Martin Sonneborns verbotene Rede zur Hufeisentheorie 🧲

16. Februar 2020 9:19 | #Linke #Nazis #Neue Rechte #Politik #Wahlen

Martin Sonneborn hielt am Freitag im EU-Parlament eine Rede zur Hufeisentheorie mit Kommunismus/Nazi-Binde, weshalb die Videos der Rede nicht veröffentlicht wurden. Also hat er die Rede noch einmal gehalten im Newsroom der Partei DIE PARTEI.

Langatmige Rede, Freitagnachmittag unter schwierigen technischen Bedingungen im Newsroom der PARTEI in BrĂĽssel aufgenommen. UrsprĂĽnglich hatten wir letzte Woche offiziell im Parlament in StraĂźburg aufgezeichnet; aber Parlamentspräsident Sassoli schlenderte zufällig am Medienbereich vorbei, offenbar zu dem Zeitpunkt, an dem Hammer und Sichel bereits zu Boden gegangen waren, und sah durch meine Hakenkreuz-Binde die WĂĽrde des Parlaments so schwer verletzt, dass er Anweisungen gab, uns die Film-Datei nicht auszuhändigen. Sein Vorgänger, der alte Mussolini-Verehrer Tajani, wäre da groĂźmĂĽtiger gewesen… Smiley!

Hier das Transkript der Rede zum Studium für Anhänger und Gegner des RechtsLinksAlleGleich-Gefasels. Ich persönlich denke zwar nicht, dass es „keine Mitte“ gibt (was für ein Unsinn), halte das Geschwätz der ähnlichen Ränder und den pseudowissenschaftlichen Hufeisencrap allerdings für noch größeren Schwachsinn. Vielleicht erläutere ich diesen Satz demnächst etwas ausführlicher.

Liebe Extremistinnen und Extremisten drauĂźen an den Geräten, in ThĂĽringen, dem Kernland von Rostbratwurst und nationalsozialistischer Machtergreifung, hat sich ein windiger AFDP-Friseur mit Cowboy-Stiefeln und voller Absicht aus Versehen zum Ministerpräsidenten wählen lassen – bevor er sein Amt nur Stunden später widerwilligst wieder aufgab.

Ich gehe davon aus, dass die EU-Kommissionspräsidentin in KĂĽrze nachziehen wird, denn die Blaupause fĂĽr einen derartigen Kulturbruch stammt aus BrĂĽssel. Nicht umsonst hat Ursula vonderLeyen – gerade endlich selbst einmal zu Gast in dem ihr zu Ehren eingerichteten Untersuchungsausschuss zur Berater-Affäre – erst vor ein paar Monaten offensiv um die UnterstĂĽtzung von Rechtsradikalen geworben.

Ihre knappe und ohnehin höchst undemokratische Wahl – KEIN europäischer BĂĽrger hatte sie JE auf dem Wahlzettel, wenn ich mich recht erinnere, – verdankt sie letztlich den entscheidenden Stimmen der rechtsnationalistischen polnischen PISS-Partei und des ungarischen Möchtegern-Faschisten Viktator Orban.

In den öffentlichen Debatten kursiert dieser Tage ein lustiges kleines Theorem, das vermutlich als das erbärmlichste politische Analyseangebot des 21. Jahrhunderts in die Geschichte der Sie behauptet, dass es im politischen Raum so etwas wie eine „Mitte“ gibt – gutartige Vertreter der liberalen Demokratie – und „Ränder“ aus bösartigen Extremisten, die sich irgendwie gegen diese Mitte richten. Und das war’s auch schon. Geistreicher wird es nicht.

Die Vertreter der Mitte, deren analytisches Elementarwissen eigentlich in der Phrase gipfelt, in einer „komplexen Welt“ könne es so „einfache Antworten“ gar nicht geben, scheinen selbst auch nicht die feurigsten Vorkämpfer differenzierten Denkens zu sein. MaĂźgeblicher StĂĽtzpfeiler der – wissenschaftlich höchst problematischen – Hufeisenidee ist ein von neurechten Vordenkern des Verfassungsschutzes als „Extremismustheorie“ entwickeltes Konzept, das v.a. von einem gewissen Eckhard Jesse in Umlauf gebracht wurde.

