17. Oktober 2018

NPCs banned on the Tweeties

4chan hat 1500 NPC-Accounts auf Twitter eröffnet, was innerhalb weniger Tage in so etwas wie rudimentäre Wahlmanipulation von rechten Trollen mündete.

NYTimes: „Twitter has barred hundreds of right-wing accounts for posing as soulless, 'nonplayable' liberal activists.

Over the weekend, Twitter responded by suspending about 1,500 accounts associated with the NPC trolling campaign. […]

Late last week, a group of users on r/the_donald, Reddit’s largest pro-Trump forum, decided to take the NPC meme to a wider audience. They created dozens of Twitter accounts using fictional NPC personalities, the NPC Wojak avatar and bios like “fighting against Nazi Racist Drumpf Fascist Cheetofinger.” They used these accounts to follow and tweet at one another, as well as at liberals, creating the semblance of an army of resisters mindlessly repeating anti-Trump talking points.

The campaign began as a joke. But a few of the accounts started posting misleading information about the midterm elections, including encouraging liberals to vote on Nov. 7. (Election Day is Nov. 6.) […]

Are these people actually trying to interfere in the election? Probably not. Evidence suggests that these are mostly just attention-starved gamers looking to impress one another by “triggering the libs” with edgy memes (Hervorhebung von mir).

14. Oktober 2018

#Unteilbar Panoramas

Ein paar Panorama-Shots sowie Tilo Jungs „Eindrücke von der #Unteilbar Demo in Berlin - 13. Oktober… Gib mir den Rest, Baby!
12. Oktober 2018

LinksRechts: Marina Weißband über Freiheit, eine Problemskizze linker Diskurse, zwei Bücher über Zensur

Michael Seemann rekonstruiert eins der Feindbilder der AFD und setzt es in Kontext, Gauland schreibt minus Kontext ab und rückt die Diagnose einer „globalen Klasse“ durch die Weglassung ihres Kontextes in die Nähe einer Hitler-Rede. Womit sich Gaulands faschistoides Weltbild inklusive schwammigen Feinbild wieder einmal bestätigt.

Marina Weißband ist bei den Grünen eingetreten. Aus einem TAZ-Interview: „Jeder, der Freiheit sagt, muss dazu sagen: Wessen Freiheit ist gemeint, Freiheit wovon und wofür? Freiheit braucht Begrenzung. Sonst überrollt die Freiheit des einen die des anderen. Ein radikal marktliberales System würde Menschen ebenso an ihrer freien Entfaltung hindern wie ein autoritäres System.“ Ich mag die Weißband.

Aufstehen-Mitinitiator Ludger Volmer: Versuch einer Problemskizze – Linke Diskurse sollten in Sachen Migration eine differenzierte Analyse des Phänomens und der Handlungsbedingungen versuchen

In der Frage der Zuwanderung gibt es – solange man auf innen- und rechtspolitischem Terrain bleibt – nur reaktionäre, konservative oder liberale Antworten, aber keine dezidiert linken. Dann und nur dann, wenn das Problem mit Blick auf globale ökonomische, ökologische, ethno-religiöse und genderpolitische Probleme umdefiniert wird, entsteht Raum für linke Konzepte.

Ein Teil der Linken unterstützt linksliberale Strategien oder will sie noch weiter ausbauen Richtung offener Grenzen. Die Solidarisierungsrichtung geht nach außen, hin zu den Opfern von historischem Kolonialismus, aktuellem Neoliberalismus und seinen fatalen Regionalpolitiken. Ein anderer Teil solidarisiert sich eher nach innen mit den sozialen Gruppen, die objektiv oder nach eigenem Empfinden die Hauptlast der Migration zu tragen haben. Beide Sichtweisen haben ihre Widersprüche, die nicht leicht aufzulösen sind.

Polizei! Zensur! - „Zwei Bücher analysieren das hohe Gut der Meinungsfreiheit. Ist sie wirklich bedroht?“ Da der Autor zum Schluß der Forderung nach einer neuen Debatte „jenseits sturer Polemiken und effekthascherischer Extrempositionen“ zustimmt, dürfte die Antwort auf die Frage im Teaser-Text wohl „Ein bisschen“ lauten.

10. Oktober 2018

Leaked Google-Paper: The Good Censor

Ausgerechnet Breitbart hat ein internes „Google Briefing“ zugespielt bekommen, in dem sich sie Suchmaschine selbst als „The Good Censor“ bezeichnen und in der Zusammenfassung dafür neben dem Schutz ihrer User unter anderem globale Expansion, den Schutz ihrer Werbekunden und Monetarisierung als Grund angeben. Ich werde Breitbart hier ganz sicher nicht verlinken, hier eine Archive.is-Version ihres Artikels, dort das Dokument auf Scribd. Ausgerechnet Breitbart. Wie deren Interpretation des Dokuments aussieht, kann man sich ausdenken, der Artikel, vergisst aber natürlich (wie immer aus der Ecke) Dinge wie Poppers Toleranz-Paradoxon („Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz“).

