Studie: Soziale Medien steigern Nachrichtenvielfalt

Eine weitere Studie widerlegt die These der Filterblase und bestätigt gesteigerten und vielfältigeren Nachrichtenkonsum. Die Forscher sprechen in ihrer Pressemitteilung zur Studie fälschlicherweise davon, dass die Ergebnisse auch die Bildung von Echokammern widerlegen würde, das Gegenteil aber ist der Fall. Vor ein paar Tagen erst bloggte ich über eine weitere Studie, die ebenfalls einen gesteigerten, vielfältigeren Nachrichtenkonsum konstatiert – und zwar innerhalb dieser Echokammern, in denen Leute ihre eigene Haltung mit Verweisen auf Nachrichten und Meldungen gegenteiliger Meinungen zementieren.

Dr. Frank Mangold von der Universität Hohenheim erklärt: „Unsere Ergebnisse zeigen […], dass soziale Medien und Suchmaschinen durchaus das Potenzial haben, bestehende Mauern zu überwinden“. Und genau das ist das Problem.

Die Gleichung ist einfach: Je mehr Internet, desto mehr Nachrichten aus allen Lagern, auch aus dem der „Anderen“. Diese Meldungen nutzen wir vor allem dafür, die Echokammer unseres Tribes zu befeuern und damit unsere eigene Haltung zu stärken. Ich vermute, die meistgeklickten News-Items in polarisierten Tribes stammen aus dem jeweils gegnerischen Lager. Die beiden Studien stehen meines Erachtens nicht im Widerspruch zueinander und ergänzen sich.

Paper: How social network sites and other online intermediaries increase exposure to news // Spektrum

“Wer Facebook oder Google besucht, kommt mit einer größeren Wahrscheinlichkeit mit Nachrichten in Kontakt. Die Nutzung dieser Intermediäre ist daher ein wichtiger Mechanismus für den Konsum von Nachrichten im Internet”, erklärt Dr. Frank Mangold von der Universität Hohenheim. Das Forscherteam führt dies auf das Konzept der zufälligen Rezeption von Nachrichten zurück. In traditionellen Medien wie Fernsehen und Zeitung sehen Bürgerinnen und Bürger Nachrichten oft nur, wenn sie diese bewusst auswählen. Auf intermediären Plattformen kommen Menschen auch zufällig mit Nachrichten in Berührung, etwa wenn ihre Kontakte Nachrichteninhalte teilen oder sie beim Abrufen von E-Mails auf interessante Artikel stoßen.

Die Studienergebnisse haben, so die Forscher, bedeutsame politische und gesellschaftliche Implikationen, weil sie der Bildung von Filterblasen oder Echokammern widersprechen. “Bisherige Debatten haben sich in vielerlei Hinsicht um die Befürchtung gedreht, dass Online-Medien zur Entstehung neuer Mauern in der Gesellschaft führen”, so Prof. Dr. Michael Scharkow von der JGU. “Unsere Ergebnisse zeigen demgegenüber, dass soziale Medien und Suchmaschinen durchaus das Potenzial haben, bestehende Mauern zu überwinden.”

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