This Banana didn’t kill itself

11. Dezember 2019 10:56 | #Kunst #Memetik

Die dümmste Kunst jüngerer Zeit konnte man in dieser Woche auf der Art Basel betrachten, wo die Schickeria Selfies vor einer an die Wand geklebten Banane machten. Die Bananen-Deko wurde dann für 120.000 Euro verkauft und schließlich von einem anderen Künstler aufgegessen. Postmoderne Kunst frisst sich selbst, nichtssagender Fruchtquark, der sich im Kreis um sich selbst dreht und folgerichtig nur von gutverdienenden Vollidioten als „Kunst“ gefeiert wird. Die Frucht-Wanddeko sagt nichts, gar nichts, auch nicht über den Kunstmarkt, der sich ja selbst gerne ironisch kritisiert und auch der kulinarische Abgang ist rein inzestiöse Ironie, die genau so leer ist wie die Köpfe der Besucher.

Wo Margerites Nicht-Pfeiffe auf die fließenden Übergangsbereiche von Wahrnehmung und Interpretation, Duchamps Fountain-Pissoir und die Dadaisten auf künstlerische Dimensionen der Alltäglichkeit und die Allpräsenz der Abstraktion hinwiesen, sagt diese Banane in reinster Selbstbezüglichkeit nichts. Man kann eine Banane an die Wand kleben – die schönen Menschen werden sich davor stellen und feix grinsend schlechte Selfies für Likes auf Instagram schießen und irgendjemand wird sie bestimmt total ironisch aufessen für ein bisschen Heckmeck, das ist keine Aussage von Kunst sondern ein billiger Marketing-Gag für BWLer und selbstverständlich geht die Banane viral im Internet.

Folgerichtig ist die bessere Kunst auch ganz sicher nicht die Banane oder das gefeierte Fressen der Hülsenfrucht, sondern das Graffiti, das nach der Aktion mit einem Lippenstift an die Wand gemalt wurde, wo einmal ein affektierter Künstler eine Banane hinklebte. Dort standen für wenige Minuten nach der Verspeisung des letzten Bedeutungsreste in dieser Welt die Worte „Epstein didn’t kill himself“ geschrieben.

Damit hat sich die Kunst der Art Basel endgültig selbst aufgelöst in einem wirren Spektakel aus Ironie, Realität, Verschwörungstheorie und Fiktion. Die Banane ist verdaut, der Tod eines pädophilen Elite-Menschenhändlers wird zum kulturellen Artefakt und die Meme mutiert zu einem treffenderen Kommentar auf die Irrelevanz eines Kunstmarkts, der zum Zustand der Welt nichts mehr sagen kann.

Epstein-themed Christmas merchandise is reported to be outselling “Game of Thrones” gear by some opportunistic online retailers. It is madness, an amoral panic, and it’s hard to know what will come next. The sheer ubiquity of the meme-turned-phenomenon signals not just widespread doubt as to the circumstances of Jeffrey Epstein’s death, but a deep-seated distrust of media, elites, and the rule of law fueling an impulse to snatch back the narrative through whatever means available. And the weirdest part is that it may actually be working. The meme is the medium is the message.

Nichts ist wirklich, niemand ist „real“, es bleibt nur das viel zu sichere Lächeln der schönen Menschen auf der Art Basel.

Das österreichische Künstlerkollektiv Monochrom hatte auf ‘ner Ausstellung immerhin noch die Wände aufgebohrt in einer tatsächlichen handwerklichen Bühnenbau-Arbeit und dies dann, als die Besucher die Bauarbeiten für eine Performance hielten, als Kommentar auf Arbeit und Entlohnung im Kunstmarkt in eine Installation für die Dauer der Veranstaltung verwandelt. Die hatten ihre Bananen in der Mittagspause verdrückt. Kunst just ate itself.

Dazu auch ein guter Kommentar auf Telepolis von Rainer Schreiber.

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