Interessant wird das ganze, wenn man sich Googles Eigenbezeichnung als „Zensor“ verdeutlicht. Google erkennt hier seine (und die der weiteren Onlinemedien-Giganten Facebook und Twitter) Rolle als maßgeblich infrastrukturelle Instanz an, als quasi-staatliche Entität, die entsprechend Poppers Erkenntnis handelt und die Toleranz gegenüber der Intoleranz einschränkt. Nichts anderes bedeutet dieses Dokument.

Dass nun ausgerechnet das Rechtsaußen-Medium Breitbart sich hier nun zum Retter eines angeblich freien Internets circa 2008 aufschwingen kann und sich damit auch nostalgisch an alternde Tech-Bros ranschmeißen kann, die veralteten Utopien nachhängen, ist die Tragik dieser Entwicklung. Es ist zum Haare raufen.

9. Oktober 2018

SocialMedia-Rezeption gegenteiliger politischer Haltungen steigert Polarisation

Im derzeitigen politischen Klima (zumindest in den USA) führt die Rezeption von gegensätzlichen politischen Haltungen auf Twitter zu mehr Polarisation. Paper: Exposure to opposing views on social media can increase political polarization.

Ich stimme Scott Alexander zu, dass dies vor allem einer fortschreitenden Radikalisierung auf beiden Seiten geschuldet ist (auf der Linken beispielsweise durch Figuren wie Sibel Schick).

We randomly assigned respondents to a treatment condition in which they were offered financial incentives to follow a Twitter bot for 1 month that exposed them to messages from those with opposing political ideologies (e.g., elected officials, opinion leaders, media organizations, and nonprofit groups). Respondents were resurveyed at the end of the month to measure the effect of this treatment, and at regular intervals throughout the study period to monitor treatment compliance.

We find that Republicans who followed a liberal Twitter bot became substantially more conservative posttreatment. Democrats exhibited slight increases in liberal attitudes after following a conservative Twitter bot, although these effects are not statistically significant. Notwithstanding important limitations of our study, these findings have significant implications for the interdisciplinary literature on political polarization and the emerging field of computational social science.

Alexander verweist dann auch noch auf einen Quillette-Artikel über die „Better Angels“, die eine Art Anti-Dehumanisierungskampagne fahren: „It is to humanize others who think differently — ultimately, to make us less inclined to demonize others and more inclined to peacefully coexist.“

Bleibt natürlich in diesem Kontext die Frage nach dem Umgang mit einer „Neuen Rechten“, deren Dehumanisierung ideologisch bereits angelegt ist. Man sollte sich beispielsweise daran erinnern, dass eine der frühesten rechten Mainstream-Memes mit rassistischer Konnotation Harambe (der Gorilla) war.

Andererseits zielen Projekte wie etwa Deutschland spricht auf eine Humanisierung von eben nicht radikalen Kräften (wie etwa der AFD oder der Neuen Rechten), sondern von Leuten, die trotz deren radikaler Natur bereit sind, mit ihnen auf die Straße zu gehen – den zentristischen bis mitterechten Protestwähler eben.

7. Oktober 2018
1. Oktober 2018
30. September 2018
16. August 2018
13. August 2018

Die Lieblingsfilme der Neuen Rechten und das Versagen der Filmkritik

Wolfgang M. Schmitt im Neuen Deutschland über die Lieblingsfilme der Neuen Rechten (Matrix, Fight Club, 300), warum Black Panther ein identitärer Film ist und wie die Filmkritik bei der Benennung dieser Dinge versagt: Völkische und Filme - Was die Lungen noch hergeben.

die Ideologie von »Black Panther« ist geradezu anti-emanzipatorisch, sie ist identitär und ethnopluralistisch: Das fiktive, von König T’Challa regierte Land Wakanda ist undemokratisch, lehnt internationale Interventionen kategorisch ab und setzt auf totale Abschottung, um sowohl den Wohlstand als auch die völkische Identität zu bewahren. T’Challas Gegenspieler, der antikolonialistische und internationalistische Revolutionär Killmonger, muss folglich sterben, um den Status quo nicht zu gefährden. Der vom Film als Utopia verkaufte Staat ist in Wahrheit eine Dystopie - als hätte der rechte Vordenker Alain de Benoist das Drehbuch verfasst.

Lichtmesz hat deshalb recht, wenn er sagt, »Black Panther« sei »vielleicht der erste Altright-Film«. Unter dem Gewand der von Marvel intendierten linksliberalen Identitätspolitik steckt nichts anderes als eine rechte Identitätspolitik. Diese zu entlarven, wäre die Aufgabe von Filmkritikern. Der ideologiekritische Urvater Siegfried Kracauer mahnte einst: »Der Filmkritiker von Rang ist nur als Gesellschaftskritiker denkbar.« Und zu fragen wäre auch, ob nicht die das Mainstreamkino dominierenden Superheldenfilme gut in die Zeit eines neuen Autoritarismus passen. Die Bürger kommen in diesen Werken bloß noch als Claqueure vor, die Geschicke der Welt liegen in den Händen von T’Challa, Thanos, Thor und anderen Übermenschen. Eines nämlich eint die diversen neurechten Strömungen: Sie alle sind antiegalitär.

