[Klimalinks 10.12.2019] Bereits jetzt erreichen wir regelmäßig 1,5°C Erderwärmung; Florida säuft noch schneller ab als gedacht; Australien brennt noch krasser als angenommen

😎 Die globale Durchschnittstemperatur war vorgestern circa 1°C wärmer als im Schnitt der Jahre 1981-2010 und dieser Zeitraum war bereits rund 0,7°C wärmer, als im vorindustriellen Zeitalter. Es ist nicht das erste mal, dass globale Durchschnittstemperaturen die 1,5°C-Erwärmung erreichen. Das heisst, wir durchbrechen die vom Pariser Abkommen für 2100 eigentlich „gedeckelte“ Erderwärmung bereits heute und zwar regelmäßig.

❄️ Sehr lustig auf so ‘ne gruselige Art: Eins der dümmeren Argumente von oft rechten Klima-„Skeptikern“ ist die angebliche Panik um das Ozon-Loch, das sich natürlich nur deshalb schließt, weil man in einem internationalen Abkommen das Verbot von FCKW beschloss. Und nun stellt sich raus: Das Abkommen zum Verbot der Chlorkohlenwasserstoffe hat die Erderwärmung um rund ein halbes Grad verringert. Wenn wir also das Abkommen von Montreal nicht beschlossen hätten, läge die Erderwärmung bereits heute bei 2°C und das Pariser Abkommen wäre bereits heute hinfällig. Bis Mitte des Jahrhunderts soll alleine das damalige Verbot von FCKW die Erderwärmung um rund 1°C abmildern.

👎 Neuer Bericht des Climate Action Trackers über die Anstrengungen der Regierungen und die Kompatibilität der lokalen Gesetzgebung mit dem Pariser Abkommen. Nur zwei Staaten sind kompatibel mit einer Erderwärmung von 1,5°C (Marokko und Gambia), sechs weitere sind kompatibel mit einer Temperatursteigerung von 2°C (Indien, Kenia, Bhutan, Äthiopien, Costa Rica und die Philippinen). ALLE anderen haben unzureichende Gesetzgebungen und unzureichende Pläne für ihre Energieversorgung. Deutschlands Klimapaket ist trotz aller Debatten und Proteste „hoch unzureichend“ und nicht kompatibel mit den Klimazielen des Abkommens. Hier der Bericht als PDF, spOnline.

👍 Aber auch: „Mehr als die Hälfte der 57 größten CO2-Emittenten unter den Ländern der Erde verzeichnen, über mehrere Jahre betrachtet, sinkende Emissionstrends. Der globale Kohleverbrauch geht deutlich zurück und der weltweite Boom bei den erneuerbaren Energien ist ungebrochen. Das zeigt der neue Klimaschutz-Index, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am heutigen Dienstag auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt hat.“

🦌 Tauwetter in nordischen Polarregionen bedroht die Futterbestände der Rentiere, zunehmender Regen gefriert auf den verschneiten Böden und die Tiere können ihre Nahrung nicht mehr erreichen.

🐬 Wärmere Meere verlieren immer mehr Sauerstoff mit dramatischen Folgen für Artenvielfalt, vor allem für die Bestände von Haien, Thun- und Schwertfischen.

🔥 „Schöne“ Bilder aus Sydney, das durch die Buschfeuer in Australien im Rauch versinkt.

🏝 Klimanotstand auf den Marshallinseln: Während der dortigen Wahlen wird die Hauptstadt überflutet, gleichzeitig bricht Denguefieber aus und die Präsidentin bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe, denn für den Inselstaat bedeutet der Klimawandels ein sicheres Todesurteil.

🐟 Der Klimawandel hat in den vergangenen 20 Jahren 16% aller Fischerei-Arbeitsplätze in New England vernichtet.

🏔 Rund ein Viertel der Menschheit ist von Wasserknappheit durch abschmelzende Gletscher bedroht, gleichzeitig hat sich der Wasserverbrauch im untersuchten Zeitraum von 1900 bis 2010 vervierfacht. Bedroht sind vor allen Nationen und Bevölkerungen in Bergregionen.

