Meme als Ideen-Kompression

7. Februar 2020 10:47 | #Memetik #Philosophie #synch

Meme als Kompression, ein Text transportiert beispielsweise 50 Ideen in 5 Minuten, also grob 0,15 Ideen pro Sekunde. Ein Bild dagegen transportiert zwar nur eine handvoll Ideen, kommuniziert diese aber innerhalb einer Sekunde, was zB 2 Ideen pro Sekunde entspricht. Die memetische Kompressionsrate des Bildes ist also grob 25 mal höher als die eines Texts. Ich mag das Konzept, selbst wenn es unausgereift ist: Ideen in Bildern sind vom Betrachter und seiner Kognition abhängig. Ein Farbenblinder erkennt etwa in einem Bild möglicherweise andere Ideen, als andere. Ideen in einem Text sind weniger interpretationsbedürftig.

Andererseits sind Meme als Kompression bereits in meiner Meme-Definition vorab eingebaut: „Garfield“ ist Ausdruck der Idee „anthropomorphe Katze“, also eine Katze mit menschlichen Eigenschaften. Eine „anthropomorphe Katze“ wiederum ist eine weniger abstrakte Version der Idee „Katze“ und diese wiederum ein weniger abstrakte Version der Idee „Tier“ und das wiederum eine weniger abstrakte Version der Idee „Lebewesen“ so weiter. Diese immer höheren Abstraktionsstufen (oder Meme-Level) weisen immer höhere memetische Kompressionsraten auf. Die allerhöchste Abstraktionsstufe mit der höchsten Kompressionsrate wäre in diesem Bild die Idee von Gott oder newschool, die der allumfassenden Simulation.

Die memetische Kompressionsrate wäre eine Neuformulierung oder Abwandlung der Komplexitätsreduktion. Wir alle reduzieren Realität auf eine wahrnehmbare Welt. Wenn wir ein Buch betrachten, sehen wir nicht die Trillionen von Elektronenwolken und ihre Interaktionen und die Magnetfelder, die letztlich die Beschaffenheit des Papiers formen. Wir sehen ein Buch. Wenn wir uns die Hände schütteln ist uns nicht bewusst, dass wir einander eigentlich gar nicht berühren, sondern tatsächlich nur die Abstoßungskräfte elektrisch geladener Teilchen spüren, die in einem Haufen Nichts schweben. Wir schütteln uns die Hände. Die maximale Komplexitätsreduktion wäre ebenfalls mythologisch. Gott bzw. Der Simulationsgedanke reduziert die Komplexität der Welt auf eine einzige Idee und die Realität mit all den Quarks und Elektronen, ihren Orbits und Quantenzuständen, ist die höchste, nicht mehr wahrzunehmende Komplexität.

Genau deshalb gibt es das mythologische Bild der „Blendung durch die Ansicht Gottes“, das Äquivalent zur Blendung durch Erkenntnis in Platos Höhlengleichnis. Eine Verstümmelung der Kognition durch Konfrontation mit der maximalen Komplexität: Das maximal komprimierte Meme – Gott/Simulation als memetische Singularität – transportiert soviel Information, dass sie unsere Wahrnehmung buchstäblich verbrennt.

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