16. Oktober 2018

Kursbuch Realitycheck_Medien: Die Synchronisationsleistung der Massenmedien

Neulich gekauft: Kursbuch Realitycheck_Medien. Die Texte darin sind ohnehin toll, aber diese Ausgabe kaufte ich mir speziell wegen Armin Nassehis „Wir werden es gewusst haben“ und noch spezieller wegen seiner Ausführungen zu „Synchronisationsleistung der Massenmedien“ darin.

Die gesellschaftliche Leistung der Massenmedien besteht weniger darin, Orientierung, Klarheit und Konsens zu vermitteln, sondern einen Ort zu bieten, an dem so etwas wie politische Überzeugungen repräsentiert werden können (und dadurch erst entstehen) und Märkte sich selbst beobachten können (durch Publikation von Kursen, Preisen, unrealistischen Geschichten über Produkte und Dienstleistungen, vulgo Werbung usw). Ohne medial verbreitete Literatur- und Musikkritik, medizinische und erzieherische Aufklärung wäre jener informierte Bürger nicht entstanden, dessen Inklusion in die Gesellschaft vor allem dadurch erfolgte, dass er mitreden kann – und all das noch entsprechend differenziert für ökonomische Klassen, Bildungs- und kulturelle Milieus. Die besondere Leistung der klassischen Massenmedien ist also eine Synchronisationsleistung.

Gib mir den Rest, Baby…

12. Oktober 2018

Eine kleine Systemtheorie der Liebe ❤️

@Neurosophie verdichtet Luhmanns Kommunikationssystem der Liebe auf Mathematik. Ausgehend von einer fiktiven Begegnung und der Formulierung von Wahrscheinlichkeiten anhand der Band-Shirts der Begegnenden in einem Universum, das musikalisch nur die Stones, Doors und die Beatles kennt, schließt er:

Wochen später. Nach erneuten Begegnungen in der S2 kam es endlich zum Kontakt. Weitere Wochen später. Klaus hat zum Abendessen eingeladen. Es stellen sich Fragen über Fragen. Welche Getränke gehören in den Kühlschrank? Welches Buch lege ich sichtbar auf den Wohnzimmertisch? Wie dann weiter? Verhütung? Sind meine Verhaltensmuster im Einklang mit me too? Was kommuniziere ich wann? Dahinter stecken nun tausende gekoppelte cross entropy Relationen. Physikalisch lässt sich diese Interpretation weiter ausbauen. Das Liebespaar bildet ein gemeinsames Inertialsystem aus, deren Dynamik sich in Matrizen mit Eigenwerten abbilden lässt. Novalis‘ Liebe um der Liebe willen wird in der Realität dieser Physik der Autopoiesis sichtbar.

Wir wissen natürlich nicht, ob Klaus und Marion glücklich werden. Wir dürfen das als eher unwahrscheinlich betrachten.

Doch eines ist sicher: Die Liebe als interpenetrierender Tanz um die cross entropy mag beide vor dem Wärmetod bewahren.

Ich finde ja den interpenetrierenden Tanz biochemischer Teilchen unberechenbar, nur aus nächster Nähe und unmathematisch erfahrbar und für die Menschen weitgehend systemisch nonkommunikativ, wobei sie ja doch einen riesigen und deshalb mandatorischen Anteil am interpenetrierenden Gesamt-Tanz einnehmen. Aber wer fragt mich schon, konkrete Biochemie ist heutzutage in Liebesdingen einfach nicht mehr en vogue. SoziologInnen, ey.

1. Juli 2018