💸 Teile des Energiecharta-Vertrags aus dem kalten Krieg, der damals zur Einbeziehung der Ostblock-Staaten in den europäischen Energiemarkt beschlossen wurde, ermächtigen Energie-Unternehmen zu Klagen gegen Regierungen aufgrund ihrer Klimapolitik.

💵 Die spanische Energiewirtschaft schickt Lobbyisten nach Madrid und sponsort die Klimaverhandlungen mit Millionen von Euro. Aktivisten beschuldigen die Klimakonferenz nun des Greenwashings und die Unternehmen der Unterwanderung und Verzögerung der Verhandlungen.

🤘 Der englische Kraftwerksbetreiber Drax hat Pläne vorgestellt, laut denen seine Kraftwerke innerhalb der nächsten zehn Jahre mit Carbon-Storage kohlenstoffnegativ werden sollen. Es wäre das erste kohlenstoffnegative Unternehmen der Welt. Carbon-Storage gehört zu den Schlüsselelementen einer kohlenstoffneutralen Wirtschaft, wie eine neue Studie jüngst feststellte.

💊 Bayer will bis 2030 klimaneutral werden.

🌾 Der Klimawandel bedroht die fruchtbarsten Gegenden der Welt und mehrere gleichzeitige Extremwettervorkommen wie Dürren in Amerika und Waldbrände in Brasilien könnten Schocks in internationalen Nahrungsmittel-Wirtschaftssystemen auslösen, die wiederum politische Unruhen auslösen können. Gleichzeitig hat eine neue Studie Veränderungen in den Jet-Streams festgestellt, die die Nahrungsmittelbestände noch weiter gefährden. Auch diese werden durch den Klimawandel verstärkt.

In a study published in the journal Nature Climate Change, IIASA researcher Franziska Gaupp and colleagues looked at the risk of simultaneous breadbasket failures due to climatic extremes, and how the risk has changed over time. “Climatic connections between global phenomena such as the El Niño Southern Oscilliation (ENSO) and regional climate extremes such as Indian heatwaves, or flood risks around the globe pose a risk to the global food system,” notes lead author Gaupp. “Climatic shocks to agricultural production contribute to food price spikes and famine, with the potential to trigger other systemic risks, including political unrest and migration. This analysis can provide the basis for a more efficient allocation of resources to contingency plans and strategic crop reserves that would enhance the resilience of the global food system.”

🌊 Florida säuft laut neuester Projektionen bis 2120 ab, der Meeresspiegel steigt dort bis 2070 um 1,5 Meter, bis 2120 um dreieinhalb. Der Anstieg ist nicht mehr zu verhindern und dazu kommt die berüchtigte „Hurricane-Season“ mit regelmäßigen Stürmen. Miami kämpft bereits jetzt mit den Auswirkungen eines steigenden Grundwasserspiegels, erste Bezirke werden dort bereits umgesiedelt und die Immobilienpreise fallen ins bodenlose. Kiss Florida goodbye.

At the annual meeting of the four southeast Florida counties, they raised the upper planning scenario for rising sea level, by another five inches over the coming century. As shown on their chart above, that brings the outlook for the year 2120 to 136 inches, just over 11 feet (3.5 meters).

Even looking ahead to the shorter 50-year planning horizon for construction – the year 2070 – the recommendation is 54 inches, 4 1/2 feet (1.4 meters). It will be difficult for many low-lying areas to adapt to that.

💦 Phys.org: New projection: Faster rising seas forecast in South Florida

New scientific projections released Wednesday predict that ocean levels will rise even faster than previously forecast over the next four decades in low-lying southeastern Florida, which is already prone to frequent flooding even on sunny days.

Compared with estimates made in 2015, the new prediction is for about 5 inches (12 centimeters) in additional sea level rise under a moderate outlook by 2060. The projection was released as part of a meeting of the Southeast Florida Climate Leadership Summit, which covers densely populated Miami-Dade, Broward, Palm Beach and Monroe counties.

About 3 inches (7 centimeters) of rising seas have already occurred between 1992 and 2019 in the region, according to the new study. It’s become common at high tides—especially the most robust king tides—to flood roads, parks, yards and structures as the water continues to creep upward. Sometimes the water pushes up through inland stormwater systems.

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