6. August 2018
21. Juli 2018

Daily Beast: Inside Bannons Plan to Hijack Europe for the Far-Right

Ex-Presldent und wandelnde Kettenraucherwerbung Bannon zieht nach Brüssel um eine rechte Supergroup aufzuziehen. Das einzig gute daran: Er verleiht der EU damit Relevanz, traurig aber wahr. Link: https://www.thedailybeast.com/inside-bannons-plan-to-hijack-europe-for-the-far-right

Trump’s former White House chief advisor told The Daily Beast that he is setting up a foundation in Europe called The Movement which he hopes will lead a right-wing populist revolt across the continent starting with the European Parliament elections next spring.

The non-profit will be a central source of polling, advice on messaging, data targeting, and think-tank research for a ragtag band of right-wingers who are surging all over Europe, in many cases without professional political structures or significant budgets.

Bannon’s ambition is for his organization ultimately to rival the impact of Soros’s Open Society, which has given away $32 billion to largely liberal causes since it was established in 1984.

Over the past year, Bannon has held talks with right-wing groups across the continent from Nigel Farage and members of Marine Le Pen’s Front National (recently renamed Rassemblement National) in the West, to Hungary’s Viktor Orban and the Polish populists in the East.

He envisions a right-wing “supergroup” within the European Parliament that could attract as many as a third of the lawmakers after next May’s Europe-wide elections. A united populist bloc of that size would have the ability to seriously disrupt parliamentary proceedings, potentially granting Bannon huge power within the populist movement.

[update] spOnline: Steve Bannon plant offenbar rechtspopulistische Revolte in Europa.

Hier nochmal das 2016er Transkript einer Rede von Bannon im Vatikan, in der er seine Sicht auf die Welt darlegt.

3. Juli 2018
2. Juli 2018

Seehofer hat gewonnen 😶

Seehofer hat sich „in allen Punkten“ durchgesetzt und mit Österreich eine mitteleuropäische (rechte) Lösung für „illegale Migration“ gefunden mit Transitzentren an der deutsch-österreichischen Grenze „für Asylbewerber, die bereits in einem anderen EU-Land registriert sind, von wo sie „direkt in die zuständigen Länder zurückgewiesen werden“.

1. Ist ja auch so'n deutscher Trump-Moment, so ein bisschen jedenfalls.

2. Ich bin gespannt, was Italien und Griechenland zu der Einigung sagen.

3. Übernehmen wir da den Job von Österreich und verdienen über die Rückführungen beider Länder? Welche Unternehmen sind da unter Vertrag?

4. Mit Fluchtursachen hat diese Lösung offensichtlich nichts zu tun, gleichzeitig werden Seenotrettungen kriminalisiert, dabei gebieten sie die Menschenrechte.

5. Ich lese gerne Zeitgeist an Zeitschriftentiteln ab und die Zunahme an Militärtiteln, Real Crime und Mags wie „Kommando International Special Operations Magazine“ bereiten mir mehr Sorge, als alle Seehofers der Welt.
Ich grusel mich selten, aber grade beim Einkaufen durchaus sehr, denn Seehofer ist der Verkäufer einer Stimmung, die nicht erst seit gestern kippt und grade am Zeitschriftenmarkt und da grade im Trash, am Schlechten, am pop-esoterischen, übersteigerten und im rechten Fall gefährlichen Rotz – kann die superinformierte Internet-Bubble ablesen, wo es hingeht.

Die Verkäuferin so auf Nachfrage, ob die Scheiße sich verkauft und seit wann das so ist: „Verkauft sich wie blöde, seit circa 'nem einem Jahr“. I see a bad moon rising.

6. Tja. Keyboard-Seehofer spielt My Way, oder so. 😔

30. Juni 2018
16. Juni 2018
8. Juni 2018

Meme-Impact of /pol/, Gab, Twitter and Reddit across Plattforms

Neues Paper über den Impact von Memes auf 4chan, Reddit, Twitter und Gab.io und wie sie von dort sowohl den Mainstream als auch die Fringe-Communities im Netz beeinflussen: On the Origins of… Gib mir den Rest, Baby!
30. Mai 2018

Ritualistisches Wegbassen

Wir brauchen ein neues Symbol, die alten taugen nicht mehr und es könnte sein, dass wir vergangenes Wochenende eines geschaffen haben.Die Demo der AFD und die massiven Gegendemonstrationen… Gib mir den Rest, Baby!
28. Mai 2018
26. Mai 2018

Sibylle Berg: Politik von rechts – Hallo Mehrheit!

Sibylle Berg über die nicht vorhandene Wehrhaftigkeit gegen Rechts. Ich stimme ihr in jedem Wort zu und ich vermute, dass sich der liberale Teil der Linken demnächst unter einem neuen Dach konsolidieren wird. Abwarten.

Link: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kampf-gegen-rechts-wir-brauchen-eine-revolution-kolumne-a-1209368.html

Gib mir den Rest, Baby…

23. April 2018
16. April 2018