Star Wars – The Rise of Skywalker (Review)

18. Dezember 2019 12:07 | #Film #Review #Star Wars

★★★★★★☆☆☆☆ [6/10]

The Rise of Skywalker ist der neunte Teil der Star Wars-Saga, der letzte Eintrag in einer Trilogie von Trilogien und Abschluss der Familiengeschichte der Skywalkers. Leider ist dieser neunte Teil eine konfuse und von Plotholes durchlöcherte Ansammlung von knallenden Effekt-Shots, die sich kaum Zeit lassen, um ihre Charaktere zu entwickeln oder die Tragik und Konsequenzen der Handlungen seiner Figuren entfalten zu lassen. Poe, Finn und Rey jagen einen MacGuffin nach dem anderen, hetzen von Setpiece zu Setpiece und absolvieren übergangsweise die üblichen Actionsequenzen, die natürlich hervorragend funktionieren für 2 Sekunden Adrenalinkick.

Denn wie Scorsese im Sommer bereits kritisierte: Wir sind hier nicht im Kino, sondern in Disneyland. JJ Abrams ist mit seiner mechanischen Inszenierung dafür genau der richtige Regisseur: Die Puzzleteile seiner Mysterybox fügen sich nahtlos aneinander und die Figuren fallen alle in die Handlungsmuster, die für sie vorgesehen sind. Von Menschlichkeit – keine Spur. Der Film erinnert in dieser mechanistischen Rhythmik an den zweiten Teil der Prequels, der ähnlich wie ein Videogame funktionierte und in dem die Helden ebenfalls nur von Level zu Level taumelten und wo die Szenen stellenweise tatsächlich an 2D-Plattformer erinnerten. Hier dasselbe, nur von Disney und ein bisschen unterhaltsamer.

All das würde weniger ins Gewicht fallen, wären die Action-Sequenzen nicht an manchen Punkten so überaus albern (ich erinnere an den furchtbaren Casino-Ride auf Canto Bight, das, nur exponentiell schlimmer). Darüber hinaus gibt es in diesem Film keinerlei Stakes, nichts steht auf dem Spiel. Wir wissen natürlich genau, wie es ausgehen wird und noch schlimmer ist die neue Allmacht der Jedi und Sith. Wo Yoda noch unter sichtbarer Anstrengung einen X-Wing-Fighter telekinetisch aus dem Sumpf hob, ringen Nachwuchs-Jedi/Sith Rey und Ren um startende Transporter, ganze Flotten werden mal schnell in den Orbit geschwungen und vernichtet. Star Wars fällt in die Superman-Falle und gestattet seinen Figuren eine Allmacht, die jegliche Dramatik zerstört.

Immerhin funktionieren einige der Figuren-Konstellationen. Die mysteriöse Verbindung von Rey und Ken wendet sich zu einem guten und dramatischen Finale, Dameron Poe und seine neue Piratenfreundin funktionieren prächtig und es bereitet ein großes Vergnügen, den alten Imperator wieder auf der Leinwand zu sehen. Natürlich sind auch die Actionsequenzen für sich genommen rasant und kickass und nur manchmal auf diese Disney-Weise völlig an den Haaren herbeigezogen.

Das Wiedersehen mit Carrie Fisher ist rührend und wer hier im Kinosessel nicht eine Träne wegdrückt, hat kein Herz. Leider sind die Szenen sichtlich aus dem Kontext ihrer Entstehung gerissen: Der Film benutzt Sequenzen, die Carrie Fisher ursprünglich für Teil 7 und 8 gedreht hatte und dem Schneideraum zum Opfer fielen und das merkt man. Leia erscheint immer mal wieder, sagt ein paar nichtssagende Dialogzeilen auf und verschwindet. Ihre Figur ist nur fragmentarisch in die Handlung eingebettet, ihr Character funktioniert weitgehend über das gesprochene Wort, nicht die sichtbare Figur. Young CGI-Leia sieht aus wie ein Deepfake, die Gesichts-Proportionen stimmen nach wie vor nicht. Mir scheint hier ein rein technokratischer Effekt-Ansatz vorzuliegen, offenbar wurde Carrie Fisher digital vermessen und der CGI-Charakter rein auf Datengrundlage kreiert, und nicht nach der Wirkung auf der Leinwand. Das 3D-Modell mag mathematisch exakt akkurat sein, die optische Wirkung im Bild aber ist eine andere. Das aber ist reine Spekulation.

Der Film bleibt für mich leider ein sehr durchwachsenes Vergnügen, auch wenn ich mich durchaus gut unterhalten gefühlt habe. Dennoch kann man diesen neunten und letzten Star Wars-Teil vor allem als Bestätigung der völlig berechtigten Kritik von Scorsese am modernen Blockbuster-Kino lesen.

Ich bin erstmal froh, dass sich Disney eine (hoffentlich mindestens) dreijährige Star Wars-Filmpause gönnt und sich wohl zunächst auf Serien konzentriert. The Mandalorian ist der weitaus bessere Neueintrag in das Franchise und das Format tut dem Stoff sichtlich gut und zeigt, wieviel Potenzial in der Star Wars-Mythologie auch heute noch steckt. Leider aber hinterlässt der finale Abschluss der Skywalker-Sage bei mir einen übersättigten und faden Nachgeschmack, den Star Wars nicht verdient hat.

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