et al., 2014). […]

There is reason to expect that individual-level variation in negativity biases has an important and durable impact on individuals’ news media use, as well as on a range of economic and political attitudes. This paper has taken a first step toward measuring a negativity bias in news selection. We find that while on balance there is a bias towards negativity, there are individual-level differences. These differences appear to be partly pre-dispositional; that is, they appear to be durable, demonstrated both by correlations with demographic, partisan and personality measures, and by within-respondent correlations across time. We also find that these individual-level differences are correlated with a variety of economic and political attitudes.

We take these results as evidence of the potential importance of negativity biases in news selection (NBNS) in understanding attitudes about governments, the economy, and other politically and economic- ally-relevant attitudes. We also suspect that NBNS moderates the impact of news content – those who are high in NBNS may select into a rather different information stream than those who are low in NBNS, which could subsequently shape their political perspectives.

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