Jesses augenfällige Schlagseite zeigt sich nicht allein in der fortgesetzten Verbreitung nationalistischer und geschichtsrevisionistischer Thesen, sie ist auch im Verbotsverfahren gegen die dämliche NPD deutlich geworden. Seiner faschismusverniedlichenden Ansicht, die NPD sei für ein Verbot doch viel zu unbedeutend, schloss sich das Verfassungsgericht bekanntlich an – zur Überraschung und Freude meines damaligen Sitznachbarn – Sie erinnern sich an den senilen Udo Voigt.

Wenn man AfD und Linkspartei neuerdings also gleichsetzen muss – gilt das dann auch fĂĽr Hitler und Stauffenberg? AKK und PKK? Trichlorethylen und Tick, Trick und Track? Hufeisentheorien mögen auf der Trabrennbahn von Nutzen sein, Als vereinfachende Welterklärungsformeln sind sie völlig ungeeignet.

Ein Hufeisen unterschlägt nicht nur den – zugegebenermaĂźen feinen, aber ausschlaggebenden – Unterschied zwischen Kapitalismuskritik und Naziterrorismus, sondern auch alle Extremismen, die sich in der – angeblich extremismusfreien – Mitte selbst verbergen. Und die reichen immerhin vom neoliberalen Marktextremismus der SpaĂźpartei FDP ĂĽber den extremistischen Opportunismus eines Olaf Scholz (angeblich SPD) bis zur – ohne jeden Zweifel – extremistischen SelbstĂĽberschätzung eines kompetenzfreien Provinzpolitikers. Ăśber die Extremisten der verfickten AfD ist mittlerweile genug gesagt, geschrieben und berichtet worden. Alles davon stimmt.

Die sozialdemokratisierte Linkspartei vertritt ähnlich gefährliche Positionen wie die SPD. „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden…“ (Das war jetzt CDU, nicht die stalinistischen Kommunisten der Linkspartei). Wäre die Linkspartei mittlerweile nicht völlig überfordert, wenn man sie auch nur um einen Hauch Linksextremismus bäte? Doch, doch, das wäre sie.

Was ist das eigentlich für ein Land geworden, in dem einem auf Anhieb mindestens fünf gefährliche Rechtsextremisten einfallen, aber kein einziger gefährlicher Linksextremist außer Johannes Kahrs?

Um die allenthalben entstandene Verwirrung endlich aufzulösen, möchte ich allen, die die Linke tatsächlich für irgendein Spiegelbild der Piiiiiiiiieeeep! AfD halten,
folgendes ankündigen: Bei Gelegenheit werde ich persönlich eine richtig gefährliche, durch und durch stalinistische, maoistische oder noch verdorbenere Partei gründen, die es sich zum obersten, nicht verhandelbaren Ziel setzt, die überlebenden Reste unseres Planeten einem krass ekelhaften, fett kommunistischen Terrorregime zu unterwerfen.

Ich wĂĽrde mir zum Beispiel vornehmen, das Vermögen des reichsten Prozents zu konfiszieren, um es auf die restlichen 99% der Menschheit – und mich – zu verteilen, Facebook und Amazon verstaatlichen, derivative Finanzinstrumente verbieten, Heckler & Koch & Kollegen abwickeln, „Super Umwelt Ficker“-SUV-Aufkleber auf alle SUVs kleben und jeden tagelang foltern, der dabei auch nur vorsichtig geblinzelt hat.

Und DAS, liebe Freunde der Hufeisentheorie, wäre dann das echte Korrelat zu den Faschisten, die Sie auf der anderen Seite Ihrer unterkomplexen Weltsicht finden. Europa nicht den Leyen überlassen, die politische Theorie aber auch nicht.

Smiley!

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